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SAT · 2026-04-04 · 17:00 GMTBRIEF NSR-2026-0404-53784
News/Mondmission: Orion-Raumschiff erreicht bald den Mond
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Mondmission: Orion-Raumschiff erreicht bald den Mond

Die Orion-Raumkapsel der Artemis-2-Mission wird voraussichtlich am Ostermontag um 6:41 Uhr deutscher Zeit den Mond erreichen. Der Höhepunkt der Mission ist der sechseinhalbstündige Vorbeiflug am Mond, der am Montag um 20:45 Uhr beginnt.

Alle Entwicklungen im LiveblogSueddeutsche ZeitungFiled 2026-04-04 · 17:00 GMTLean · Center-LeftRead · 14 min
Mondmission: Orion-Raumschiff erreicht bald den Mond
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Die Orion-Raumkapsel der Artemis-2-Mission wird voraussichtlich am Ostermontag um 6:41 Uhr deutscher Zeit den Mond erreichen. Der Höhepunkt der Mission ist der sechseinhalbstündige Vorbeiflug am Mond, der am Montag um 20:45 Uhr beginnt. Die Astronauten werden Einschlagkrater und andere Mondoberflächenmerkmale fotografieren und beschreiben und eine Sonnenfinsternis beobachten. Orion wird voraussichtlich am Montag um 19:56 Uhr den Apollo-13-Rekord für die größte Erdfernung brechen und am Dienstag um 1:05 Uhr einen neuen Distanzrekord von 406.773 Kilometern erreichen. Kurz davor, um 1:02 Uhr, wird Orion dem Mond mit 6.544 Kilometern am nächsten kommen. Am Dienstag um 0:47 Uhr wird Orion in den Mondschatten eintreten, was zu einem vorübergehenden Funkverlust führt.

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Bei den folgenden Artemis-Missionen sollen modifizierte und spiegellose Nikon Z9 zum Einsatz kommen.

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Das erste Missions-Foto der Erde, das am 2. April entstand, wurde von Kommandant Reid Wiseman mit einer Nikon D5 aufgenommen.

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Orion selbst soll dann am Dienstag deutscher Zeit um 1.05 Uhr morgens den neuen Distanzrekord von 406 773 Kilometern erreichen.

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Am Montag um 19.56 Uhr wird erwartet, dass Orion den Rekordpunkt von Apollo 13 mit 400 171 Kilometern Erdentfernung erreicht.

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Die Orion-Kapsel erreicht am Ostermontag um 6.41 Uhr deutscher Zeit den Mond.

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Für unseren Liveblog verwenden wir neben eigenen Recherchen Material der Nachrichtenagenturen dpa, Reuters, epd, KNA und Bloomberg.Wichtige UpdatesDem Mond nun näher als der Erde So sehen die Astronauten die WeltLiveschalte in den WeltraumWo sich die Orion-Raumkapsel derzeit befindetDiese Erinnerungsstücke von der Erde reisen mit zum Mond Auf der Rückseite des MondesDer Höhepunkt der Artemis-2-Mission wird der Vorbeiflug am Mond sein. Nach Angaben der Nasa erreicht die Orion-Kapsel Integrity am Ostermontag um 6.41 Uhr deutscher Zeit den Mond. Ob die Crew dann angesichts der überwältigenden Blicke aus dem Fenster überhaupt schlafen kann, ist unklar, doch muss sie laut Plan achteinhalb Stunden in die Schlafsäcke, um für den wohl wichtigsten Tag des Fluges fit zu sein.Die etwa sechseinhalbstündige Phase des Vorbeiflugs mit wissenschaftlichen Beobachtungen des Mondes beginnt am Montag um 20.45 Uhr deutscher Zeit. Dabei sollen die drei Astronauten und die Astronautin an Bord zum Beispiel Einschlagkrater, alte Lavaströme sowie Oberflächenrisse fotografieren und beschreiben. Zum Abschluss kann die Crew eine Sonnenfinsternis beobachten. Der Mond verdeckt aus Orion-Sicht