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THU · 2026-04-02 · 20:00 GMTBRIEF NSR-2026-0402-49824
News/Türkei und Armenien: Wann öffnen die Grenzübergänge?
NSR-2026-0402-49824News Report·DE·Diplomatic

Türkei und Armenien: Wann öffnen die Grenzübergänge?

Die Türkei und Armenien, durch eine fast 330 Kilometer lange Grenze getrennt, nähern sich nach über hundert Jahren Feindschaft an. Historische Belastungen, insbesondere die Massaker an den Armeniern im Osmanischen Reich und die türkische Haltung im Bergkarabach-Konflikt, führten 1993 zur Schließung der gemeinsamen Grenze.

Elmas Topcu | Aram Ekin DuranDeutsche Welle (DE)Filed 2026-04-02 · 20:00 GMTLean · CenterRead · 4 min
Türkei und Armenien: Wann öffnen die Grenzübergänge?
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Die Türkei und Armenien, durch eine fast 330 Kilometer lange Grenze getrennt, nähern sich nach über hundert Jahren Feindschaft an. Historische Belastungen, insbesondere die Massaker an den Armeniern im Osmanischen Reich und die türkische Haltung im Bergkarabach-Konflikt, führten 1993 zur Schließung der gemeinsamen Grenze. Seit 2022 gibt es jedoch eine vorsichtige Annäherung, da Armenien nicht mehr auf einer Anerkennung des Völkermords von 1915 besteht und ein Friedensabkommen mit Aserbaidschan geschlossen hat. Dies weckt in der türkischen Wirtschaft die Hoffnung auf eine baldige Normalisierung und Grenzöffnung. Die Grenzübergänge Alican und Akyaka könnten Beobachtern zufolge in wenigen Monaten wiedereröffnet werden, wobei Armenien bereits Vorbereitungen getroffen hat und die Türkei ebenfalls Fortschritte macht. Eine Grenzöffnung vor den armenischen Parlamentswahlen im Juni wäre ein Erfolg für Ministerpräsident Paschinjan.

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The Alican and Akyaka border crossings have been closed since the First Nagorno-Karabakh War.

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Turkey and Armenia share a nearly 330-kilometer-long border and have been enemies for over a hundred years.

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Trade between the two countries is indirectly conducted via Georgia and amounts to approximately 300 to 350 million US dollars.

statisticKaan Soyak, Vorsitzende des Türkisch-Armenischen Wirtschaftsentwicklungsrates
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Since 2022, there has been a cautious rapprochement between Turkey and Armenia.

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Armenian media report that Yerevan has already made the necessary preparations for the border opening.

