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MON · 2026-04-06 · 07:46 GMTBRIEF NSR-2026-0406-54191
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NSR-2026-0406-54191News Report·DE·Human Rights

Gerade weil die „Exodus“ ihr Ziel nicht erreichte, siegte sie

Im Juli 1947 verweigerte Großbritannien den rund 4500 jüdischen Flüchtlingen an Bord der "Exodus" die Einreise nach Palästina. Das Schiff, ehemals ein Vergnügungsdampfer namens "President Warfield", wurde von der Haganah gekauft, um Holocaust-Überlebende trotz britischer Blockade nach Palästina zu bringen.

Johann AlthausDie WeltFiled 2026-04-06 · 07:46 GMTLean · Center-RightRead · 4 min
Gerade weil die „Exodus“ ihr Ziel nicht erreichte, siegte sie
Die WeltFIG 01
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Im Juli 1947 verweigerte Großbritannien den rund 4500 jüdischen Flüchtlingen an Bord der "Exodus" die Einreise nach Palästina. Das Schiff, ehemals ein Vergnügungsdampfer namens "President Warfield", wurde von der Haganah gekauft, um Holocaust-Überlebende trotz britischer Blockade nach Palästina zu bringen. Obwohl die "Exodus" ihr Ziel nicht erreichte und die Passagiere am 8. September 1947 nach Hamburg zurückkehren mussten, lenkte der Vorfall die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit auf das Problem der jüdischen Einwanderung. Die britische Regierung befürchtete eine Destabilisierung der Region durch die Einwanderung. Kurz nach dem Vorfall stimmten die Vereinten Nationen für die Gründung eines jüdischen Staates in Palästina.

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The 'Exodus' carried 4554 people, while originally designed for only 300.

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The 'President Warfield' was originally built as a pleasure steamer in 1928.

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In July 1947, British authorities denied approximately 4500 Jewish refugees on the 'Exodus' entry to Palestine.

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The UN shortly after the 'Exodus' incident approved the establishment of a Jewish state in Palestine.

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The Jewish Agency for Palestine aimed to raise awareness of Jewish immigration through refugee voyages.