die Sonne, sodass die Astronauten die Sonnenkorona am Mondrand analysieren kann. Für Montag um 19.56 Uhr wird erwartet, dass Orion den Rekordpunkt von Apollo 13 mit 400 171 Kilometern Erdentfernung erreicht, weiter sind Menschen bislang nicht geflogen. Orion selbst soll dann am Dienstag deutscher Zeit um 1.05 Uhr morgens den neuen Distanzrekord von 406 773 Kilometern erreichen. Drei Minuten vorher soll sie dem Mond mit 6544 Kilometern am nächsten kommen.Bereits am Dienstag um 0.47 Uhr erreicht Orion dem Flugplan zufolge den so genannten Mondschatten, befindet sich also auf der Mondrückseite, wodurch die Funkverbindung für etwa 40 Minuten abbricht.Die Fotoausrüstung der AstronautenDie Welt staunt über die Fotos, die die Artemis-2-Astronauten aus dem All senden – und viele Fotografie-Interessierte fragen sich: Wie wurden diese gemacht? Das erste Missions-Foto der Erde, das am 2. April entstand, wurde von Kommandant Reid Wiseman mit einer Nikon D5 aufgenommen. Die Verschlusszeit betrug 1/4 Sekunde, bei einer Lichtempfindlichkeit von ISO 51 200. Das Objektiv hatte eine Brennweite von 22 Millimetern und eine Blendenöffnung von 4. Die gewählte Kamera mag überraschen: Bei der D5 handelt es sich um ein zehn Jahre altes Modell, das noch über einen Spiegel vor dem Sensor verfügt. Inzwischen werden im Profi-Bereich meist spiegellose Kameras verwendet. Was (noch) für die D5 spricht: ihre extrem hohe Lichtempfindlichkeit. Und dass sie erprobt ist. Zwei D5 sind an Bord.Bei den folgenden Artemis-Missionen sollen modifizierte und spiegellose Nikon Z9 zum Einsatz kommen – das aktuelle Top-Modell der japanischen Firma. Eine dieser Kameras ist auch jetzt an Bord; Wiseman hatte hart darum gekämpft, sie auf die Ausrüstungsliste setzen zu dürfen – was erst in den Wochen vor dem Start glückte.Für Kamerafirmen sind die All-Expeditionen extrem prestigeträchtig. Die Partnerschaft zwischen Nikon und der Nasa reicht mehr als 50 Jahre zurück. Die erste Mondlandung 1969 wurde allerdings hauptsächlich mit (modifizierten) Hasselblad-Mittelformatkameras und Objektiven der Firma Zeiss aufgenommen, die an der Brust der Raumanzüge der Astronauten befestigt waren. Die schwedische Marke nutzt das noch heute zu Werbezwecken. Aus Gewichtsgründen wurden die meisten Kameragehäuse auf dem Mond zurückgelassen, nur die Kassetten mit den unentwickelten Filmen flogen zur Erde zurück.NewsdeskWilli WinklerDer Mond in der LiteraturKein anderer Autor deutscher Sprache hat so viele Mondmetaphern erdacht wie Arno Schmidt. Seit 2004 trägt ein Asteroid seinen Namen. In dem Novellchen „Schulausflug“ träumt der Erzähler (und natürlich träumt er für den Autor) von einem kleinen Glück, einem Häuschen in der Heide, ein ordentliches Bett, „nichts mehr ums liebe Brot schreiben zu brauchen“, Zeit, endlich den ganzen Lessing zu lesen, Ruhe, Ruhe. „An Uhren werden nur die lautlosen geduldet, die mit Sand und Sonne, oder höchstens im Korridor eine Standuhr, die alle Ewigkeiten, nachdem man vieles und vielfältiges gedacht hat, vor sich hin ‚Mnja‘ sagen. Den Mond untergehen sehen, über Wieseneinsamkeiten, ganz rot würde das silberne Wesen geworden sein, wenn es einsank in Dunstband und Kiefernborte…“. Auf und unter geht der Mond bei Arno Schmidt, in seinen Büchern unermüdlich bestaunt, bewundert, beschwärmt, allein, zu zweien, immer ist der Mond dabei: „Wir besahen zusammen eine zeitlang den mageren Mond, der sich im weißgestrickten Gewölk eins fror.