Viele große Zahlen machen die Dimensionen des Megaprojekts am Flughafen
Frankfurt deutlich. Als Maßeinheiten schlägt
Fraport Fußballfelder, Eiffeltürme und EZB-Türme vor. Wir haben uns die spannendsten angeschaut.Das Megaprojekt der Region biegt nach zehn Jahren Bau- und vielen weiteren Jahren Planungszeit auf die Zielgerade ein. Denn es ist alles fertig, alles bereit für die 19 Millionen Reisenden, die das neue
Terminal 3 am
Frankfurter Flughafen jährlich abfertigen kann: das Terminalgebäude, die drei Flugsteige, das Parkhaus mit 8500 Stellplätzen auf acht Ebenen (eines der größten Europas) und die neue Skyline-Bahn, die das Terminal mit denen im Norden verbindet und dafür weniger als acht Minuten braucht.Ganz gleich, welche der vielen Zahlen man sich anschaut, die helfen könnten, die Dimension dieses Bauprojekts einzuschätzen: Sie können die wahren Dimensionen kaum beschreiben, weil sie so groß sind, dass man sie sich kaum vorstellen kann. Vier Milliarden Euro ist so eine Zahl. Sie steht für das Investitionsvolumen, das fast dem Umsatz der
Fraport AG von 2025 entspricht und den Bau des Terminals zum größten privat finanzierten Infrastrukturprojekt in Europa macht. Oder 176.000 Quadratmeter. Das ist die Grundfläche des Terminals, die ungefähr 25 Fußballfeldern entspricht. Legte man das Terminal auf die Frankfurter Innenstadt, wäre sie von Kaiserstraße bis fast zum Zoo unter ihm versenkt.Zeitweise bis zu 3000 Arbeiter gleichzeitig auf der BaustelleDie Gesamtfläche der Ober- und Untergeschosse ist mit rund 400.000 Quadratmetern mehr als doppelt so groß wie die aller Etagen des
EZB-Towers. Will man die verbaute Stahlmenge des Terminals 3 in handliche Mengen umrechnen, schlägt
Fraport als adäquate Maßeinheit Eiffeltürme vor. Die Anzahl: 15. Zehn Kilometer Straßen wurden nur für das Terminal neu gebaut. Die Skyline-Bahn hat eine 5,6 Kilometer lange Trasse und kostete allein rund eine halbe Milliarde Euro.Neben Konzernchef
Stefan Schulte haben seit dem Spatenstich im Oktober 2015 (dem Start des Baus gingen schon 15 Jahre intensiver Vorbereitung voraus) vor allem zwei Menschen den Bau des Terminals möglich gemacht:
Stephanie Pudwitz und
Harald Rohr. Sie ist kaufmännische Geschäftsführerin, er technischer Geschäftsführer der
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Fraport Ausbau Süd GmbH, die als eigenständige Projektgesellschaft den Terminalbau umgesetzt hat. Dafür sind knapp 80 Mitarbeiter (Juristen, Ingenieure und kaufmännische Angestellte) bei der Gesellschaft beschäftigt.Es waren bewegte Jahre voller Planungen, Abstimmungen und auch schnellen Reagierens auf Unvorhergesehenes, die ein derartiges Projekt für die Verantwortlichen mit sich bringt, vor allem wenn es während eines Krieges in der Ukraine, während einer Pandemie und während großer Instabilität im Nahen Osten umgesetzt werden muss. „Die größte Herausforderung war immer, mit der Komplexität umzugehen, das große Ganze im Blick zu behalten und alle Beteiligten zu koordinieren“, sagt Pudwitz.Frank RöthZeitweise waren bis zu 3000 Arbeiter gleichzeitig auf der Baustelle. Für Unvorhergesehenes gibt es zahlreiche Beispiele: etwa die Fluggastbrücken aus China, die mit Schiffen deutlich verspätet ankamen, wie sich Rohr erinnert, weil die Huthi-Rebellen 2023 den Suezkanal durch Angriffe auf Handelsschiffe faktisch sperrten und die Schiffe über das Kap der Guten Hoffnung umgeleitet werden mussten. Oder die Insolvenz eines Unternehmens mit 18 Gewerken gleich am Beginn des Projekts. Hier zahlte sich die Strategie von Pudwitz und Rohr aus, bei der Auftragsvergabe auf Redundanz zu setzen: Der Ausfall konnte durch andere Unternehmen abgefedert werden. „Es ging darum, vorauszuschauen. Ich habe immer gesagt: mit Fernlicht unterwegs sein“, sagt Rohr. Das betreffe nicht nur die Bauunternehmen, sondern auch Genehmigungsprozesse: In
Frankfurt habe die Behörde nur zwei Mitarbeiter, die für den Flughafen zuständig seien. „Das war aber vollkommen okay. Wir haben dann alles nacheinander abnehmen lassen.“ Ein Grund, warum etwa die Flugsteige nacheinander fertig wurden. Dieser Text entstammt der aktuellen Ausgabe des F.A.Z.-Wirtschaftsmagazins „Metropol“. Mehr erfahren Die kaufmännische Abteilung, bestehend aus den drei Sektoren Einkauf und Vergabe, Controlling und Vertragsmanagement, hatte es im Projekt mit einer wahren Flut an Daten und Dokumenten zu tun. Der Terminalbau umfasste etwa 1,2 Millionen digitale Dokumente. Darunter allein 850.000 Baupläne und technische Zeichnungen.
