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MON · 2026-04-06 · 07:00 GMTBRIEF NSR-2026-0406-54223
News/Herrngarten in Darmstadt: Streit um Drogenszene im grünen Wo…
NSR-2026-0406-54223News Report·DE·Human Interest

Herrngarten in Darmstadt: Streit um Drogenszene im grünen Wohnzimmer

Im Herrngarten in Darmstadt kommt es zu Konflikten zwischen Anwohnern und einer Drogenszene. Anwohner des angrenzenden Johannesviertels sehen den Park als Erholungsraum, fühlen sich aber durch Drogenkonsum und Beschaffungskriminalität zunehmend unsicher.

Jan SchiefenhövelFAZFiled 2026-04-06 · 07:00 GMTLean · Center-RightRead · 6 min
Herrngarten in Darmstadt: Streit um Drogenszene im grünen Wohnzimmer
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Im Herrngarten in Darmstadt kommt es zu Konflikten zwischen Anwohnern und einer Drogenszene. Anwohner des angrenzenden Johannesviertels sehen den Park als Erholungsraum, fühlen sich aber durch Drogenkonsum und Beschaffungskriminalität zunehmend unsicher. Die Polizei führt regelmäßig Kontrollen durch, um den Drogenhandel einzudämmen. Die Situation hat zur Gründung der Bürgerinitiative "Rettet den Herrngarten" geführt, die sich für mehr Sicherheit und Lebensqualität im Park einsetzt. Anwohner klagen über Einbrüche und Diebstähle, die sie mit der Drogenszene in Verbindung bringen. Die Initiative fordert Maßnahmen, um den Park wieder für alle nutzbar zu machen.

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Human Interest
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Key claims

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A citizens' initiative "Save the Herrngarten" was founded with around 70 people.

factualJoachim Gottstein, Sprecher der Bürgerinitiative
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A resident from Viktoriastraße reported three burglaries in two years.

factualAnwohner aus der Viktoriastraße
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The Herrngarten park in Darmstadt is a meeting point for drug addicts.

factualnull
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Residents of the Johannesviertel complain about burglaries and thefts from cars.

factualAnwohner
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Some addicts need 300 euros a day for their drugs.

quoteJoachim Gottstein
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Full report