“ Ein „Kupfergong“ ist er, „sehr niedrig im Äther“, ein „Mondkeil“, „margarinen“ manchmal, erscheint „traurig und glänzend im Fenstervier“, allgegenwärtig. Beim Aufwachen, heißt es einmal, „stierte der Mond durchs Seitenfenster in mein taubes Gesicht“. Kein Autor, keine Autorin deutscher Sprache hat den bleichen Gesellen da oben in schöneren Farben gemalt: „am Silberkraal des Mondes kauerte ein löwengelbes Gestern“. Schon in der frühen Erzählung „Leviathan“ wird er aufwändig beschworen: „Als junger Mensch hing mir der Mond wie eine Frucht mit schaumiger Seidenschale und schartigem Silberkern in den Weinranken.“ In romantischste Romantik verfällt der Dichter, wenn er sich zu seiner Obsession bekennt: „Das ist doch das Schönste im Leben: nachttief und Mond, Waldsäume, ein stillglänzendes Gewässer fern in bescheidener Wieseneinsamkeit.“ Und erliegt ihr doch nie, wird unbezahlbar grotesk: „… da schteht, genau mittn uff der een’n Schneise, ‘n rotes versoffenes Gesicht, mit schwarzer Ohrnklappe: sah aus, wie 3 Kommunistn! – Der Mond natürlich.“ Lange vor der ersten Landung auf dem Trabanten spielt Schmidts Roman „KAFF auch Mare Crisium“, 1960 erschienen, „in seinen entscheidenden Partien im Jahre 1980 auf dem Monde“, auf dem sich - „wo der Moont doch jetz so modärn iss –“ Russen und Amerikaner angesiedelt haben. Ende 1958 wird besagtes Häuschen endlich erworben, Schmidt ist glücklich, sein Nachtlicht schon zur Stelle: „schön zunehmender Mond“, notiert der Träumer im Tagebuch, „1. Mondlust an Bäumen & Besitz“. Selbstbewusst erinnert er Mit- und Nachwelt an seine Verdienste: „was ich schon so an Mondmetaphern ersonnen habe; es wäre nicht mehr als recht und billig, einen Mondkrater nach mir zu benennen“. Es wurde kein Mondkrater, aber ein vor 45 Jahren, kurz nach dem Tod des Mondomanen entdeckter Hauptgürtelasteroid trägt seit 2004 seinen Namen. Seither rauscht (12211) Arnoschmidt durchs All, unbemannt, wenig besungen, wie geträumt vom mondsüchtigen Arno Schmidt.Mehr zu Arno Schmidt erfahren Sie in diesem Text, der zum Anlass seines 100. Geburtstags im Jahr 2014 erschienen istIT-Probleme im All„Houston, ich habe ein Problem“, mag Astronautin Christina Koch gedacht haben, als sie ihr Tablet in Betrieb nehmen wollte, es aber nicht funktionierte. An der Nasa liegt es jedenfalls nicht, wollte Artemis-Flugdirektor Judd Frieling wohl sagen, als er während der Samstags-Pressekonferenz von einem „Computerausfall“ sprach. Er sei nicht mehr zu benutzen, „aber wir haben ja noch die drei von Reid, Victor und Jeremy“, meinte er trocken. Koch könne ja Neuigkeiten mit ihnen austauschen und sich einen Computer von ihnen ausleihen. Das sei jedenfalls kein großes Problem und komme auch auf der Raumstation ISS vor.Wer weiß, wie ungern man E-Mails von einem fremden Computer aus verschickt, was grundsätzlich von der Orion aus zumindest eingeschränkt geht, der kann sich auch vorstellen, dass dies durchaus ein großes Problem sein kann für jemanden, der 400 000 Kilometer weit weg nach Hause „telefonieren“ möchte. Und Fans des Films „E.T.“ sowieso.Welche Tablets an Bord des Raumschiffs sind, verriet der Flugdirektor nicht. Der Tech-Plattform Gizmodo zufolge handelt es sich um Microsoft Surface Tablets, die auch für private Konferenzen gedacht seien. Allerdings verfügen die Astronauten auch über iPhones.Der Nasa zufolge herrscht auch sonst ein reger Datenverkehr. Bis 18 Uhr deutscher Zeit seien über ein neues Laserkommunikationssystem im Demomode bereits mehr als 100 Gigabytes Daten zur Erde gesendet worden – inklusive hochaufgelöster Bilder.Der Apollo-13-MomentDie Orion-Kapsel wird am Ostersonntag 200 000 Meilen von der Erde entfernt sein, rund 320 000 Kilometer. Auf dieser Distanz wurde der Mondflug von Apollo 13 am 13. April 1970, knapp 56 Stunden nach dem Start, jäh unterbrochen. Im Versorgungsmodul der Kapsel war ein Sauerstofftank explodiert. Ursache war laut Nasa, dass das System überhitzt war, weil Thermostate nicht an technische Verbesserungen angepasst worden waren. Dadurch seien auch Teflonisolierungen beschädigt worden.