Bilanz der
Ostermärsche Teilnehmerzahl steigt kaum - trotz kritischer Weltlage Stand: 06.04.2026 • 17:20 Uhr In mehr als 100 Orten in
Deutschland wurde bei den Ostermärschen für Abrüstung demonstriert. Die Veranstalter äußern sich zufrieden, räumen aber auch ein: Angesichts der kritischen Weltlage wäre eine höhere Beteiligung "wünschenswert". Mehrere Zehntausend Teilnehmer bei Ostermärschen in mehr als 100 Orten - das ist die Bilanz des
Netzwerk Friedenskooperative. Die Teilnehmerzahl sei damit "auf dem Niveau des Vorjahres mit einer leichten Tendenz der Steigerung" gewesen. Die
Infostelle Ostermarsch sprach von bundesweit über 120 Aktionen. Durch "neue Friedensinitiativen vor allem in kleineren Städten" habe die Beteiligung erhöht werden können. Erste Aktionen hatten am Donnerstag und Freitag stattgefunden. Karsamstag ist traditionell der Haupttag der
Ostermärsche. Nach Polizeiangaben blieben große Menschenmassen dabei aber die Ausnahme. Am Montag gab es dann unter anderem in
Frankfurt am Main und in
Hamburg nochmal größere Kundgebungen mit - nach Angaben der Polizei - etwa 1.400 bzw. 1.700 Teilnehmenden. Die Veranstalter nennen höhere Zahlen. "Wir setzen ein noch deutlicheres Zeichen unseres Widerstands gegen die Politik der Kriege, wie sie auch die Bundesregierung in Berlin betreibt", sagte
Andreas Grünwald vom
Hamburger Forum für Völkerverständigung und weltweite Abrüstung. Das Forum hatte zu diesem Ostermarsch aufgerufen. Neben Initiativen gegen Rüstungsexporte oder dem Bündnis "Nein zur Wehrpflicht" beteiligten sich auch
Die Linkspartei und die Gewerkschaft
ver.di. Angesichts der Kriege unter anderem in Nahost und der Ukraine hätte man mit höheren Teilnehmerzahlen rechnen können, räumen auch die Veranstalter ein. "Angesichts der kritischen weltweiten Lage wäre eine höhere Beteiligung wünschenswert", hieß es etwa von der
Infostelle Ostermarsch. Auffallend bei vielen Kundgebungen war das vergleichsweise hohe Durchschnittsalter der Demonstrierenden. Das bestätigt auch Friedensforscher
Tobias Debiel im tagesschau.de-Interview. Dafür gebe es mehrere Gründe: Die Aufrufe zu dem Demonstrationen seien zum Teil sehr einseitig - etwa wenn
Russland nicht klar als Aggressor benannt werde. Zudem fehle vielen jungen Menschen das Gemeinschaftserlebnis, das sie bei anderen Demos mit kreativeren Aktionen hätten. Und es fehlten - anders als in den 1980er-Jahren - Prominente aus Kultur, Gesellschaft und Politik. "Die klassische Art der Demonstration mit älteren Menschen ist da für die Jugend weniger reizvoll", so Debiel. Inge Fedderson, eine 76-jährige Teilnehmerin bei der Demo in
Hamburg erklärt sich die eher geringe Zahl junger Teilnehmer auch mit einer allgemeine Krisenmüdigkeit. "Wir erleben einen Krieg nach dem anderen, das kann Menschen auch mürbe machen, viele sind einfach erschöpft", sagte sie einer Reporterin der Nachrichtenagentur epd. Ihr selbst mache "die Kriegstreiberei auf allen Seiten" Angst. Im Fokus der diesjährigen
Ostermärsche standen die anhaltenden Kriege in Nahost und der Ukraine. Die Friedensbewegung fordert von der Bundesregierung diplomatische Initiativen zur Beendigung der "israelischen und US-amerikanischen Aggressionen". Sie protestiert zudem gegen die Öl-Blockade von Kuba und die Stationierung von US-Waffen in
Deutschland. Auch wenden sich die
Ostermärsche gegen eine Wehrpflicht, erklärte das
Netzwerk Friedenskooperative. "Die
Ostermärsche solidarisieren sich mit den jungen Menschen, die nicht zum Dienst an der Waffe gezwungen werden möchten und nicht gewillt sind, ihre persönlichen Freiheiten der Kriegstüchtigkeit zu opfern", erklärte Kristian Golla von dem Netzwerk. Die
Ostermärsche in
Deutschland finden seit den 1960er-Jahren statt. Den größten Zulauf verzeichneten sie in den 80er-Jahren im Kalten Krieg, als Hunderttausende Menschen daran teilnahmen.