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Im Herrngarten in Darmstadt treffen Spaziergänger und Rauschgiftsüchtige aufeinander. Die Drogenszene nimmt einen kleinen Teil des Parks in Beschlag, die Bewohner des benachbarten Viertels klagen über Diebstähle.Wenn es im Frühling wärmer wird und mehr Menschen im Herrngarten in Darmstadt spazieren gehen oder sich auf die Wiese legen, dann prallen zwei Welten aufeinander. Die eine ist die Welt der Bewohner des Johannesviertels mit Altbauten aus der Gründerzeit, das in der Nachbarschaft des zentralen Stadtparks in der Innenstadt liegt. Die Anwohner schätzen die zwölf Hektar große Grünanlage, deren ältester Teil im 16. Jahrhundert als Schlosspark an der Residenz der Landgrafen entstanden ist, als Erholungsraum und sehen den Park als ihr grünes Wohnzimmer an. Auch die Studenten der Technischen Universität, deren Innenstadtcampus an den Park grenzt, nutzen die Rasenflächen zur Erholung an warmen Tagen.Die andere Welt ist die der Süchtigen, die sich im Herrngarten aufhalten und dort vielfach Crack konsumieren. Schon immer ist der Park ein Treffpunkt der Abhängigen gewesen, auch als diese noch überwiegend Heroin konsumierten. Im Umfeld der Drogenszene stehen die Dealer bereit, deshalb rückt die Polizei immer wieder zu Kontrollen an, auch mit Beamten in Zivil. Sie beobachten und greifen ein, wenn Rauschgift von Hand zu Hand geht.Die Reibung, die beim Aufeinandertreffen der beiden Welten entsteht, wird gerade wieder stärker. Anwohner beschweren sich über Einbrüche in Häuser sowie Diebstähle aus Autos. Und darüber, sich im Park nicht mehr sicher zu fühlen. Der Unmut ist in den vergangenen Wochen derart gestiegen, dass rund 70 Personen zur Gründung der Bürgerinitiative „Rettet den Herrngarten“ zusammengekommen waren, wie deren Sprecher, der Architekt Joachim Gottstein, berichtet. Bei einer Diskussion über die Lage im Park, zu der die Gruppe ins Herrngartencafé eingeladen hatte, wurde dessen Biergarten voll. Das Thema treibt offensichtlich viele um.Sorgen eines Großvaters beim Anblick der DrogenszeneGottstein sagt, er sehe die Sache „mit den Augen des Großvaters“. Mit dem Enkel sei er nicht mehr gern in dem Park unterwegs, wenn dort sichtbar Rauschgift gehandelt werde. Zwar empfinde er „Mitgefühl mit Menschen, die aus der Bahn geworfen sind“. Auf der anderen Seite aber habe er Sorgen wegen der Beschaffungskriminalität. Diese sei davon verursacht, dass manch ein Süchtiger jeden Tag 300 Euro für sein Rauschgift benötige.Gottstein schildert, die Süchtigen schlichen sich in die Hinterhöfe der Gründerzeithäuser und stiegen von dort in die Keller ein. Einem Freund von ihm sei schon viermal das Auto aufgebrochen worden. Bei der Diskussion im Biergarten des Herrngartencafés berichtete ein Anwohner aus der Viktoriastraße von drei Einbrüchen in zwei Jahren. Sein Auto sei aufgebrochen worden, der Dieb sei mit der gestohlenen Bankkarte in einem Supermarkt aufgefallen und gefasst worden. Dann habe sich herausgestellt, dass dieser Mann schon 35-mal straffällig geworden sei.Der Eigentümer eines Hauses an der Frankfurter Straße, die direkt am Park vorbeiführt, sagte, Mieter wollten wegen der Drogenszene ausziehen. Immer wieder sprachen Anwohner bei der Diskussion davon, gar keine Strafanzeige mehr zu erstatten, weil das zu lange dauere und nichts bringe.Der Wirt des Herrngartencafés, Ben Bantschow, klagt über Einbußen wegen des Treffpunkts der Drogenszene in der Nähe des Cafés und sprach von „60 Prozent Umsatzeinbußen in der Hochsaison“. Als Gastronom wünsche er sich, dass die Gäste sich im Park so sicher fühlen könnten, dass sie auch abends ins Restaurant kämen. Auch der Wirt spricht über Kriminalität. Nach zehn Einbrüchen wolle die Versicherung ihm kündigen.Polizei: Kriminalität nicht schlimmer gewordenSelbst wenn in den vergangenen Wochen Beschwerden über die Drogenszene zugenommen haben, ist deren Präsenz an dieser Stelle nicht neu, wie die Polizei auf Nachfrage mitteilt. Nach ihrer Einschätzung ist der Herrngarten schon seit Jahrzehnten „eine Aufenthaltsstelle für Drogenkonsumenten mit all ihren Begleiterscheinungen“, wie es in einer Antwort der Pressestelle des Präsidiums heißt. In nüchternem Ton wird die Lage aus Sicht der Polizei so beschrieben: „Ein durch die Anwohner empfundener Anstieg der Kriminalität im Johannesviertel durch Personen der Drogenszene deckt sich nicht mit unseren bisherigen Feststellungen und Erkenntnissen, auch wenn es vereinzelt zu Diebstählen und Straftaten kam, die der Beschaffungskriminalität zugeschrieben werden können. Zu beachten ist hierbei, dass die Gesamtkriminalität nicht ausschließlich auf die Drogenszene zurückzuführen ist.