„Houston, wir haben hier ein Problem“, meldete Jack Swigert der Bodenkontrolle nach der Explosion. Sauerstoff entwich ins All, die Mondfähre musste als eine Art Rettungsboot dienen. Verbunden mit weniger Energie, Trinkwasser und Nahrung für die drei Astronauten, denn die Systeme in der Kapsel mussten zeitweise heruntergefahren werden. Um den CO₂-Gehalt in der Mondfähre zu reduzieren, mussten die Astronauten mithilfe der Ingenieure am Boden einen Filter zusammenbasteln. Letztlich konnten die Astronauten dank des Sauerstoffs der Mondfähre nach einem Flug um den Mond nach vier Tagen wohlbehalten zur Erde zurückkehren.Auf die Havarie angesprochen, sagte Artemis-Commander Reid Wiseman 2023 bei einem Airbus-Besuch der vier Astronauten in Bremen: „Wir lernen viel aus den Missionen, die wir fliegen“. Natürlich könne immer etwas passieren, und man spreche über alle möglichen Risiken. Das Bordsystem sei so redundant ausgelegt, dass man im Notfall gewappnet sei.Airbus baut in Bremen das Europäische Servicemodul, das dem Versorgungsmodul aus Apollo-Zeiten entspricht. Jeremy Hansen sagte damals, dass die internationale Zusammenarbeit auch deswegen so wichtig sei, um die besten Technologien zusammenzubringen. Und ja, die Astronauten lieben den Film „Apollo 13“ mit Tom Hanks, wie sie bekannten.Die Geschwindigkeit der Orion schwankt übrigens, da sie seit dem Mondschuss in der Nacht zum Donnerstag ohne Antrieb unterwegs ist. Diverse Gravitationskräfte wie von Erde und Mond zerren an der Kapsel und verlangsamen oder beschleunigen sie wieder.Der Mond in der Musik: Die Entstehung von „Walking on the Moon“ von PoliceEigentlich passt „Walking on the Moon“ natürlich nicht. Es wird niemand über den Mond spazieren. Aber erstens gibt es auf der Welt keine (oder allerhöchstens sehr, sehr wenige) Instrumente, die derart mondsilbrig umherflirren, wie Andy Summers’ Gitarre in dem Police-Song aus dem Jahr 1979. Und zweitens geht in dem Stück ja auch niemand auf dem Mond spazieren. Sting hat über die Jahre ein paar Versionen zur Entstehung verbreitet, und in der schönsten davon taperte er nach einem Konzert rabenstramm durch ein Münchner Hotelzimmer, der Whirlpool blubberte und er sang – absolut wahrheitsgemäß: „Walking round the room, ya, ya, walking round the room“.Am nächsten Morgen griff die gute alte Regel: Besoffen schreiben, nüchtern gegenhören. Also änderte er den „dämlichen Titel in einen noch dämlicheren“ (Selbstbeschreibung). Et voilà:Giant steps are what you take Walking on the moon I hope my leg don't break Walking on the moonUnd auch das ja ein sehr irdischer Blick auf diese Art des Flanierens. Die Wahrscheinlichkeit, sich bei einem Mondspaziergang das Bein zu brechen, ist schließlich (die Schwerkraft beziehungsweise deren geringerer Einfluss) deutlich niedriger als auf der Erde.Dem Mond nun näher als der Erde Die vier Astronauten an Bord der Orion-Kapsel sind dem Mond mittlerweile näher als der Erde. „Die Artemis 2-Mission hat mehr als die Hälfte der Strecke zum Mond zurückgelegt“, teilte die Nasa mit. Für Victor Glover, seine US-Kollegen Christina Koch und Reid Wiseman sowie den kanadischen Astronauten Jeremy