Fraport berichtet von 2,8 Terabyte Daten und knapp 1,7 Milliarden DIN-A4 Seiten, die in Aktenordnern aneinander gereiht rund 230 Kilometer lang wären. Das Controlling hat jährlich rund 2000 Rechnungsvorgänge bearbeitet, die aus den mehr als 1000 aktiven Verträgen mit den 800 Bau- und Planungsunternehmen entstanden sind.Insgesamt 51 Gates an den drei FlugsteigenDas Terminal besteht aus vier Teilen: dem Hauptgebäude und den drei Flugsteigen G, H und J (von Osten nach Westen), wobei letztere die Hauptflugsteige sind. H und J bieten zusammen 24 Gebäudepositionen (also Flugzeugpositionen am Terminal), davon vier für Großraumflugzeuge, die besonders viel Platz brauchen. Der A380 etwa hat eine Spannweite von 80 Metern und ist 73 Meter lang.Flugsteig H ist 400 Meter, Flugsteig J 600 Meter lang. Beide zusammen haben inklusive der 14 Stationen für Busse 38 Gates. Am Flugsteig H steht zudem der 69 Meter hohe Vorfeldkontrollturm, von dem aus die Lotsen die insgesamt 5,5 Quadratkilometer Vorfeld im Blick haben müssen. Flugsteig J ist für Reisen außerhalb des Schengenraums konzipiert. Im obersten Stock wurde ein eigener Gang für ankommende Passagiere gebaut, um Schengen- und Non-Schengen-Passagiere im Terminal trennen zu können. Daher hat dieser Pier ein Stockwerk mehr als H. Beide Steige zusammen haben eine jährliche Kapazität von 14 Millionen Fluggästen.Die Gates und die Wartezonen für Passagiere liegen an den Seiten der Piers, innen folgen die Retail- und Gastronomieangebote. Der Mittelgang ist mit insgesamt 36 Fahrsteigen, den bekannten „Fließbändern“ für Fußgänger, ausgestattet.Flugsteig G ist bereits seit 2022 baulich fertig und in einen Ruhezustand versetzt worden. Auch er wird nun mit der Eröffnung des Terminals in Betrieb genommen. Dieser Pier ist kleiner als H und J, hat zunächst eine Kapazität von fünf Millionen Fluggästen im Jahr, soll aber perspektivisch auf sieben Millionen aufgestockt werden. Dafür kann der Steig von aktuell 400 Meter auf 600 Meter Länge ausgebaut werden. Damit die Passagiere in die Flugzeuge kommen, gibt es dort 13 Gates, sowohl für Schengen- als auch Non-Schengen-Passa giere. Neun für Flugzeuge, vier für Busse. Der Pier ist für günstigere Direktflüge konzipiert, hauptsächlich zu klassischen Urlaubsdestinationen. Daher hat die
Fraport hier auf schlanke Prozessketten, also kurze Wege und ein auf die Reiseziele ausgerichtetes Retail- und Gastroangebot, geachtet. Es gibt keine Lounges oder Gepäckspeicher.Für Ankommer: Blick in die Gepäckausgabe des TerminalsFrank RöthFlugsteig G ist bereits seit 2022 baulich fertig und in einen Ruhezustand versetzt worden. Auch er wird nun mit der Eröffnung des Terminals in Betrieb genommen. Dieser Pier ist kleiner als H und J, hat zunächst eine Kapazität von fünf Millionen Fluggästen im Jahr, soll aber perspektivisch auf sieben Millionen aufgestockt werden. Dafür kann der Steig von aktuell 400 Meter auf 600 Meter Länge ausgebaut werden. Damit die Passagiere in die Flugzeuge kommen, gibt es dort 13 Gates, sowohl für Schengen- als auch Non-Schengen-Passagiere. Neun für Flugzeuge, vier für Busse. Der Pier ist für günstigere Direktflüge konzipiert, hauptsächlich zu klassischen Urlaubsdestinationen. Daher hat die
