Mainz 05 hat sich unter
Urs Fischer in der Tabelle langsam, aber sicher nach vorn gearbeitet. Trotzdem warnt der Trainer: vor Müßiggang und dem nächsten Gegner, der ihn sichtlich beeindruckt hat.Wer gehofft hatte,
Nadiem Amiri stünde dem FSV
Mainz 05 nach der letzten Länderspielpause in dieser Saison wieder zur Verfügung, wird enttäuscht. Diesen Termin hatten Verein und Spieler anvisiert, seit der 29-Jährige wegen einer Fersenverletzung aussetzen muss. Seither hat Amiri vier
Bundesliga- und die beiden Achtelfinalspiele in der
Conference League verpasst, und auch in der Partie bei der
TSG Hoffenheim am Samstag (15.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur
Bundesliga und bei Sky) wird er fehlen. Mindestens. Am Mannschaftstraining hat er nämlich noch nicht wieder teilgenommen.
Urs Fischer bedauert das, betrachtet es aber pragmatisch. „Wenn der Spieler noch nicht so weit ist, ist er noch nicht so weit“, kommentiert der Trainer die Entwicklung. „Man muss sich die Zeit geben, die es braucht, es kann ja nicht Sinn und Zweck der Übung sein, sich gleich wieder zu verletzen.“Daher trifft es sich gut, dass zum einen
Paul Nebel die entstandene Lücke auf den Achterpositionen dank einer bemerkenswerten Leistungssteigerung geschlossen hat und zum anderen die acht Mainzer Nationalspieler in den zurückliegenden Tagen nicht über Gebühr belastet wurden.Ihnen blieben zwar die vier freien Tage verwehrt, die Fischer den Kollegen genehmigte („Das hatten sie sich verdient, um auf andere Gedanken zu kommen“), doch die diversen Nationaltrainer „sind mit unseren Spielern vernünftig umgegangen, mit den Einsatzzeiten bin ich sehr zufrieden“. Eine solche Abstimmung mit den Klubs sei wichtig – gerade wenn ein Verein wie die 05er auch noch international gefordert ist –, aber nicht selbstverständlich.Vom letzten Platz auf Rang elfJae-sung Lee zum Beispiel, mit dem südkoreanischen Team unterwegs, musste nur in einer von zwei Begegnungen ran.
Sheraldo Becker hingegen hätte gern noch eine zweite bestritten. Der Stürmer scheiterte mit
Suriname in der ersten Play-off-Runde zur Weltmeisterschaft mit 1:2 an
Bolivien und kehrte früher an den Bruchweg zurück, als ihm lieb war. „Logisch war er enttäuscht“, sagt Fischer, „aber Enttäuschungen gehören zum Sport, damit muss man klarkommen, und nach ein paar Tagen den Blick wieder nach vorn richten.“Durchaus noch nach hinten schauen die Mainzer, wenn es um die Situation im Abstiegskampf der
Bundesliga geht. Zwar hat keine der gefährdeten Mannschaften an den jüngsten fünf Spieltagen mehr Punkte gesammelt als sie, vom letzten Tabellenplatz haben sich die Rheinhessen unter Fischer auf den elften Rang vorgearbeitet und einige Konkurrenten wie den Hamburger SV oder den 1. FC Köln überholt, die bereits enteilt schienen.Doch Fischer warnt vor Müßiggang: „Abgerechnet wird nach dem 34. Spieltag, nicht vor dem 28. Es wäre gefährlich, sich jetzt zurückzulehnen.“ Der Schweizer geht allerdings davon aus, dass die Leistungen und die Resultate, die das Team ins Tabellenmittelfeld geführt haben, „eine gewisse Zuversicht“ wachsen ließen.„Die Mannschaft ist in allen Spielen kompakt und solidarisch aufgetreten, hat versucht, die Basics abzurufen, von denen wir immer wieder sprechen.“ Dies gelte es in den verbleibenden Wochen nicht nur zu bestätigen, sondern noch zu überbieten. „Ich sage immer: Wenn’s läuft, mach ein bisschen mehr.“„Das zu verteidigen, ist eine Aufgabe“Mehr machen als die allermeisten Vereine müssen die 05er ohnehin, ihnen stehen gleich die beiden nächsten englischen Wochen mit den Viertelfinalspielen gegen Racing Straßburg ins Haus; am Donnerstagabend in der heimischen Arena, acht Tage später in Frankreich. Solange noch nicht definitiv sicher ist, dass in der
Bundesliga der Klassenverbleib gelingt, bleiben diese internationalen Duelle die Kür – die Pflicht gilt es drumherum zu erledigen: in Hoffenheim, gegen den SC Freiburg, in Gladbach.Den nächsten Gegner preist
Urs Fischer in hohen Tönen an: klare Abläufe, sehr lauf- und sprintstark, gute Mischung aus Ballzirkulation, Zocken und Hinter-die-Kette-Spielen, Geradlinigkeit, gute Strafraumbesetzung bei Flanken, schnelles Umschaltspiel. So lauten seine Schlagworte zur
TSG Hoffenheim. „Das zu verteidigen, ist eine Aufgabe.“Die Kraichgauer ließen die Handschrift ihres Trainers erkennen, sagt der Schweizer mit Blick auf seinen österreichischen Kollegen Christian Ilzner. Jenen Coach also, der vorige Saison lange in der Kritik und auf der Kippe stand. „Ich finde es schön, dass der Trainer eine gewisse Zeit bekommt, um seine Ideen umzusetzen“, sagt Fischer, der auf seinem Weg mit den Mainzern freilich ein wenig schneller vorangekommen ist. Andernfalls stünden sie sieben Spieltage vor Schluss mit dem Rücken zur Wand.