Hansen stehen während der Mission wissenschaftliche Tests und Trainingsaufgaben auf dem Programm – und immer wieder besondere Ausblicke: „Wir können durch die Andockluke gerade den Mond sehen. Es ist ein wunderschöner Anblick“, sagte Astronautin Christina Koch laut Nasa.Während der insgesamt zehntägigen Mission bleibt für die vier wenig dem Zufall überlassen: So teilt die Nasa sogar öffentlich mit, wenn die Astronauten sich aufs Zubettgehen vorbereiten und wann sie ihre Schlafphase beginnen sollen. Geweckt wird das Artemis-Team von Kollegen am Boden – am Freitag etwa durch den Song „In a Daydream“ von der Freddy Jones Band, in dem es unter anderem heißt „No one around just me and the sky“ (deutsch: „Niemand ist hier, nur ich und der Himmel“).Übermorgen, am fünften Flugtag, soll Orion den Punkt erreichen, wenn die Schwerkraft des Mondes stärker auf das Raumschiff wirkt als die der Erde. Am sechsten Flugtag soll das Raumschiff dem Mond am nächsten kommen – etwa 7500 Kilometer hinter der erdabgewandten Seite. Von dort aus können die Astronauten dann Erde und Mond gleichzeitig sehen – und sogar auch eine Sonnenfinsternis, bei der die Sonne aus der Perspektive von Orion hinter dem Mond verschwindet. An diesem Flugtag könnten sie sich auch weiter von der Erde entfernen als jemals Menschen zuvor. Den bisherigen Rekord stellte die Crew der Apollo 13-Mission 1970 mit rund 400 171 Kilometern auf.Was tut diese Plüschkugel im All?Wer sich das Interview von ABC News mit den Astronauten im Weltall anschaut, sieht nicht nur vier Menschen in einem Raumschiff, sondern auch eine kleine Plüschkugel. Sie hat ein Gesicht und trägt eine Mütze in den Farben der Erde. Mit dem Namen „Rise“ soll sie an das berühmte Foto „Earthrise“ erinnern, das Apollo-8-Astronaut William Anders 1968 aufgenommen hat. Die Plüschkugel ist ein Glücksbringer, hat aber auch eine ganz praktische Funktion: „Rise“ ist ein Schwerelosigkeitsindikator. Als solcher hat sie den angeschnallten Astronauten neun Minuten nach ihrem Start angezeigt, dass sie in der Schwerelosigkeit angekommen sind.Mehr zu „Rise“ weiß Martin Zips.Zweimal am Mond, aber nie gelandetWenn Nasa-Astronautin Christina Koch und ihre Kollegen Reid Wiseman, Victor Glover und Jeremy Hansen bald den Mond umkreisen und womöglich nie wieder dorthin kommen, dann teilen sie das Schicksal mit einigen Apollo-Astronauten, die zwar den Mond umrundet haben, aber nie auf der Oberfläche gelandet sind. Dem Nasa-Astronauten Jim Lovell ist das gleich zweimal passiert: Mit Apollo 8 flog er im Dezember 1968 zehnmal um den Mond, mit Apollo 13 kehrte er 1970 dorthin zurück. Die Beinahe-Katastrophe bei der Explosion eines Sauerstofftanks brachte ihn um die Mondflandung. Kapsel und Mondfähre flogen einmal um den Mond und gleich wieder zurück – was die Crew rettete.Lovell war damit der bisher einzige Astronaut, der zwar zweimal zum Mond geflogen ist, aber nicht im Mondstaub spazieren durfte. Besser getroffen hat es hingegen John Young, der 1969 mit Apollo 10 zum Mond flog, um die Mondfähre zu testen, und 1972 mit Apollo 16 auf dem Mond landen durfte. Apollo-10-Kollege Gene Cernan tat es ihm gleich und war mit der bisher letzten Mondmission Apollo 17 in der Kraterlandschaft unterwegs.Insgesamt flogen in der Apollo-Zeit 24 verschiedene Astronauten zum Mond, zwölf landeten dort auch.Kniebeugen im AllIm Weltall gibt es keinen Wellpass und kein FitX — die Nachfrage ist, gelinde gesagt, überschaubar. Immerhin hält die Orion-Kapsel ein Ersatzangebot bereit: das sogenannte Flywheel, ein ausziehbares Widerstandsband