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SUN · 2026-04-05 · 10:39 GMTBRIEF NSR-2026-0405-53385
News/Brenner-Basistunnel: Südtirol hat einen neuen Gipfel
NSR-2026-0405-53385News Report·DE·Environmental

Brenner-Basistunnel: Südtirol hat einen neuen Gipfel

Der Bau des Brenner-Basistunnels (BBT), Europas größtes Infrastrukturprojekt zwischen Innsbruck und Franzensfeste, verzögert sich weiter. Ursprünglich für 2016 geplant, ist die Fertigstellung nun für 2032 anvisiert, aber auch dieser Termin ist unsicher.

FAZFiled 2026-04-05 · 10:39 GMTLean · Center-RightRead · 7 min
Brenner-Basistunnel: Südtirol hat einen neuen Gipfel
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Der Bau des Brenner-Basistunnels (BBT), Europas größtes Infrastrukturprojekt zwischen Innsbruck und Franzensfeste, verzögert sich weiter. Ursprünglich für 2016 geplant, ist die Fertigstellung nun für 2032 anvisiert, aber auch dieser Termin ist unsicher. Ein Problem ist eine überdimensionierte und nicht entfernte Abraumhalde im Riggertal, die im Zuge der Bauarbeiten entstand. Ein betroffener Bauer hat deshalb Klage vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte eingereicht. Die Bauarbeiten für die Zulaufstrecken, Teil der geplanten Schnellverbindung München–Verona, gestalten sich ebenfalls schwierig, insbesondere der südliche Zulauf von Franzensfeste nach Verona. Die Tunnelbau-Gesellschaft wird im Laufe des Jahres 2026 ein aktualisiertes Bauprogramm vorlegen.

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The planned completion date for the BBT has been moved to 2032.

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The Brenner Base Tunnel (BBT) is Europe's largest infrastructure project.

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A farmer is suing at the European Court of Human Rights over the waste rock heap.

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The tunnel construction company will present an updated construction program in 2026.

factualTiroler Tageszeitung
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A waste rock heap in Riggertal is causing problems.

