Religiöse Minderheit Wie Christen im
Gazastreifen Ostern feiern Stand: 06.04.2026 • 13:18 Uhr Zwischen Schutt und Trümmern feiern sie
Ostern. Christen im
Gazastreifen beten für Frieden, Stabilität im
Nahen Osten und ein menschenwürdiges Leben - für sich und ihre muslimischen Verwandten, Nachbarn und Freunde. Es sind nicht viele Gläubige, die sich zum Osterfeuer auf dem Hof vor der
Kirche zur Heiligen Familie in
Gaza-Stadt versammelt haben. Sie haben sich rausgeputzt und blicken wie gebannt auf die Flammen. Pfarrer
Gabriel Romanelli segnet das Osterfeuer. Er hat eine klare Botschaft zu diesem Osterfest, an dem die Auferstehung Jesus Christi gefeiert wird. Der Krieg sei nicht beendet. "Sogar jetzt, wo wir eine Waffenruhe haben, gehen die Gefahren und der Tod weiter. Wir beten zum Herrn, er möge allen Frieden und Gerechtigkeit zukommen lassen, vor allem den Verantwortlichen des Krieges", sagt der Pfarrer. "Der Krieg muss beendet werden. Alle Menschen im Heiligen Land, im
Nahen Osten, in diesem Krieg müssen in Frieden, Gerechtigkeit und Stabilität leben können. Frohe
Ostern ihnen allen." Das ARD-Team aus dem
Gazastreifen konnte Pfarrer Romanelli und die Gläubigen bei dieser Ostermesse begleiten. Schon vor Kriegsbeginn war die christliche Gemeinde in Gaza vergleichsweise klein. Etwa 1.000 Christinnen und Christen lebten in dem schmalen Küstenstreifen vor dem Angriff der Terrororganisation
Hamas auf
Israel. Im Laufe des Krieges dürften durch das israelische Bombardement mehrere Hundert Christen getötet worden sein. Gläubige wie
Edward Sabbagh mussten feststellen, dass auch die Kirchen keine sicheren Zufluchtsorte sind. "Während des Krieges flüchtete ich in die
St.-Porphyrius-Kirche", erzählt er. 20 Christen seien gestorben, als die Kirche bombardiert wurde, sagt
Edward Sabbagh. "Wir beten täglich für sie und bitten in jedem Gebet, besonders aber an den Festtagen, um Gnade für sie." Der Angriff sei völlig unerwartet gekommen, als sie sich in der Kirche befanden. Beten für Frieden: In der mehrmals beschossenen
Kirche zur Heiligen Familie in
Gaza-Stadt feiern Christinnen und Christen
Ostern. Es ist für die christlichen Gläubigen ein Osterfest inmitten einer Trümmerlandschaft. Auch die
Kirche zur Heiligen Familie in
Gaza-Stadt wurde nach Angaben des
Lateinischen Patriarchats in Jerusalem in den vergangenen zweieinhalb Jahren mehrmals bombardiert. Die Kirche ist schwer beschädigt, Menschen starben. Das angrenzende Kloster der Missionarinnen der Nächstenliebe wurde für die Mutter-Teresa-Schwestern nach Beschuss durch Panzer unbewohnbar. Und doch haben viele Christen ihre Hoffnung nicht verloren. "Das Erste, was uns im
Gazastreifen fehlt, ist ein menschenwürdiges Leben", sagt Milad Ayyad, der den Gottesdienst besucht. "Ein Leben wie das der übrigen Menschen der Welt. Ja, wir brauchen auch Essen, Getränke und Wohnungen, aber wir wollen ein menschenwürdiges Leben, den Wiederaufbau unserer Häuser und dass der
Gazastreifen zu dem Zustand vor dem Krieg, der für mich einem Völkermord gleicht, zurückkehrt." Aktuell befasst sich der Internationale Gerichtshof in Den Haag mit dem Vorwurf des Völkermordes.
Israel bestreitet dies und pocht auf sein Selbstverteidigungsrecht gegen die Terrororganisation
Hamas. Für viele der Christen im
Gazastreifen ist das eine nachrangige Diskussion. Sie wünschen sich - wie auch viele ihrer muslimischen Familienmitglieder, Freunde und Nachbarn - einzig ein menschenwürdiges Leben.