Sondern weil sich die Bayern allein an der Art und Weise, wie dieser Sieg zustande kam, berauschen durften, mehr, als hätten sie an einem lauen Frühlingsnachmittag im Badischen mal ganz entspannt 4:0 gewonnen.»Mehr positives Gefühl, um nun nach
Madrid zu fahren, geht nicht«, sagte
Max Eberl, der Sportvorstand. Dann benutzte er noch Begriffe wie Moral und Charakter,
Joshua Kimmich erwähnte später noch die Mentalität. Denn natürlich gehörte auch das zur Wahrheit dieses Spiels: Freiburgs Führung zu Beginn der Schlussviertelstunde war höchst verdient – bis der FC Bayern begann, wie der FC Bayern zu spielen. Indem man den Gegner einschnürt, zermürbt, ernüchtert, indem es dann auch verschmerzbar ist, dass das bewährte Offensivpersonal um
Michael Olise und
Luis Diaz nicht trifft. Weil man noch einen Linksverteidiger wie
Tom Bischof hat, der seine ersten Tore für die Bayern erzielte. Einmal flach links, unmittelbar nach der Ecke in der 81. Minute. Einmal flach rechts, in der zweiten Minute der Nachspielzeit.Die Sekunden nach dem Ausgleich zum 2:2 waren sehr bezeichnend für diesen Nachmittag. Viele Teams hätten sich zufriedengegeben mit dem einen Punkt, nach einem Zwei-Tore-Rückstand noch unentschieden zu spielen, damit hätte sich auch für die Bayern leben lassen. Doch
Michael Olise nahm den Ball aus dem Freiburger Tor, sprintete damit zurück zur Mittellinie und legte ihn auf den Anstoßpunkt. Als Zeichen an die Mannschaft: Das war’s noch nicht. Da geht noch mehr. Und wie es ging, Karls 3:2 in der neunten Minute der Nachspielzeit, nach Hereingabe des wieder genesenen
Alphonso Davies, der nach seiner Muskelzerrung kurz vor Spielende eingewechselt wurde und prompt die Vorlage zum Siegtor gab. Bayerns Außenverteidiger
Josip Stanisic meinte später dazu, das Comeback von Davies mitsamt entscheidender Torvorlage, das sei »ein Hero-Moment« dieses Spiels gewesen. Stanisic sprach auch noch vom »110-prozentigem Selbstvertrauen«, mit dem man nun nach
Madrid reisen werde, und der 18-jährige Siegtorschütze
Lennart Karl schließlich meinte in seiner Glückseligkeit: »Wir fühlen uns im Moment unschlagbar.«Kimmich und die Wege zum SiegDarauf angesprochen erklärte der 31-jährige
Joshua Kimmich, er sei zwar keine 18 mehr: »Aber cool, dass er sich so fühlt, genauso brauche ich ihn.« Kimmich wirkte in all dem Emotionsüberschwang am frühen Samstagabend überhaupt noch am gefasstesten. Zur Einordnung dieses bedeutsamen Sieges sagte er den bemerkenswerten Satz: »Es ist gut zu wissen, dass wir komplett sind, dass wir durch viele verschiedene Wege Spiele gewinnen können.« Was er damit meinte: Ein Weg seien die klaren Kantersiege, ein 8:1 gegen Wolfsburg, ein 5:1 gegen Hoffenheim. Ein anderer die hart erkämpften und ermauerten wie beim 2:1 im November bei Paris St. Germain, als sie nach dem Platzverweis gegen
Luis Diaz mehr als eine Hälfte nur zu zehnt spielten. Und ein weiterer Weg sei eben so ein Spiel wie in
Freiburg. Bis zur 81. Minute 0:2 zurückzuliegen und dann drei Tore zu schießen. Kimmich nannte dies mit fast schon nüchterner Zurückhaltung »einen sehr emotionalen Weg«.Während auch Kimmich wie viele seiner Kollegen noch das Momentum erwähnten, das man nun auf der eigenen Seite spüre, hatte sich im Bauch der Freiburger Arena längst schon Real Madrids zeitgleiche Niederlage bei RCD Mallorca herumgesprochen. Wo Éder Militão kurz vor Schluss noch zum Ausgleich traf für Bayerns Gegner am Dienstag. Wo am Ende aber Mallorca in der Nachspielzeit den Siegtreffer zum 2:1 erzielte. Vom Momentum auf ihrer Seite werden sie bei Real am Samstag nicht gesprochen haben.Die Chancen könnten kaum besser stehenSollte man sich hüten, die Bayern gleich zum Favoriten zu erklären, schließlich ist
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Madrid noch immer
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Madrid: Als krasser Außenseiter gehen sie sicher nicht in die beiden Duelle. Nur sollten die Bayern am Dienstag und auch im Rückspiel am 15. April zuhause nicht so spielen wie in
Freiburg die ersten 80 Minuten.Die Sehnsucht nach einem erstmaligen Erfolg über den ewigen Rivalen seit dem Halbfinal-Triumph 2012 ist jedenfalls grenzenlos. Zuletzt scheiterten die Bayern in der Champions League viermal an Real. 2014, 2018, 2024 jeweils im Halbfinale. 2017 im Viertelfinale. Womöglich waren die Voraussetzungen noch nie so gut wie jetzt. Mit dieser Mannschaft, mit dieser Moral, mit diesem Momentum.