Der eine witzelt, der andere protestiert – so läuft die Zusammenkunft der Schachgiganten Das Kandidatenturnier auf
Zypern beginnt spektakulär. Ein erst 20-Jähriger dominiert die Weltelite. Der deutsche Großmeister Blübaum wendet sich an die Fans. Und: Neue Anti-Betrugs-Regeln sorgen für Ärger. Die Bilanz vom Auftakt. Dieser Artikel gehört zum Angebot von SPIEGEL+. Sie können ihn auch ohne Abonnement lesen, weil er Ihnen geschenkt wurde. Beim Kandidatenturnier auf
Zypern spielen in diesen Tagen einige der stärksten Schachgroßmeister der Welt um die WM-Qualifikation. Nur der Sieger des 14-Runden-Turniers darf am Ende Weltmeister
Dommaraju Gukesh herausfordern. Die ersten vier Partien liegen hinter den Profis, an diesem Donnerstag steht ein Ruhetag an. Gelegenheit, einen Blick auf die bisherigen Geschichten des Turniers zu werfen. Der Great Blübaum Sweep: Der deutsche Großmeister
Matthias Blübaum gilt beim Kandidatenturnier als Außenseiter. Die Schachbubble in den sozialen Netzwerken drehte die Ausgangslage aus Spaß einfach um und prognostizierte vor Beginn den #GreatBluebaumSweep, den Durchmarsch des Deutschen mit 14 Siegen in 14 Partien. Nun ja, so ganz hat das nicht geklappt. Blübaums erste Partie endete unentschieden. »Es sieht so aus, als hätte ich den Great Blübaum Sweep schon ruiniert«, sagte Blübaum danach: »Sorry für den schlechten Fan-Service!« Einen Durchmarsch der etwas anderen Art könnte er aber schaffen: Blübaum hat viermal Remis gespielt, ist als einer von nur zwei Spielern noch ungeschlagen und liegt auf dem geteilten dritten Platz. An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von
Instagram, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können Ihre Zustimmung jederzeit wieder zurücknehmen. Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Kopfsache: Ein erst 20 Jahre alter Usbeke dominiert das Turnier bisher mit drei Siegen.
Javohir Sindarov gehört zu einer jungen und aufstrebenden Generation an Schachgroßmeistern, die die alten Veteranen früher oder später verdrängen werden. Wie schnell das gehen könnte, sah man am Mittwoch: Sindarov traf auf den 33 Jahre alten
Fabiano Caruana, den ehemaligen Vizeweltmeister. Sindarov setzte seinen Gegner mit einer einstudierten Variante des Damengambits unter Druck, oft zog er seine Figuren innerhalb weniger Sekunden. Caruana dagegen grübelte lang und geriet in Zeitnot. Erst beim 17. Zug (!) fing auch Sindarov an, am Brett nachzudenken. Dann überrollte er Caruana. Großmeister
Javohir Sindarov: Vier Partien, drei Siege, ein Unentschieden Entdeckung des Turniers: Parallel findet auch das Kandidatinnenturnier zur WM-Qualifikation der Frauen statt. Wo man das Turnier am besten verfolgt? Es gibt offizielle Kanäle. Aber wer sich tiefe Analysen in gemütlicher Atmosphäre wünscht, der schaltet bei Jovanka Houska ein. Die englische Großmeisterin der Frauen kommentiert die Partien aus ihrem Do-it-Yourself-Studio, ihrer Küche. An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von
Instagram, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können Ihre Zustimmung jederzeit wieder zurücknehmen. Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Kriege beeinflussen das Turnier: Eigentlich sollte auch die indische Großmeisterin Koneru Humpy beim Kandidatinnenturnier starten. Doch angesichts des Irankriegs, nicht weit von
Zypern, äußerte sie Sorgen, ihre Reise sei womöglich nicht sicher – und sagte ab. Für Humpy sprang die ukrainische Großmeisterin Anna Musytschuk ein. Sie war 2022 vor dem russischen Angriffskrieg aus der Ukraine über Polen und Deutschland nach Spanien geflohen. Nun traf sie am Mittwoch auf die Russin Kateryna Lagno, die unter neutraler Flagge spielen muss. Beide schauten sich zur Begrüßung an und verweigerten den obligatorischen Handschlag. In der Partie unterlief Lagno ein schwerer Fehler, sie gab auf, erneut ohne Handschlag. Musytschuk, die Ersatzspielerin, führt das Turnier nun an. Anna Musytschuk (l.) gegen Kateryna Lagno: Ukraine gegen Russland Bitte nicht betrügen: Schach und Betrug, spätestens seit Beginn des Konflikts zwischen Superstar Magnus Carlsen und Hans Niemann (Sie wissen schon, der Analperlen-Witz, der sich verselbstständigt hat ), zieht sich das Thema durch die Szene. Der Weltverband Fide will offenbar auf Nummer sicher gehen und hat die Anti-Cheating-Maßnahmen auf
Zypern im Vergleich zu früheren Turnieren verschärft. Dazu gehören unter anderem Scanner am Eingang, die Großmeister dürfen keine verbotenen Hilfsmittel in den Spielsaal mitnehmen. US-Profi Hikaru Nakamura gefällt das gar nicht: »Da sind diese Metalldetektoren, da sind diese separaten Scanner. Ich komme mir vor, als wären wir alle Mossad-Agenten in Iran. Mal im Ernst, wir sind doch nur Schachspieler.« Zug des Turniers: Achtung, jetzt wird es nerdig. Dass auf
Zypern wirklich die Besten der Welt spielen, sah man unter anderem in der Partie der Chinesin Tan Zhongyi gegen Kateryna Lagno. Zhongyi zog ihre Dame auf das Feld d5, ein schwerer Fehler. Sehen Sie warum? Dann versuchen Sie, die richtigen Züge zu finden, um mit Schwarz die weiße Dame zu erobern. Wenn Sie auf die Glühbirne klicken, bekommen Sie einen Hinweis. Sie wollen einfach nur die Show genießen? Dann klicken Sie auf das Fragezeichen.
Matthias Blübaum hat sich überraschend für das Schach-Kandidatenturnier qualifiziert. Nun ist er klarer Außenseiter – und will trotzdem zur WM. Sein Spielstil könnte den Favoriten gefährlich werden. Mehr dazu lesen Sie hier.