In Folge 16 verfallen die Kandidatinnen und Kandidaten von „
Germany’s Next Topmodel“ in Epilier-Panik. Nach einer Komplettenthaarung geht es weiter auf dem Catwalk am
Venice Beach – mit der Badehöschen-Challenge.Das inoffizielle Influencerinnen-Rekrutierungscamp „
Germany’s Next Topmodel“ ist traditionell eines der umstrittensten TV-Formate des deutschen Fernsehfrühlings. Nachdem im Zuge der zeitgeistkompatiblen Diversity-Offensive inzwischen das Oktroyieren realitätsferner Schönheitsideale weitestgehend abgeschafft ist, hat eine andere Mängelrüge weiterhin Bestand:
Heidi Klum rasiert gerne Models.Bisher beschränkte sich dieser Fetisch auf das Umstyling sowie überraschende Rauswürfe. Dieses Jahr kommt eine neue Kategorie hinzu: das Mystery-Rasieren. Klum nämlich trägt ihren verbliebenen 19 Modelkandidaten plötzlich auf, sie sollten sich umgehend von ihrer gesamten Körperbehaarung trennen. Aha. Steht das „T“ in GNTM jetzt nicht mehr für Topmodel, sondern für Turmspringen?Noch hält Model-CEO Klum den Enthaarungshintergrund für sich, der Kandidatenkader verfällt aber dennoch in Epilier-Panik. Bis in die bald nicht mehr vorhandenen Haarspitzen motiviert übt sich ein Großteil der Gruppe dabei in latenter Kollegen-Desavouierung. Im Minutentakt offenbaren sie Mitkandidat
Carsten, sie erwarteten nach seiner Komplettenthaarung einen Zottelteppich von mindestens 1,50 Meter Höhe.Ein Onlineauktionshaus lädt zum CastingWomit wir wieder beim Thema Kritik wären: Fällt es nicht bereits unter Diskriminierung, wenn davon ausgegangen wird, man hätte eine Körperbehaarung wie
Chewbacca, nur weil man wegen seines Bartes gelegentlich mit
ZZ Top verwechselt wird?
ZZ Top übrigens, das nur für alle, die mit
Britney Spears musikalisch sozialisiert wurden, ist keine Kleidergröße, sondern eine Rockband, deren Bärte zuweilen länger waren als das Fauxpas-Register von
Jens Spahn.Bevor enthüllt wird, warum 19 hoffnungsvolle Modeltalente ihre gesamte Tagesfreizeit damit verbringen, sich den Flaum von den Gliedmaßen zu barbieren, geht es um eine weitere Castingoption. Ein Onlineauktionshaus mit Schwerpunkt Fashion sucht Kampagnengesichter. In der entsprechend zu besetzenden Kampagne geht es um Pre-Loved-Fashion.
Heidi Klum,
Julien Macdonald und Stella MaxwellMax Montgomery/Pro SiebenIm Gegensatz zu Pre-Loved-Models ist das etwas Gutes. Wenn aussortierte Kleidungsstücke, statt in hinteren Kleiderschrankecken zu versauern, über den Sekundärmarkt an neue Fashion-Liebhaber weiterverteilt werden, muss weniger Kleidung neu produziert werden. Angesichts der beträchtlichen Menge der weltweiten Treibhausgasemissionen, für die der Modesektor verantwortlich ist, ist das ein durchaus sinnvolles Konzept.Als Erster erläutert Yannick sein selbst zusammengestelltes Outfit: „Das ist eigentlich ein Kleid, aber das habe ich da reingekloppt!“ Wobei: Schade, mit der Beobachtung liege ich falsch. Meine Whatsapp-Gruppe mit inzwischen mehr als 30 ehemaligen GNTM-Kandidatinnen klärt mich auf, Yanneck hätte nicht „gekloppt“, sondern „gecropped“ gesagt. Jugendsprache halt, yolo.Alexavius, der sich für einen langen Mantel in der Sitzbezug-Optik eines handelsüblichen Linienbusses entschieden hat, wählt die Tränendrüsenvariante und beichtet dem Pre-Loved-Kunden, er wäre früher in der Schule gehänselt worden. Wenn ich es richtig verstanden habe, hat er irgendwann einfach das Mobbing in Maßanzüge umgewandelt und daher seit seinem 15. Lebensjahr nur noch Zweireiher getragen. In Kombination mit seiner beim Umstyling gewonnenen Thomas-Anders-Frisur ist das Auktionshausteam beeindruckt und wählt Alexavius zum männlichen Kampagnensieger. Und der weibliche folgt sogleich: Aurélie.Das Auktionshaus ist versorgt, es ist also endlich Zeit, das Rasiergeheimnis zu lüften. Dafür bringt
