Das Wiesbadener Kino
Caligari zeigt nach Sanierung wieder Filme. Am Donnerstag gab es nicht nur das Drama „
Rose“ von
Markus Schleinzer zu sehen, der Regisseur war aus Wien gekommen, um mit dem Publikum über seinen Film zu sprechen.Nach mehr als sieben Monaten grundlegender Sanierung hat das Kino
Caligari am Gründonnerstag den Betrieb wieder aufgenommen.
Uwe Stellberger, Leiter des Wiesbadener Referats für Film und Medien, und sein Team boten dem Publikum zur Feier des Tages einen Filmabend, der dem frisch sanierten „Juwel unter den deutschen Lichtspielhäusern“, wie der in
Wiesbaden geborene Oscarpreisträger
Volker Schlöndorff das Programmkino einmal nannte, noch etwas mehr Glanz verlieh. Denn zur Vorpremiere des Historiendramas „
Rose“ war Regisseur und Schauspieler
Markus Schleinzer aus Wien nach
Wiesbaden gereist, um nach der Vorpremiere des bei den Internationalen Filmfestspielen in
Berlin ausgezeichneten Films Fragen des Publikums zu beantworten.„Das ist wahrscheinlich das schönste Kino, in dem ich je war“, eröffnete Schleinzer den Dialog mit den Gästen. Um das Publikum für sich zu gewinnen, hätte es dieses Kompliments nicht bedurft. Denn der Film mit
Sandra Hüller in der Hauptrolle berührte das Publikum derart, dass sich nach der Vorführung ein fast einstündiger Austausch entwickelte über den Film, seine Entstehung und die jahrelangen Recherchen.1,7 Millionen Euro für die SanierungSchleinzer erzählt die Geschichte einer Frau, die in den Wirren des Dreißigjährigen Krieges versucht, als Mann verkleidet zu überleben, erst als Soldat und später als Bauer. Der Schwarz-Weiß-Film spiele zwar im 17. Jahrhundert, aber die Themen Macht, Zwänge und der Wunsch nach Selbstbestimmtheit seien immer aktuell, sagte Schleinzer. Auf Schlachtengetümmel, Gewalt und Blut, wie man es von einem Blick in die Zeit des Dreißigjährigen Krieges erwarten könnte, verzichtet Schleinzer. „Dieser Film setzt allen Menschen, die es wagen, so zu leben, wie sie wollen, ein wunderbares Denkmal“, resümierte ein Kritiker des Deutschlandfunks. Am 30. April kommt „
Rose“ in die Kinos.
Wiesbaden zeige im Kino
Caligari Filme, die man in keinem Streamingdienst finde, und diskutiere dort Themen, die anderswo so nicht besprochen würden, sagte der Wiesbadener Kulturdezernent
Hendrik Schmehl (SPD). Rund 1,7 Millionen Euro hat die Stadt in die Sanierung investiert. Dabei fallen die Veränderungen im Kinosaal kaum auf: Die geschwungene Empore und die Leuchten im Stil des Art déco sind erhalten, die Sessel sind noch immer rot und plüschig, aber neu. Viel heikler als die alten Sitzmöbel waren die Mängel bei Brandschutz und Belüftungsanlage. Letztere entsprach in keiner Weise mehr den aktuellen Standards.Mit der Wiedereröffnung des
Caligari gewinne die Stadt einen bedeutenden Kulturort zurück, sagte der Wiesbadener Bau- und Verkehrsdezernent Andreas Kowol (Die Grünen) zuvor zur Wiedereröffnung. Er ist zugleich Aufsichtsratschef der kommunalen WiBau GmbH, unter deren Regie das Kino saniert wurde.Genau genommen sind mit dem Neustart noch nicht alle Arbeiten abgeschlossen. So soll im Zuge der Vorbereitungen für die Hundert-Jahr-Feier des
Caligari im Dezember unter der Bühne eine zusätzliche WC-Anlage eingerichtet werden. Doch die Wiedereröffnung duldete aus Sicht des Publikums offenbar keinen Aufschub: „Man hat ja schon Entzugserscheinungen“, sagte eine ältere Dame auf Nachfrage, die sich sichtlich freute, wieder in „ihrem
Caligari“ Filme sehen zu können.