Mit fast einer halben Million Euro helfen die Leserinnen und Leser der F.A.Z. jungen Menschen in
Rhein-Main und in
Sambia. Mit den Spenden können Brunnen gebohrt und die Aufklärung über mentale Gesundheit gestärkt werden.Diese Großzügigkeit wird folgenreich sein: 493.455,08 Euro sind bei der Aktion „F.A.Z.-Leser helfen“ zusammengekommen. Eine Summe, mit der die zwei Empfänger der Spenden viel Gutes im Leben von Kindern und Jugendlichen bewirken können. „Es ist ein überwältigendes Geschenk“, sagt
Alix Puhl, die mit ihrem Ehemann
Oliver das gemeinnützige Unternehmen
Tomoni gegründet hat. Und groß ist die Freude auch bei der
Stiftung Kinderzukunft, die in
Sambia Brunnen und sanitäre Einrichtungen in Schulen errichtet, um die Gesundheit, Ernährung und Hygiene der Kinder zu verbessern. „Wir sind begeistert, weil wir mit dieser Summe viel bewegen können“, sagt
Juliane Chiroiu, die bei der Stiftung die Projekte in
Sambia betreut.Mit der Hälfte der Spendensumme können nach den Worten von Chiroiu Hunderte Kinder in dem afrikanischen Land erreicht werden. Zusammen mit der lokalen Organisation
ADRA, mit der die
Stiftung Kinderzukunft schon seit Jahren vertrauensvoll zusammenarbeitet, hat sie bereits zwei Schulen ausgewählt, die besonders auf Unterstützung angewiesen sind.Nachschub holen: Zwei Schülerinnen der
Mangaba Community School sind mit Plastikeimern anderthalb Kilometer weit zu einem Wasserloch in einem sonst ausgetrockneten Flussbett gelaufenFrank RöthDie
Mangaba Community School im Bezirk
Chirundu ist eine weitere Schule. Auch dort musste bis vor Kurzem jeder Liter Wasser, der dort zum Trinken, Kochen, Waschen und Bewässern gebraucht wurde, kilometerweit von den Schülerinnen und Schülern in Kanistern herangeschafft werden. Im Spätherbst hat die Bezirksverwaltung für die angrenzende Gemeinde bereits einen Brunnen gebohrt, doch eine Wasserquelle reicht der Erfahrung nach nicht aus, um den Durst der Menschen, Tiere und Pflanzen zu stillen. Mit den Spenden der F.A.Z.-Leser kann dort nun ein Brunnen nur für die Schule gebohrt werden, der mit einer solarbetriebenen Pumpe arbeitet. „Ein Glücksfall, weil wir so auf das aufbauen können, was schon da ist“, sagt
Juliane Chiroiu. Gemeinsam mit der Dorfgemeinschaft wird
ADRA die Bildung eines sogenannten WASH-Komitees begleiten, dessen Mitglieder die Verwaltung und Wartung beider Brunnen, aber auch Hygieneschulungen übernehmen sollen.Die
Bbendele Primary School wird dank der Spenden der F.A.Z.-Leser einen dringend benötigten Brunnen erhalten. Hier verabschieden sich die Schüler von Direktorin Josephine Mweemba.Frank RöthDie
Bbendele Primary School liegt abgelegen von allen Hauptstraßen im Bezirk Siavonga, im heißen Süden Sambias. Anderthalb Jahre nachdem die ehemalige Schulleiterin über Nacht verschwunden und die Schule verwaist war, hat die neue Direktorin Josephine Mweemba das Wunder vollbracht, zusammen mit engagierten neuen Lehrern Hunderte Schüler fürs Lernen zu begeistern.
