97 Minuten nur Zuschauer, dann der nächste Dämpfer. Trainer
Albert Riera hat
Eintracht Frankfurt ein neues Problem beschert: Wie geht es mit dem wertvollsten Spieler
Can Uzun weiter?Ein Fußballtrainer vom Schlage eines
Albert Riera schweigt nicht, wenn er gefragt wird. Er redet auch nicht um den heißen Brei herum. Der Frankfurter Fußballlehrer
Albert Riera, der gerne von sich selbst als „Albert“ spricht, sagt, was er denkt – und manchmal gibt er dabei, wie nach dem 2:2 der Eintracht gegen
Köln, mehr preis, als er eigentlich müsste.Aber
Albert Riera ist eben
Albert Riera. Im Gespräch nimmt er kein Blatt vor den Mund. Und schafft sich so das eine oder andere Problem selbst. Als die Sprache am Ostersonntag auf der Pressekonferenz noch gar nicht konkret auf Frankfurts Profi
Can Uzun gekommen war (nachdem er im Duell mit den Rheinländern keine Spielminute erhalten hatte), sagte sein Trainer schon im Brustton der Überzeugung: „Das heute einige nicht gespielt haben, liegt daran, dass man mit dem Ball zwar super sein kann, aber ohne Ball eben nicht gut ist.“ Und weiter: „Bei Albert wirst du dann nicht spielen. Da bin ich sehr klar.“Der Trainer verhält sich unsensibelWie so oft: Klare Kante von Chefsprecher Riera. Er betonte, dass er „komplette Spieler“ wolle. Solche, die beide Aufgaben „erledigen“ müssten. Wer sich in diesem Moment in Abwesenheit angesprochen fühlen musste? Na klar! Der 20 Jahre alte
Can Uzun. Hätte er im Raum zugehört, hätte er wahrscheinlich seinen Ohren nicht getraut. Wenig später wurde Riera dann ausdrücklich zu Uzun befragt. Diesmal sagte der Trainer: „Er weiß, was er zu tun hat. Mit dem Ball und ohne den Ball. Wenn er das dem Team geben wird, nicht Albert, sondern dem Team, dann wird er spielen.“Die identische Frage, fast die gleiche Antwort vom Fußballlehrer. Sie kam einer Ohrfeige für den jungen türkischen Nationalspieler gleich. Indirekt ist ihm von höchster Stelle ein zu egoistisches Verhalten vorgeworfen worden. Abermals machte der mitteilsame Riera aus seinem Herzen keine Mördergrube. Die Frage ist nur, ob er das in dieser Deutlichkeit hätte tun müssen. Oder ob der Trainer sensibler und klüger mit dem Thema hätte umgehen können. Das wäre sicher im Sinne der Eintracht gewesen – und auch des Spielers.Uzuns Traum ist die WM-Teilnahme im SommerUzun ist ein selbstbewusster Fußballprofi. Ein Riesentalent mit großem Stolz. Der in
Regensburg geborene Offensivspieler weiß um seine außergewöhnlichen Stärken im Angriffsspiel, er ist sich seines Wertes bewusst. Uzun ist aber auch ein sensibler Mensch. Unmittelbar nach dem Abpfiff am Sonntag stand er mit verschränkten Armen hinter dem Rücken auf dem Spielfeld und schaute mit Blick in die Ferne betrübt drein. Sein Frust war ihm anzusehen. Die Nichtberücksichtigung über die 97 Spielminuten hatte etwas in ihm ausgelöst.Viele hatten vor der Begegnung erwartet, dass Uzun zur Startformation gehören würde. Dann das, nur ein fester Platz auf der Bank ohne jegliche Mitwirkung. Eine empfindliche Zurückstellung für ihn. Gerade jetzt sind reichlich Einsatzminuten wichtig für Uzuns Fortkommen, der sich so sehr seine Berufung in die Nationalmannschaft für die Weltmeisterschaft wünscht. Das ist sein großer, lang gehegter Traum.Vier Kurzeinsätze gewährte Nationaltrainer Vincenzo Montella Uzun bisher. Bei der Eintracht, die am Dienstag bekannt gab, den Vertrag mit Mittelfeldspieler Mahmoud Dahoud im Sommer nicht zu verlängern, muss und will er auch Leistung bringen. Ansonsten steht seine Nominierung auf dem Spiel. Darüber herrscht auch in Uzuns Umfeld Klarheit. Eines, das im Hintergrund mit Nachdruck dessen Interessen wahrnimmt. Und das jetzt ob der schlechten Neuigkeiten alarmiert sein dürfte.Uzun dürften die Aussagen seines Trainers nahegegangen sein. Auch wenn ein Fußballprofi mit Kritik umgehen muss, könnte Uzun sie doch im Hinblick auf den Zeitpunkt und die Art als Frontalangriff werten. Zwar weiß der Spielmacher, dass er sich bei der Arbeit gegen den Ball weiter verbessern muss und kann. Das war schon unter Rieras Vorgänger Dino Toppmöller ein Thema. Dementsprechend machte Uzun auch Fortschritte.Auf der anderen Seite hat er schon bewiesen, wie gewinnbringend er für das Eintracht-Spiel sein kann. Trotz einiger Verletzungspausen aufgrund von Muskelblessuren in dieser Saison stehen in seiner Bilanz acht Pflichtspieltore und fünf Vorlagen. Mit seinen großen Fähigkeiten in der Offensive vermag der abschlussstarke und spielfreudige Profi den Unterschied zu machen. In der Hinrunde zählte Uzun mit einem furiosen Rundenstart in seinem Arbeitsgebiet zu den Besten. Er prägte das Geschehen auf dem Platz.Prägend für die Frankfurter Offensive:
Can Uzun jubelt nach einem seiner acht Treffer.AFPVorstandssprecher Axel Hellmann und Sportvorstand Markus Krösche dürften Rieras Bemerkungen in Form eines öffentlichen Rüffels in dieser Deutlichkeit ebenfalls nicht gutheißen. Denn sie schaden auch dem Marktwert des Spielers, der im Dezember 2025 laut transfermarkt.de 45 Millionen Euro betrug. Irgendwann, das ist die Wunschvorstellung der Eintracht, soll Uzun – er hat einen Vertrag bis zum 1. Juli 2029 – dem Klub eine Ablösesumme in Höhe von bis zu 80 Millionen Euro bringen.Doch wenn der Spielmacher dauerhaft nicht oder nur kaum zum Einsatz käme, würde das seinen Wert verringern. Das entspricht nicht dem gewinnbringenden Frankfurter Geschäftsmodell. Würde sich an Rieras Wertschätzung für Uzun in den verbleibenden sechs Saisonspielen nichts verändern, würde sich der Offensivspieler bei entsprechendem Angebot sicher Gedanken machen, ob ein Vereinswechsel im Sommer für ihn die bessere Option ist, sofern der Trainer weiter das Sagen in Frankfurt hat. Einmal mehr hat Riera auf wenig einfühlsame Weise in aller Öffentlichkeit den Ton gesetzt. Abermals sorgte das für reichlich Nachhall. Vor allem für Uzun hörte sich das nicht gut an.