“Die Polizei gehe seit dem vergangenen Jahr intensiver mit Kontrollen gegen Handel und Konsum von Drogen vor. Bei insgesamt 50 Einsätzen mit einer Vielzahl von Beamten seien Diebstähle und Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz festgestellt worden. In einer Mitteilung des Innenministeriums heißt es, in 93 von 95 Ermittlungsverfahren sei der Beschuldigte gefasst worden.Rauchware: Crack ist in der Darmstädter Drogenszene das am häufigsten konsumierte Rauschgift (Symbolbild).dpaDer Leiter der Polizeidirektion in Darmstadt, Hartmut Scherer, sagt im Gespräch mit der F.A.Z., die Zahl von Straftaten sei in den vergangenen Jahren nicht gestiegen, sondern „relativ gleichmäßig“ auf einem Niveau geblieben. Bei der Straßenkriminalität sei im vergangenen Jahr sogar ein Rückgang gegenüber dem Vorjahr erkennbar. Allerdings kämen Fahrraddiebstähle häufiger vor, auch rund um den Herrngarten. Bei nicht abgeschlossenen Autos griffen Diebe häufiger zu und nähmen Gegenstände aus dem Inneren an sich.Wenn es im Herrngarten zu Gewalt komme, richte diese sich weniger gegen Spaziergänger, sondern sei oft Teil von Konflikten innerhalb der Drogenszene. Der Polizeidirektor ruft jedenfalls alle Anwohner auf, Straftaten anzuzeigen, damit die Polizei die Taten wahrnehmen und Hinweise sammeln könne.Wer sich im Herrngarten umsieht, dem fallen die Süchtigen auf. Allerdings breitet sich die Szene nicht im gesamten Park aus, sondern nimmt nur einen kleinen Teil in Beschlag. Die Süchtigen halten sich in der Nähe des „Scentral“ auf, einer Hilfseinrichtung der Stadt, die von der Diakonie betrieben wird.Beratung für die Süchtigen im „Scentral“Für die Anlauf- und Beratungsstelle für Süchtige hat die Stadt in den vergangenen Jahren einen Neubau an der Ecke von Bismarck- und Schleiermacherstraße errichtet. Noch nicht ganz fertig ist das Außengelände. Die Arbeiten haben sich wegen eines Bauschadens verzögert, wie Sozialdezernentin Barbara Akdeniz (Die Grünen) auf Nachfrage angibt. Wenn der Hof fertiggestellt ist, soll dieser als Aufenthaltsfläche für die Süchtigen dienen.Im Scentral erhalten die Abhängigen Essen und frische Kleidung, vor allem aber stehen Sozialarbeiter bereit. Ziel ist, den Klienten aus der Sucht heraus zu helfen, etwa mit einer Therapie für den Entzug, wie die Sozialdezernentin sagt. Die Sozialarbeiter unterstützen auch dabei, einen Antrag für das Jobcenter auszufüllen.Drogen nehmen dürfen die Hilfesuchenden in der Einrichtung allerdings nicht, wie Akdeniz sagt: „Das Scentral ist konsumfrei.“ Das gilt für die Räume wie für das Außengelände. Nach den Worten der Dezernentin konsumieren die Süchtigen deshalb im Herrngarten ihre Drogen, allerdings nur auf einer kleinen Fläche, die an das Grundstück des Scentral grenzt. Das sei immer noch besser, als wenn sich die Süchtigen im ganzen Park oder gar über die Innenstadt verteilten, sagt Akdeniz.Dieser Teil des Parks macht nach den Angaben der Sozialdezernentin zwei Prozent seiner Fläche aus und ist derzeit mit Bauzäunen und grünen Matten vom Rest der Grünanlage abgetrennt, sodass die Süchtigen einen Sichtschutz vorfinden. Nach Abschluss der Arbeiten am Hof des Scentral sollen die Bauzäune durch eine andere Abtrennung, etwa Büsche, ersetzt werden. Auf diesem Streifen der Grünanlage halten sich der Verwaltung zufolge meist 25 bis 30 Menschen gleichzeitig auf, manchmal auch bis zu 50 Personen; sie kommen aus Darmstadt und den benachbarten Landkreisen, nicht aber aus Frankfurt oder der weiteren Umgebung.Crack ist den Drogenfachleuten der Stadt zufolge derzeit das im Herrngarten am häufigsten konsumierte Rauschgift. Kokain sei in den vergangenen Jahren billiger geworden, sodass ein „Crackstein“, also eine Konsumportion zum Rauchen, nur noch fünf Euro koste. Beobachtet wird ein „Mischkonsum“ mit anderen Drogen wie Heroin, um die stark aufputschende Wirkung von Crack zu dämpfen.Stadtparlament will Konsumraum einrichtenDas Stadtparlament hat im vergangenen September entschieden, einen Konsumraum einzurichten, in dem Süchtige sich Heroin oder andere Drogen unter hygienischen Bedingungen spritzen können. Die Details werden in der Verwaltung ausgearbeitet. Das Dezernat von Akdeniz bereitet eine Beschlussvorlage vor, die nach ihren Worten im Mai zur Abstimmung gestellt werden kann. Für einen Konsumraum ist eine besondere Genehmigung des Landes erforderlich, und im Scentral muss dafür Personal bereitstehen.Das Parlament hat darüber hinaus angeregt, auch einen Konsumraum für Crackraucher einzurichten. Dafür wollen die Stadtpolitiker aber erst die Erfahrungen abwarten, die in anderen Städten damit gesammelt werden. Es könnte ein Teil des Außengeländes des Scentral genutzt werden, schlägt Akdeniz vor. Wenn Crack unter freiem Himmel konsumiert werde, ziehe der Rauch ab und bringe nicht die Mitarbeiter der Einrichtung in Gefahr des Passivrauchens.Einen Konsumraum befürwortet auch der für die Stadt zuständige Direktionsleiter der Polizei. Scherer sagt, wenn Polizisten künftig beobachteten, wie Süchtige im Herrngarten Drogen konsumierten, könnten sie diese zu dem Konsumraum schicken. Das erleichtere die Arbeit der Polizei.
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