Juliane Chiroiu weiß bereits, dass die Bezirksverwaltung die Schule demnächst vergrößern wird, die beiden Klassenzimmer reichen längst nicht mehr aus. Dann werden dort ein Brunnen und sanitäre Anlagen mehr denn je gebraucht. „In Zusammenarbeit mit den staatlichen Stellen können wir dort noch mehr bewirken.“Doch fließendes Wasser und sanitäre Anlagen sind nur ein Teil dessen, was die
Stiftung Kinderzukunft in
Sambia hinterlassen möchte. Dank einer Tröpfchenbewässerung aus dem Brunnen kann der vertrocknete Schulgarten dann auch außerhalb der Regenzeit Ertrag bringen und den Speiseplan beim Mittagstisch über die übliche Bohnen-Maisbrei-Speise hinaus erweitern. In beiden Schulen will die Stiftung auch ihr Erfolgsmodell eines Nähkurses für Frauen und Kinder umsetzen, in dem sie lernen, wiederverwendbare Binden zu nähen. Allein diese kleine Maßnahme hilft dabei, dass Mädchen regelmäßig zur Schule gehen können. Denn einige von ihnen fehlten bisher jeden Monat ein paar Tage im Unterricht – weil sie weder Geld noch Zugriff auf Hygieneartikel hatten.Eine Nähschule ist Teil der Projektarbeit, die die
Stiftung Kinderzukunft bereits erfolgreich in
Sambia umgesetzt hat. Dort werden wiederverwendbare Binden genäht, um Mädchen einen regelmäßigen Schulbesuch zu ermöglichen.Frank RöthFalls dann noch Spendenmittel übrig sind, möchte die
Stiftung Kinderzukunft gerne noch eine dritte Schule mit fließendem Wasser versorgen. „Man möchte so vielen wie möglich helfen“, sagt
Juliane Chiroiu. Wo und wie die Spenden ihre segensreiche Wirkung entfalten werden, darüber wird die F.A.Z. fortlaufend berichten.Noch mehr Kinder und ihr Umfeld aufklärenAber auch in Frankfurt bewirken die Spenden der F.A.Z.-Leser Gutes. Dass sie
Tomoni zutrauten, einen Unterschied für Kinder und Jugendliche zu machen, gebe dem Team Kraft und sei eine „enorme Motivation“, sagt
Alix Puhl. Das von ihr gegründete Unternehmen unterstützt Erwachsene und junge Menschen dabei, Anzeichen psychischer Erkrankungen vor allem bei Jugendlichen zu erkennen und frühzeitig professionelle Hilfe zu erhalten – und so Suizide zu verhindern. Dafür werden unter anderem Lehrer, Sporttrainer und Eltern geschult, und in Podcasts berichten Betroffene von ihren Erkrankungen, was sie brauchen, was sie bewegt. Es sei „schön“, dass sich die Menschen mit ihrer Spende auch mit dem Thema mentale Gesundheit auseinandersetzten und ihm Relevanz und Sichtbarkeit schenkten, sagt
Oliver Puhl. „Damit ist schon noch einmal ein richtiger Motivationszünder angesteckt worden.“Ungefähr 250.000 Schüler in ganz Deutschland konnte
Tomoni bereits erreichen, davon etwa 75.000 in Hessen. „Das ist schon eine ganze Menge“, meint Puhl – aber allein in Hessen gebe es 830.000 Schüler. Deshalb wolle
Tomoni die Spendengelder nutzen, um noch mehr Kinder und Jugendliche sowie ihr Umfeld zu erreichen und die Angebote weiterhin kostenfrei anbieten zu können.Setzen sich für Suizidprävention ein: Alix und
Oliver Puhl haben nach dem Tod ihres Sohnes das gemeinnützige Unternehmen
Tomoni gegründet.Frank Röth„Damit unsere Angebote nicht nur gut gemeint, sondern auch gut gemacht sind, werden wir einen Teil der Spenden weiterhin in die wissenschaftliche Evaluation investieren“, sagt
Oliver Puhl. Und dass
Tomoni sehr gut funktioniere, zeigten schon erste Ergebnisse aus den Untersuchungen. Sie belegten, dass „
Tomoni.schools“, ein Angebot für Lehrer, die Handlungsbereitschaft der Teilnehmer erhöhe, betroffene Schüler zu unterstützen. Ein Ziel Tomonis sei außerdem, langfristig die Unterstützung der hessischen Landesregierung und die der Kommunen zu erhalten, um so bereits in der Ausbildung Lehrern beizubringen, Anzeichen psychischer Erkrankungen frühzeitig zu erkennen und entsprechend zu handeln. Dafür hat
Alix Puhl auch ein Buch zusammen mit dem Psychologen Arne Bürger geschrieben. „Es ist wie ein Erste-Hilfe-Kasten für mentale Gesundheit.“In Deutschland gibt es den beiden
Tomoni-Gründern zufolge keinen etablierten Standard, wie Angebote zur Suizidprävention und mentalen Gesundheit aufgebaut sein müssen. „Das finden wir nicht akzeptabel“, sagt
Oliver Puhl. Auch die Wirkungsforschung dazu stecke in Deutschland noch in den Kinderschuhen. Ein Ziel von
Tomoni sei es deshalb auch, in Frankfurt „eine Art Evaluationsexzellenz“ zu etablieren.Mit den Spendengeldern arbeite
Tomoni aber vor allem an einem langfristigen Ziel: „Wir wollen aus Hessen das geilste Bundesland für die Früherkennung psychischer Erkrankungen machen“, sagt
Oliver Puhl. „Wir arbeiten auf unsere eigene Entbehrlichmachung hin.“