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Gibt es gerade eine frohe Botschaft zum Brenner Basistunnel? Leider nein. Im südtiroler Riggertal zum Beispiel will eine Abraumhalde partout nicht weichen.Viele Urlauber haben ihn schon im Vorbeifahren gesehen und sich vielleicht gewundert. Auch an diesem Osterwochenende, wenn auf der Suche nach dem letzten Schnee der Saison noch einmal Autokorsos mit Dachgepäckträgern den Brennerpass überqueren und hinter Franzensfeste in die Staatsstraße Richtung Pustertal abbiegen.Einen so klangvollen Namen wie der Monte Forca Grande (Großer Gabler) oder der Monte Fana (Pfannspitz) in der Nachbarschaft hat dieser Berg nicht. Denn der graue Riese ist ein „sito di deposito“, eine Steinschutthalde.Richter in Straßburg sollen über den Schuttberg urteilenEr entstand im Zuge der Bauarbeiten am Brenner Basistunnel (BBT) und der ersten Gleiskilometer nach Süden. 100 Meter hoch ist die Halde geworden, um ein Vielfaches höher als geplant, und viel länger hier als vorgesehen ist sie auch. Die Halde geht einfach nicht weg. Weshalb der Bauer, auf dessen Land sie sich türmt und dessen Hof am Fuß des Berges sich wie ein kleines Spielzeughäuschen ausmacht, vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte klagt.Picture AllianceDer BBT ist Europas größtes Infrastrukturprojekt. Züge sollen künftig nicht mehr den Brennerpass nehmen, sondern durch das Bergmassiv rollen. Seit 2008 wird auf den 55 Kilometern zwischen Innsbruck und Franzensfeste gesprengt und gebohrt. Der geplante Fertigstellungstermin war ursprünglich 2016, wurde dann auf 2028 und schließlich auf 2032 verschoben.Auch dieser Termin wackelt. Nach einem Bericht der „Tiroler Tageszeitung“ über jahrelange Verzögerungen hat die Tunnelbau-Gesellschaft einräumen müssen, „im Laufe des Jahres 2026 ein aktualisiertes Bauprogramm“ zu präsentieren. Die Schächte für insgesamt rund 180 Kilometer neue Gleise, die zwischen Franzensfeste und Verona unterirdisch verlaufen sollen, werden ebenfalls kaum über Nacht entstehen. Im Augenblick ist man bei Baulos 1 von Franzensfeste bis Waidbruck (Ponte Gardena).Die Trassen sind Teil der geplanten Schnellverbindung München–Verona, für die nicht nur besagter Südzulauf, sondern auch ein Nordzulauf von München nach Innsbruck gebaut werden soll. Der Streit über diese Strecken währt schon lange. Vor allem die Bayern, hört und liest man oft, behinderten das Werk. Dort diskutierten sie immer noch, während in Italien längst alle mit Feuereifer bei der Arbeit seien. Aber stimmt das wirklich?Lauter kleine Gallier oder Anrainer mit ernsten Sorgen?Die Bewohner der italienischen Dörfer an den Zulaufstrecken wehren sich genauso wie die im Norden dagegen, dass sie mit dem Argument des „überragenden öffentlichen Interesses“ Eingriffe in die Landschaft, Staub, Dreck und die mögliche Verschmutzung wertvoller Trinkwasserquellen hintanstellen sollen. Zumal auch die Autobahn in den Süden für mehr Verkehr ausgebaut wird. Sollte der Dank des BBT nicht abnehmen?„Klein-Gallien gibt es überall“, sagt Martin Ausserdorfer Ende Februar bei einem Ortstermin am Fuß der Schutthalde über die Klage vor dem europäischen Gericht. Der Vierundvierzigjährige ist Direktor der sogenannten Beobachtungsstelle des BBT. Wobei der Posten nicht die Aufgabe eines neutralen Beobachters beschreibt, sondern eher die eines Durchsetzers. Dem sich Landwirt Roberto Sossai auf seinem Hof Hinterrigger im Riggertal widersetzt. 74 Jahre ist er alt, den Hof hat er in den Siebzigerjahren von seinem Vater übernommen. Der Eisack plätschert daran vorbei. Bei klarer Sicht zeigen sich in der Ferne die Spitzen der Südtiroler Dolomiten, die Geislergruppe mit ihrem spektakulären Alpenglühen. Auf seinem Land, sagt Sossai, habe er all die Jahre Blumen, Kraut, Kohl und Kartoffeln angebaut.Bis er 20 Hektar – für Fans von Vergleichen, das sind 28 bis 30 Fußballfelder – zur Lagerung des Aushubs während des Tunnelbaus am Brenner zur Verfügung stellen sollte. Vorübergehend, betont sein Anwalt Igor Janes. Laut Vertrag sollte der Grund nach den Aushubarbeiten vollständig zurückerstattet werden. Das aber sei nicht passiert.Im Bericht über die Ausführungsplanung des anschließendend gut 22 Kilometer langen Bauabschnitts von Franzensfeste nach Waidbruck vom März 2024 ist stattdessen von der „Notwendigkeit“ die Rede, das Gelände als Enddeponie für das Ausbruchmaterial zu nutzen. Mehr noch: Andere Deponieflächen, die für den Aushub an der unterirdisch verlaufenden Strecke durch die Sarntaler Alpen und weiter durch das Grödner Tal gedacht waren, wurden als unbrauchbar eingestuft sowie die zunächst angenommenen Volumina erheblich nach oben korrigiert.Tunnelbau mit Gottes Segen: Zeremonie im Juli 2022Picture AllianceIn der Folge wurde beschlossen, „den ursprünglich rein für das Projekt Brenner Basistunnel vorgesehenen Deponiebereich Hinterrigger auch als zusätzliche Deponie für das Los 1 FranzensfesteWaidbruck zu nutzen.