mit Halterung, grob verwandt mit dem vorderen Teil einer Rudermaschine. Daran absolvieren die Astronauten ihre tägliche Pflichteinheit Weltraumsport. Das ist weniger Wellness als medizinische Notwendigkeit: Wer im schwerelosen Raum auf Bewegung verzichtet, verliert in erschreckender Geschwindigkeit Muskelmasse und Knochendichte — auch das lernt der interessierte Zuschauer im Nasa-Livestream, ob er will oder nicht. Als Vorturner der Nacht bietet sich der kanadische Astronaut Jeremy Hansen an — und enttäuscht nicht. Mit der Hingabe eines Mannes, der einen besonders hartnäckigen Fahrradreifen aufpumpt, streckt er sich rauf und runter, immer wieder, mit stoischer Regelmäßigkeit. Es folgt eine Kaskade kosmischer Kniebeugen. Soweit das zu erkennen ist — denn zwischendurch segeln die Locken seiner Kollegin Christina Koch durchs Bild und verdecken die Szenerie.So sehen die Astronauten die WeltDie Nasa hat zwei Fotos veröffentlicht, die der Astronaut Reid Wiseman nach dem Mondschuss vom Weltall aus von der Erde gemacht hat. Das erste zeigt die Polarlichter, von denen Wiseman im Interview mit ABC so geschwärmt hat. Sie sind oben rechts und unten links zu sehen.Das zweite Bild zeigt den Blick aus einem der vier großen Fenster des Raumschiffs. Die Erde funkelt blau im Hintergrund. Man kann sich gut vorstellen, wie es den Astronauten bei dem Anblick die Sprache verschlägt.Was die Astronauten vor dem Mondschuss getestet habenWarum hat es eigentlich rund 25 Stunden gedauert, bis die Astronauten die Orion-Kapsel auf die Flugbahn zum Mond geschossen haben? Dass Nasa-Astronautin Christina Koch und ihre Kollegen Reid Wiseman, Victor Glover und Jeremy Hansen noch fast zweimal die Erde umrundet haben, war kein Sightseeing. Grund waren auch diverse Tests und Systemchecks, die sie gemeinsam mit dem Kontrollzentrum in Houston vornehmen mussten. So haben sie im Erdorbit die Manövrierfähigkeit der Kapsel getestet, auch im manuellen Modus. Dazu zählten Annäherungsflüge an die zuvor abgesprengte Oberstufe der Rakete. Die Crew hat damit Annäherungsmanöver der Orion an den Mondlander in der Mondumlaufbahn vorbereitet. Die Nasa kann damit Leistungsdaten und Betriebserfahrungen sammeln, „die am Boden nicht ohne Weiteres gewonnen werden können“.Ferner haben die Astronauten laut Nasa ihre Sicherheits-Raumanzüge gegen leichtere Kleidung getauscht. Sie brauchen die Raumanzüge erst wieder vor der Landung kommende Woche. Weitere Checks betrafen die Lebenserhaltungssysteme. „Die lange Umlaufzeit um die Erde bietet die Gelegenheit, die Systeme während Trainingsphasen zu testen, in denen der Stoffwechsel der Besatzung am höchsten ist“, so die Nasa. Last not least mussten sie den Translunar Injection Burn vorbereiten, eine fast sechsminütige Zündung des Orion-Haupttriebwerks, mit der die Kapsel aus dem Erdorbit auf eine ballistische freie Rückkehrbahn um den Mond geschossen wird. Dabei macht sich die Nasa die Gravitationskraft des Mondes zunutze, die Kapsel fliegt somit nach der Mondumrundung automatisch zurück zur Erde. Derzeit befindet sich die Orion bereits rund 150 000 Kilometer entfernt von der Erde, mit 6600 Stundenkilometern. Bis zum Mond sind es noch knapp 270 000 Kilometer – und die Crew befindet sich gerade im wohlverdienten Schlaf. NewsdeskJoachim KäppnerPer „Erdbrücke“ zum Mond: Johannes Keplers wissenschaftlich fundiertes MärchenKönnten Menschen den Mond erreichen? Dieser Gedanke faszinierte im frühen 17. Jahrhundert den kaiserlichen Hof-Astronomen Johannes Kepler (1571 bis 1630). Er hatte die Gesetzmäßigkeiten entdeckt, nach