factualArmenian media
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Es war ein historischer Moment im Juni 2025: Der armenische Regierungschef Nikol Paschinjan stieg aus dem Wagen und ging auf seinen Gastgeber, den türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan, zu. Die beiden Politiker schüttelten sich die Hände und drehten sich gemeinsam zu den Kameras - ein historischer Augenblick. Es war das erste Mal, dass ein armenischer Regierungsvertreter dem Nachbarland einen Arbeitsbesuch abstattete - und das auf offizielle Einladung eines türkischen Staatschefs. Die Türkei und Armenien teilen eine fast 330 Kilometer lange Landesgrenze und sind seit über hundert Jahren verfeindet. Historisch belastet sind die Beziehungen vor allem durch die Massaker an den Armeniern im Osmanischen Reich, die der Deutsche Bundestag, wie viele westliche Länder auch, im Jahr 2016 als Völkermord anerkannte. Auch die Haltung Ankaras im Bergkarabach-Konflikt sorgt für tiefe Gräben. Die Türkei stellte sich dabei auf die Seite von Armeniens Gegner Aserbaidschan und schloss 1993 die gemeinsame Grenze. Seit 2022 gibt es jedoch eine vorsichtige Annäherung. Der Binnenstaat Armenien besteht nicht mehr darauf, dass Ankara die Ereignisse von 1915 als Völkermord anerkennt. Zudem hat das Land den jahrzehntelangen Krieg um Bergkarabach mit Aserbaidschan im vergangenen Jahr durch ein Friedensabkommen beigelegt. Seitdem wächst in der türkischen Wirtschaft die Hoffnung auf eine baldige Normalisierung in der Region und die Öffnung der seit über drei Jahrzehnten geschlossenen Grenze. Vorsichtige Annäherung: Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan (rechts) und der armenische Regierungschef Nikol Paschinjan posieren im Juni 2025 für ein historisches Foto in IstanbulBild: DHA Die Türkei verfügt über zwei Übergänge zum benachbarten Armenien: Alican in der Provinz Igdir und Akyaka in der Provinz Kars. Beide sind seit dem Ersten Bergkarabach-Krieg dicht, könnten laut Beobachtern aber in wenigen Monaten wieder eröffnet werden. Armenische Medien berichten, dass Eriwan die nötigen Vorbereitungen dafür bereits getroffen hat. Auf türkischer Seite laufen die Arbeiten noch, sind aber ebenfalls weit vorangeschritten. Sollten die Übergänge vor den armenischen Parlamentswahlen im Juni öffnen, wäre das ein großer Erfolg für Ministerpräsident Nikol Paschinjan. Er treibt seit Jahren einen Versöhnungsprozess mit den Nachbarn voran und nähert sein Land dem Westen an. Kaan Soyak, der Vorsitzende des Türkisch-Armenischen Wirtschaftsentwicklungsrates, berichtet, dass der Handel zwischen beiden Ländern aufgrund der geschlossenen Grenzen seit Jahren indirekt über Georgien abgewickelt wird und bei etwa 300 bis 350 Millionen US-Dollar liegt. Seinen Angaben zufolge entfallen rund 99 Prozent davon auf Waren, die von der Türkei nach Georgien und von dort weiter nach Armenien transportiert werden. Laut Soyak ragen dabei vor allem Konfektionskleidung, chemische Produkte, Lebensmittel und unverarbeitete Edelmetalle heraus. Er ist überzeugt, dass das bilaterale Handelsvolumen mit offenen Grenzen schnell auf eine Milliarde Dollar steigen könnte. Zudem erwartet er den raschen Aufbau von Logistikkorridoren inklusive Energie- und Telekommunikationsleitungen mit direktem Anschluss an die gesamte Kaukasusregion. Der Iran-Krieg verzögert jedoch den Countdown. Laut Soyak hat die Ausweitung des Krieges auf die Golfstaaten, den Irak und den Libanon die Sorge vor neuen Migrationswellen geschürt. Aus diesem Grund werde die Öffnung der gemeinsamen Landgrenzen derzeit etwas langsamer vorangetrieben. Die östlichen türkischen Provinzen wie Kars, Igdir, Agri, Ardahan und Van liegen nur einen Steinwurf von der armenischen Grenze entfernt und zählen zu den ärmsten Regionen Anatoliens. Nach Angaben des türkischen Statistikamtes belegen sie mit einem Bruttoinlandsprodukt von gerade einmal 3250 bis 4350 Euro pro Kopf die hintersten Plätze im Städteranking. Umso größer sind die Hoffnungen, die die Menschen vor Ort in den Waren- und Personenverkehr mit den Nachbarn setzen - auch auf Besucher aus Armenien und der weltweiten Diaspora. Da viele bedeutende historische und religiöse Stätten auf der türkischen Seite der Grenze liegen, könnte die Öffnung ein völlig neues Publikum an Touristen erschließen. Kadir Bozan, der Vorsitzende der Industrie- und Handelskammer (IHK) im türkischen Kars, unterstreicht zudem die Bedeutung des sogenannten Trump-Korridors: Für die Mitglieder der Kammer habe dieser Weg und die dazugehörige Infrastruktur eine enorm wichtige Bedeutung. Beeindruckend: Die Ruinen der Erlöserkirche (auch bekannt als St. Prkitch oder Halaskar-Kirche) in der mittelalterlichen armenischen Stadt Ani in der heutigen Türkei. Die Ruinenstadt Ani liegt in der Provinz Kars im Osten der Türkei nahe der armenischen Grenze.Bild: Alamy Stock Photo Die Einrichtung der Trump-Route für internationalen Frieden und Wohlstand wurde im vergangenen August als Teil des von US-Präsident Donald Trump vermittelten Friedensplans zwischen Armenien und Aserbaidschan vereinbart. Der Plan sieht einen 43 Kilometer langen Straßen- und Schienenkorridor durch Armenien vor, der Aserbaidschan mit seiner Exklave Nachitschewan und der Türkei verbindet. Der Korridor soll die Transkaspische internationale Transportroute stärken und soll die Transportzeiten zwischen China und Europa verkürzen. Die Türkei sieht darin eine große Chance, ein entscheidender Akteur des Welthandels zu werden. Schon im vergangenen August hat sie mit dem Bau einer 224 Kilometer langen Eisenbahnstrecke begonnen, die als Teil der Route jährlich Millionen Tonnen Fracht und Personen befördern soll. Viele Menschen in der Region wünschen sich daher ein baldiges Ende des Iran-Krieges, betont IHK-Chef Kadir Bozan weiter, damit Versöhnung einkehre und die Region zum Wirtschafts- und Tourismuszentrum aufsteigen könne. Seine Stadt besitze schon jetzt eine sehr gute und beliebte Zugverbindung über Tiflis bis nach Baku. Ein neuer Korridor, der Asien und Europa miteinander verbindet: Die Bauarbeiten an einem Streckenabschnitt des sogenannten "Trump-Korridors" in Aserbaidschan sind in vollem GangeBild: Resul Rehimov / Anadolu/picture alliance Auch in der Nachbarprovinz Ardahan, die über zwei Grenzübergänge nach Georgien verfügt, setzt man große Hoffnungen auf die türkisch-armenische Annäherung. Da die Stadt nur 20 Kilometer von Armenien entfernt liegt, glaubt Cetin Demirci, der Vorsitzende der IHK Ardahan, dass dort bald neue Produktionsstätten, Fabriken, Gewerbegebiete und Lager entstehen werden. Seit Jahren schrumpfe seine Stadt, weil die Jugend abwandere. Offene Grenzen würden hier dringend benötigte Arbeitsplätze schaffen und die Wirtschaft beleben. Ähnlich optimistisch blickt auch Kamil Arslan, der Vorsitzende der IHK Igdir, in die Zukunft und betont: "Der Handel kennt keinen Nationalismus." Man wolle endlich, dass diese über 30 Jahre alte Feindschaft zwischen der Türkei und Armenien aufhöre. Arslan wünscht sich, dass über die Grenzübergänge bald wieder Lebensmittel, Baumaterial, Textilien und Dienstleistungen nach Armenien fließen - allen voran die süßen, berühmten Aprikosen aus Igdir, genau wie in alten Zeiten.
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