“ Ausserdorfer sagt, statt der einmal geplanten Höhe von zehn bis zwölf Metern würden es nun 40. Gibt man die Höhenmeter der umgebenden Berge ein und misst selbst, sind es 100 Meter.Weil Landwirt Sossai das nicht hinnehmen will, wird er enteignet. Nicht entschädigungslos. Ihm werden 24,5 Millionen Euro zugesprochen. Doch was soll er mit seinen 74 Jahren mit so viel Geld? „Ich will für den Rest meines Lebens Landwirt sein“, sagt der hagere Mann. Könne er ja, entgegnet Ausserdorfer. Vor ihm türmt sich die Halde mit Schiefergestein auf, das sich nicht zur Weiterverwendung als Baumaterial eignet, rechts daneben klafft ein riesiges Loch im Schalderer Berg – der Einstieg in den Tunnel nach Waidbruck. In fünf Jahren werde die Baustelle hier geschlossen, so Ausserdorfer, die Deponie terrassiert, mit guten Humusböden bedeckt und wieder begrünt.Weil die höheren Lagen sich künftig viel besser für die Landwirtschaft eigneten, sogar für den Anbau von Weinreben, hätten andere Bauern sowie die Gemeinde Vahrn bereits Interesse angemeldet. Sossai könne ja Gelände zurückkaufen. Wegen der Wertsteigerung aber womöglich zu einem höheren Preis.„Diese Baustelle wird gigantisch und zerstörerisch“Auch anderswo in Südtirol macht sich Unruhe breit. An der Weinstraße bei Branzoll werden in diesen Wochen die Reben von Cabernet, Merlot, Lagrein und Vernatsch in ihre endgültige Position gebogen und an Drahtrahmen festgebunden. Die ersten Radfahrer rollen nebenan auf dem Etschradweg durch das Unterland. Alles wie immer zu Frühlingsbeginn. Giorgio Bertinazzo aber fragt, wie das werden soll, wenn hier die Streckenführung für die geplante Umfahrung von Bozen aus dem Berg kommt. Bertinazzo ist selbst Bauingenieur, aber auch Heimatpfleger, und sagt deshalb Sätze wie „ich kenne keine saubere Baustelle“ und „diese Baustelle wird gigantisch und zerstörerisch“. Sorgen machen er und die Bewohner von Branzoll sich vor allem um die Kontaminierung der Ziggel, der für die Landwirtschaft wichtigen Tiefbrunnen, und wegen der Ora.Surfer am Kalterer See lieben diesen Südwind, der durch die Erwärmung der Alpentäler entsteht und vom Gardasee das Etschtal hinaufzieht. Was aber, wenn er den Staub der Abraumhalden in die Landschaft bläst? „Wir haben hier 300 Tage im Jahr Südwind, der weht den Dreck direkt ins Dorf, vielleicht sogar bis Bozen“, fürchtet Bertinazzo.dpaEine Antwort hat er bisher nicht bekommen. Am Lokalbahnhof von Branzoll wurde zwar vor einem Jahr mit viel Politprominenz ein sogenannter BBT-Infopoint eröffnet, um, wie es hieß, den Dialog mit der Bevölkerung zu fördern und Falschinformationen zu verhindern. Aber seither ist die Tür zu dem Raum praktisch immer verschlossen und, soweit man durch das vergitterte Fenster erkennen kann, auch nicht viel mehr drin als ein Plakataufsteller. Und Branzolls Bürgermeisterin Giorgia Mongillo weiß nur vage von einem Techniker, den die BBT-Beobachtungsstelle zur Beratung in die Gemeinde schicken soll. Die Zweifel der Anrainer lassen sich nicht mit Verheißungen ausräumen, Bahnreisen von München nach Verona würden künftig nicht mehr fünfeinhalb Stunden dauern, sondern nur noch rund die Hälfte der Zeit. Wenn es denn für sie jemals eine Verheißung wäre, deutsche Immobilienbesitzer flögen schnell wie der Pfeil zum Gardasee.Um den Zeitgewinn zu realisieren, dürften die Hochgeschwindigkeitszüge auf der Neubaustrecke nur in Innsbruck einen Zwischenhalt einlegen. Eine Personenverkehrsstudie der Brenner Corridor Platform moniert, dass „die Möglichkeit verpasst wird, die Nachfrage der kleineren Städte abzuholen, die genau so wichtige touristische Ziele darstellen“. Wann die komplette Strecke betriebsbereit sein könnte, ist nicht abzusehen. Vom Jahr 2080 ist die Rede, hinter vorgehaltener Hand.Die Brennerautobahn ist der billigste Weg über die AlpenÄhnlich unkonkret sind die Aussagen für den Gütertransport. Klare Zielvorgaben für die Verlagerung von Lkw-Ladungen auf die Schiene gibt es bisher nicht, schon gar nicht ein Instrument wie eine Alpentransitbörse, die ähnlich funktionieren würde wie CO2-Zertifikate: Speditionsfirmen könnten im Ausgleich für verladene Sendungen Gutschriften für Lkw-Transitrechte erhalten und diese an andere Unternehmen verkaufen.Stattdessen ist die Autobahn über den Brenner die billigste Route für Spediteure über die Alpen. Dafür nehmen sie sogar Hunderte Kilometer Umwege in Kauf. Fast zweieinhalb Millionen Laster nehmen die Brenner-Autobahn-Route im Jahr – dreimal so viele wie über alle Schweizer Alpenpässe zusammen. Regierungen in Rom, egal welcher Couleur, stemmen sich aus Sorge um die Exporte gen Norden gegen Forderungen nach teureren Mautgebühren. Grund für ständigen Streit mit dem benachbarten Tirol. Deshalb fürchtet auch Karl Mühlsteiger, dass sich nichts zum Besseren verändern, die Verkehrsbelastung vielmehr zunehmen wird. Wie zum Beweis kann der Bürgermeister der Gemeinde Gries am Brenner – der letzten österreichischen Gemeinde vor der Landesgrenze – bis schätzungsweise 2030 zusehen, wie die Brennerautobahn sich im engen Wipptal breitmacht, im Wortsinn: Mit dem Neubau der nach 55 Jahren maroden Luegbrücke vor seinem Rathaus bekommt das auf mächtigen Stelzen stehende Viadukt eine sogenannte dynamische dritte Fahrspur auf beiden Seiten.Die überbreite Pannenspur soll immer dann geöffnet werden, wenn Stau droht. So „dynamisch“ soll es bis Verona gehen. Für Mühlsteiger ganz klar ein „Ausbau der Autobahn“. Südlich des Brenners würden zudem riesige Parkplätze gebaut und dafür Obstwiesen versiegelt, kritisiert er.Verhindern lässt sich der Ausbau nicht mehr, aber wenigstens für Nacht-, Wochenend- und Feiertagsfahrverbote von Lastern wollen die Bürger der betroffenen Gemeinden demonstrieren. Und für den besten Lärmschutz, den die Technik hergibt. Vor Gericht haben sie sich deshalb im Dezember das Recht erstritten, auf der Luegbrücke zu demonstrieren – am letzten Samstag im Mai, wenn der Rückreiseverkehr aus den Pfingstferien vermutlich seinen Höhepunkt erreicht.
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