Fraport hier auf schlanke Prozessketten, also kurze Wege und ein auf die Reiseziele ausgerichtetes Retail- und Gastroangebot, geachtet. Es gibt keine Lounges oder Gepäckspeicher.Alle 64 Ladeneinheiten sind bereits vermietetDas Hauptgebäude ist das Herzstück des Terminals. Es teilt sich auf in die Abflug- und Ankunftshallen, den sogenannten Marktplatz mit den Shops und Restaurants und die Sicherheitskontrolle. Zudem ziehen hier bis zum Sommerreiseverkehr in vier Wellen 57 Fluggesellschaften vom Terminal 2 ein, die nicht zur Star Alliance um die Lufthansa gehören: etwa Air France, British Airways, Delta Air Lines, Emirates, Qatar Airways und Korean Air. Auch Condor wird 2027 ins neue Terminal umziehen. Im Terminal stehen insgesamt 12.200 Quadratmeter für Geschäfte und Restaurants und 6000 Quadratmeter für Lounges zur Verfügung.Ankommende und abgehende Flieger sind im Terminal vertikal getrennt: Die Check-in-Halle befindet sich über der Ankunftshalle. Wer vom Terminal losfliegt, betritt sie als Erstes. Sie ist 18 Meter hoch und zeigt sich nach außen hin mit der markanten Glasfassade aus etwa 700 Scheiben. Auf 6,2 Meter Höhe hat die Fassade einen Knick, um Radarstrahlen von Flugzeugen und der Flugsicherung nicht ungünstig zu reflektieren und dadurch den Flugbetrieb zu beeinträchtigen. Innen befinden sich 112 zum Großteil automatisierte Check-in-Schalter und Automaten zur eigenständigen Gepäckaufgabe. In der Ankunftshalle darunter sind bis zu 15 Ausgabebänder Teil des Gepäcksystems. Nach der Check-in-Halle gelangt man durch die Sicherheitskontrolle in den Transitbereich und zum Marktplatz.Der zentrale Marktplatz im internationalen Transitbereich ist rund 6000 Quadratmeter groß. Fluggäste können in 15 Geschäften einkaufen, eine Bar und zwei große Areale mit knapp 1000 Sitzplätzen sollen zum Verweilen einladen. Die
Frankfurt Airport Retail, ein Joint Venture aus
Fraport und dem Handelsunternehmen Gebr. Heinemann, das am Flughafen die Duty-free-Geschäfte betreibt, eröffnet am Terminal vier Standorte. Insgesamt werden es damit am Flughafen 23. Alle insgesamt 64 Ladeneinheiten am Terminal sind bereits vermietet. Vom Marktplatz aus kommen Fluggäste zu den einzelnen Flugsteigen.Am 23. April werden die ersten Fluggäste am
Terminal 3 in die Flugzeuge einsteigen und von
Frankfurt aus in die Welt fliegen. Dann werden alle Restaurants, Bars, Shops und Autoverleiher die Passagiere empfangen. Dann wird die Skyline-Bahn alle mit dem Zug Anreisenden schnell ins Terminal bringen, das große Parkhaus die Autos der Urlauber oder Geschäftsreisenden aufnehmen. An den Gates werden Flugzeuge warten, am Kontrollturm die Lotsen das Vorfeld im Blick haben. Alles ist bereit. Jetzt müssen nur noch die Passagiere kommen.