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PfadnavigationHomeGeschichte80 Jahre WELT1947Gerade weil die „Exodus“ ihr Ziel nicht erreichte, siegte sieStand: 09:51 UhrLesedauer: 5 MinutenJüdische Kinder 1947 bei der Rückkehr nach Hamburg nach dem Scheitern der Mission der „Exodus“Quelle: Getty Images/KeystoneDie meisten Passagiere des Auswandererschiffs „Exodus“ mussten am 8. September 1947 nach Hamburg zurückkehren. Großbritannien hatte den Holocaust-Überlebenden die Einreise nach Palästina verweigert. Die neue Folge unserer Serie zu 80 Jahren WELT.Die britische Regierung wollte sich entschlossen zeigen – um jeden Preis. So wurde den rund 4500 jüdischen Flüchtlingen an Bord der „Exodus“ Mitte Juli 1947 vor Haifa die Landung verweigert. Stattdessen warteten sechs britische Schiffe auf den völlig überladenen ehemaligen Vergnügungsdampfer, der eigentlich „President Warfield“ hieß, aber in „Exodus from Europe“ umbenannt worden war. Das Schiff verlor den ungleichen Kampf – aber die Vereinten Nationen stimmten kurz darauf der Gründung eines jüdischen Staates in der Region Palästina zu.Sechs britische Kriegsschiffe gegen ein jüdisches Flüchtlingsschiff: Ungleicher hätte der Kampf kaum sein können. An Bord des Flüchtlingsschiffs befanden sich Tausende Juden, die den Holocaust überlebt hatten und nun ins Gelobte Land einwandern wollten. Doch das war vor der Gründung Israels illegal; die britische Regierung befürchtete eine Destabilisierung der Region, verbot die Einwanderung und richtete eine Seeblockade ein.Das hielt die Jewish Agency for Palestine, die offizielle Vertretung der jüdischen Einwanderer in Palästina, nicht davon ab, weitere Flüchtlingsreisen zu organisieren. Das Kalkül war, durch einen Strom von Flüchtlingen die Weltöffentlichkeit auf das ungelöste Problem der jüdischen Immigration aufmerksam zu machen und zugleich die britische Abwehrhaltung zu erodieren. Die „President Warfield“ war 1928 als Vergnügungsdampfer gebaut worden und verkehrte in Küstengewässern der US-Ostküste. Im Zweiten Weltkrieg diente das Schiff als Truppentransporter, bis es ausgemustert, von der zionistischen Untergrundorganisation Haganah gekauft und unter der Flagge von Honduras reaktiviert wurde. Ihr Plan: Die „Exodus“ sollte sich trotz der Seeblockade die Landung an der Küste Palästinas ertrotzen.Der britische Geheimdienst erfuhr jedoch schon während der Überfahrt von den USA nach Europa von der künftigen Aufgabe der „President Warfield“. Trotzdem konnte das Schiff am 9. Juli in der französischen Hafenstadt Sète anlegen und Flüchtlinge aufnehmen, darunter 1282 Frauen und ältere Menschen sowie 655 Kinder und 1017 Jugendliche. Insgesamt befanden sich 4554 Menschen an Bord. Dabei war die „President Warfield“ ursprünglich nur für 300 Menschen gebaut worden.Die Besatzung hisste die weiß-blaue Flagge mit dem Davidstern; die Zeremonie wurde per Funk nach Palästina übertragen und dort im Radio gesendet. Der Plan war, von Süden kommend die Positionslichter vor der Küste Palästinas zu löschen, die britischen Schiffe vorbeifahren zu lassen und anschließend direkt auf die Küste zuzuhalten. Da die „Exodus“ für den Einsatz in flachen Gewässern gebaut worden war, erwies sie sich in stürmischer See zwar als instabil, war aber wie geschaffen, um in Ufernähe auf Grund gesetzt zu werden.Aber die fünf Zerstörer und der Kreuzer „Ajax“ der Royal Navy ließen sich nicht täuschen. Am frühen Morgen des 18. Juli stellten die Briten den Flüchtlingen ein Ultimatum, die Fahrt zu stoppen. Als Kapitän Jossi Harel nicht reagierte, gingen sie zum Angriff über.Um 2.42 Uhr versuchten die Briten das erste Mal, die „Exodus“ zu entern. Doch die jüdischen Flüchtlinge waren vorbereitet. Sie verbarrikadierten das Schiff, warfen Fässer und Kartoffeln auf die Soldaten, bewaffneten sich mit Holzlatten und Eisenstangen. Gegen drei Uhr rammte eines der britischen Schiffe die „Exodus“. Bis in die Morgendämmerung hinein erfolgten 20 weitere Versuche, das Schiff zu entern. Schließlich gelang es den Briten, bis auf die Brücke des Flüchtlingsschiffs vorzudringen. Der Kampf ging auf der „Exodus“ weiter.Dabei wurde das Schiff immer stärker in Mitleidenschaft gezogen. Um fünf Uhr früh bekam es Schlagseite. Die See war rau, das gut 100 Meter lange Schiff schlingerte und drohte zu kentern, samt 3000 Frauen, Kindern und Jugendlichen unter Deck. Als britische Soldaten begannen, ihre Schusswaffen einzusetzen, gab der Kapitän der „Exodus“ auf. Damit war die Flüchtlingsfahrt zu Ende. Mindestens 146, vielleicht aber auch mehr als 200 Menschen waren verletzt worden, drei starben (sowie ein britischer Marinesoldat). Schiffe der Mandatsmacht schleppten die „Exodus“ in den Hafen von Haifa; dort wurden die Flüchtlinge interniert.Denn bleiben durften sie nicht. Um ein deutliches Zeichen gegen illegale Einwanderung zu setzen, setzten die britischen Behörden die „Operation Oasis“ in Gang. Die Passagiere der „Exodus“ sollten in ihre Herkunftsländer zurückgebracht werden – in den meisten Fällen also nach Deutschland. Drei britische Schiffe nahmen Kurs auf Hamburg; dort wurden die Passagiere mit Gewalt von Bord und in die Lager „Pöppendorf“ und „Am Stau“ bei Lübeck gebracht. WELT berichtete von der Ankunft in der Ausgabe vom 9. September 1947; zwei komplette Spalten auf der Titelseite und drei (kleine) Fotos widmete die Redaktion dem Thema unter der Überschrift „Rückkehr ins Exil – Ende der ,Exodus‘-Tragödie“. Lesen Sie auchDie einzelnen Texte waren zwar betont sachlich, trotzdem schwang das Unverständnis über die Handlungsweise der Regierung in London deutlich mit. Ganz offensichtlich hatten die britischen Kontrolloffiziere damit kein Problem, denn sonst hätte es keine solchen Artikel gegeben; allerdings wollte man den in der britischen Hauptstadt zahlreichen Kritikern der Militärregierung in Hamburg keine direkten Anlässe für ein Eingreifen geben.Die internationale Kritik an der Handlungsweise des Kabinetts Attlee war auch so vernichtend. Selbst US-Präsident Harry S. Truman ließ in London sein Unverständnis über die Vorgehensweise im Fall „Exodus“ erklären. Als die nach Deutschland zurückgebrachten Flüchtlinge schließlich die Internierung hinter sich lassen konnten, suchten viele nach Möglichkeiten, ihr Ziel auf Schleichwegen doch noch zu erreichen. Den meisten gelang das. Am Ende erzielte die Fahrt der „Exodus“ eine weitaus größere Wirkung, als sich selbst die Jewish Agency erträumt hätte: Sie wurde zum Symbol für den Überlebenswillen des jüdischen Volkes. Die britische Regierung lenkte ein – und akzeptierte unwillig einen Teilungsplan der Vereinten Nationen. Deren Hauptversammlung machte schließlich den Weg für die Gründung des Staates Israel frei.
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