Heidi Klum mit Jimmy Coco mal wieder einen alten Freund mit ans Set. Obwohl Coco offiziell als Bräunungsexperte fungiert, kann er den rasanten Popularitätsschub der AfD auch nicht erklären. Stattdessen entkleiden sich alle Kandidaten komplett und unterziehen sich in seinem Bräunungszelt einer chemikalischen Hautfarbenkorrektur. Die Lenden der Männer werden dabei notdürftig von einer Socke verhüllt. Für Boureima kein Problem: „Das mit der Socke ist okay, muss halt eine große sein!“ Anika wirkt derweil weniger tiefenentspannt: „Ich war die Erste, die angesprüht wurde, daher wusste ich gar nicht, was auf mich zukommt.“ Na ja. Ich bin keine Expertin, aber ich würde schätzen: Bräunungsspray.Couturier
Julien Macdonald ist für die Sendung angereistDie Bräunungsorgie dient als Vorbereitungsmaßnahme für den Final Walk. Dafür ist Couturier
Julien Macdonald angereist und hat eine glamouröse Swimwear-Kollektion im Badegepäck. Anders als Klum kennt man ihn in Paris. Dort wurde er einst von Karl Lagerfeld entdeckt. Wie immer sieht er aus wie der uneheliche Sohn von Sinéad O’Connor und H. P. Baxxter und stellt sich den ungläubigen Neumodels sympathisch bescheiden mit „Ich bin einer der größten Modedesigner der Welt“ vor. Zu Hause vor dem Fernseher erstickt Thomas Hayo, der größte Denglisch-Akrobat der Welt, beinahe vor Lachen.Um den Walk zu überstehen, sollte jedes Model einen Erste-Hilfe-Kurs absolviert haben, denn Macdonald „mag es, wenn ein Model ein Kleid zum Leben erweckt“. Zum Leben erwecken, das findet auch Safira gut. Nur halt nicht in Bademode: „Ich glaube nicht, dass in der Bibel steht, man soll sich so anziehen!“ Und da liegt sie richtig. In der Bibel findet sich aus unerfindlichen Gründen weder etwas über den heiligen St. Macdonald noch über strassbesetzte Tangabikinis.Wobei Safira einen sogenannten Punkt hat. Julian Macdonalds Premium-Strandkleidung ist knapp geschnitten: Annas Komplettoutfit wiegt beispielsweise etwa 78 Gramm, liegt preistechnisch im vierstelligen Bereich und ist damit teurer als Gold. Leider ist der Wertverlust bei Kleidung dramatischer als bei Edelmetallen, sonst wären Badeschlüpper von Julian Macdonald eine bessere Anlageoption als Bitcoin.Als es auf dem direkt am
Venice Beach in den Sand verlegten Catwalk endlich losgeht, startet auch Lendensockenenthusiast Boureima in die Badehöschen-Challenge. Sofort knipst
Heidi Klum ihre innere Zotenprinzessin an: „Mein Mann würde da nicht reinpassen, das ist zu klein da vorne!“Gastjurorin und „Victoria’s Secret“-Ikone
Stella Maxwell diagnostiziert derweil: „Die Jungs wirken alle traurig!“ Kein Wunder, wenn man im Phallusgrößen-Fernduell gegen Tom Kaulitz verliert.Einmal in Fahrt gehen mit Klum anschließend die Schlüpfrigkeitspferde durch: „Marlene hat Pepp im Schritt.“ Das erklärt dann auch die gescheiterte Ehe von Pep Guardiola. Neben Pepp im Schritt hat Marlene vor allem sehr viel blanke Brust im Angebot. Ihr Macdonald-Badebustier legt regelmäßig ihre Oberkörperanatomie frei. Diese „Free the Nipple“-Variante lässt Klum überraschend unkommentiert. Vermutlich ist sie in Gedanken noch bei der Schlüpferstürmergröße ihres Ehegatten.Ihr wohlwollend gemeintes Urteil über Alexavius jedenfalls entgleitet anschließend zu einem etwas skurrilen Gender-Versprecher: „Er läuft besser auf den hohen Schuhen als so manche andere Frau!“
Julien Macdonald hat das Political-Correctness-Seminar dagegen nicht geschwänzt und formuliert unproblematisch: „Er war besser als die Girls!“Nicht besser als die Girls hingegen war
Carsten. Seine Reise endet am Halbnacktstrand zwischen Santa Monica und Marina del Rey. Die spontan schockentsetzte GNTM-Fanbase versöhnt
Pro Sieben sogleich mit dem Teaser für die kommende Woche. Da erwartet uns mit Interviewtraining und Nacktshooting eine amtliche GNTM-Überdosis. Bis dann!