denen sich die Planeten um die Sonne bewegen. Das brachte ihm Probleme mit der katholischen Kirche ein, die Angelegenheiten des Himmels als ausschließlich die ihren betrachtete. Noch im Jahr 1600 war der italienische Philosoph Giordano Bruno als Ketzer verbrannt worden, weil er in seinen Schriften „auf den Flügeln des Geistes“ zum Mond gereist war.Wohl auch deshalb wurde erst vier Jahre nach Keplers Tod sein Werk „Somnium“ veröffentlicht – eine Art wissenschaftlich fundiertes Märchen. Es beschreibt die Schwerkraft und den Lauf der Himmelskörper. Der Held der Geschichte besucht eine Mond-Zivilisation. Auf die Frage, wie der Himmelplanet zu erreichen sei, bleibt Kepler allerdings eine Antwort schuldig: „Denn wenn ein Körper von der Schwere eines Menschen in einem Zeitraum von einer Stunde 12 000 Meilen in die Höhe gerissen wird, und noch der Mangel an Luft hinzukommt, so muss er sterben, wie die Fische, wenn sie kein Wasser haben.“Der Astronom erdachte stattdessen eine Erdbrücke zum Mond, einen Himmelspfad, auf dem man nur reisen kann, wenn Sonne, Mond und Sterne in einer ganz bestimmten Konstellation zueinanderstehen. Für den Transport ist praktischerweise ein Dämon vorhanden, der allein die Erdbrücke zu benutzen versteht.Liveschalte in den WeltraumDer US-Fernsehsender ABC hat die Artemis-Crew live im Fernsehen interviewt. Moderator Gio Benitez kann es kaum fassen, dass die vier Astronauten „literally“ auf dem Weg zum Mond sind und trotzdem mit ihm sprechen.Eine kleine Verzögerung in der Übertragung gibt es, man hört Benitez' letzte Worte doppelt, als das Bild in die Raumkapsel umschaltet, aber Reid Wisemans Stimme ist klar und deutlich zu verstehen. Als die Sonne hinter der Erde untergegangen sei, erzählt Wiseman, hätten sie den ganzen Erdball gesehen, Europa auch und Afrika, und beim genauen Hinsehen sogar die Polarlichter. „Das war der spektakulärste Moment“, sagt er.Viel Platz haben die Astronauten nicht, Jeremy Hansen liegt quer auf einem Gepäcknetz. Aber das Bild ist scharf und wackelt nicht. Als Astronautin Christina Koch mit den Fingern ein Herz formt, schwebt ihre Atemschutzmaske kurz weg. Am meisten habe sie überrascht, sagt Koch, wie sanft der Flug ablaufe. „Wir hatten mit viel mehr Bewegung gerechnet, hatten uns darauf eingestellt, die Knöpfe nicht erreichen zu können“, sagt sie. Doch es sei einfach „a great ride“ – ein toller Flug.Wo sich die Orion-Raumkapsel derzeit befindetDie Crew der Artemis-2-Mission ist auf dem Weg zum Mond – jetzt wirklich. Zwar war die Rakete schon in der Nacht auf Donnerstag (deutscher Zeit) gestartet, umrundete aber zunächst erst einmal die Erde. Wo genau die Raumkapsel sich derzeit befindet, wird von der Erde aus genau beobachtet: unter anderem auch vom bayerischen Weilheim aus.Im Voralpenland steht eine Antennenanlage des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), die die Flugbahn der Raumkapsel Orion präzise verfolgt. Wie es dort aussieht und was die Aufgaben der Antennenanlage sind, beschreibt SZ-Autor Michael Berzl in diesem Artikel.Welche weiteren Stationen auf die Besatzung der Rakete zukommen, ist in diesem Text nachzulesen. Etwa 400 000 Kilometer werden die vier Astronauten am weitesten Punkt ihrer Reise von der Erde entfernt sein, der Flugverlauf ähnelt in etwa einer Acht um Erde und Mond. Den Weg, den das Raumschiff nehmen soll, hat die Nasa auf die Minute genau berechnet. Allerdings: aktuelle Ereignisse können den Plan jederzeit ändern.Mehr ladenTickarooLive Blog Software
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