Das
Final Four im College-Basketball gehört nach dem
Super Bowl zu den größten Sportereignissen in den USA. Mittendrin waren in diesem Jahr gleich mehrere Deutsche. Einer krönt sich zum Champion.Der
Super Bowl ist unbestritten das größte Sportereignis in den USA. Schon bald dahinter folgt aber das
Final Four im College-Basketball, das am Wochenende in
Indianapolis stattfand. 70.000 Zuschauer verfolgten die Begegnungen im
Lucas Oil Stadium, in dem sonst das NFL-Team der
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Indianapolis Colts seine Heimspiele austrägt. Im Endturnier mit insgesamt 68 Mannschaften waren 14 deutsche Spieler vertreten.Diese Rekordzahl ist auf die seit 2021 gültige Regeländerung des Dachverbandes NCAA (National Collegiate Athletic Association) zurückzuführen, die es Spielern seither erlaubt, im College-Sport Geld zu verdienen. Seitdem verlassen immer mehr Talente Europa, um in den USA schon als Teenager eine finanzielle Lebensgrundlage in Millionenhöhe zu erwirtschaften.Kordel mit Kordel: Auch ohne Spielzeit im Finale –
Malick Kordel bekommt sein Stück vom Netz.AFPMit
Ivan Kharchenkov (Arizona),
Malick Kordel (Michigan) sowie
Eric Reibe und
Dwayne Koroma (beide Connecticut) schafften es vier deutsche Basketballer in die letzte Phase des March Madness genannten Turniers. Den wahnsinnigsten Moment erlebten dabei Reibe und Koroma bei ihrem Sieg in der Runde der letzten Acht gegen den Topfavoriten Duke. Ihr Team holte einen Rückstand von 19 Punkten auf und gewann das Spiel in hochdramatischer Weise in der Schlusssekunde mit einem Dreipunktewurf aus mehr als zehn Meter Entfernung.Der ikonischste Wurf in der bisherigen Geschichte der NCAADer Korb des 19 Jahre alten Braylon Mullins wurde in zigfacher Wiederholung gezeigt und gilt für viele Experten schon jetzt als der ikonischste Wurf in der bisherigen Geschichte der NCAA. Die finale Krönung blieb UConn (University of Connecticut) aber versagt. Im Finale unterlag der Champion von 2023 und 2024 den
Michigan Wolverines, die sich als beste Mannschaft des Turniers den Titel sicherten. Mit dem 2,21 Meter großen Spanier Aday Mara verfügte Michigan über einen dominanten Center, der von allen Europäern im
Final Four den größten Einfluss hatte.
Malick Kordel, der im Sommer aus Frankfurt zu den Wolverines wechselte, gilt aufgrund seiner Länge von 2,16 Meter und des späten Basketballstarts mit 17 Jahren trotz seines für ein Talent fortgeschrittenen Alters (22) als ambitionierte Nachwuchskraft. Unter diesen Voraussetzungen dürfte die geringe Spielzeit von 57 Minuten in der gesamten Saison eingepreist gewesen sein. Im Finale kam Kordel nicht zum Einsatz. Dennoch kann er sich jetzt als siebter Deutscher NCAA-Champion nennen.Der gebürtige Berliner Koroma war im Endspiel ebenfalls nur Zuschauer, während Reibe, der schon als High-School-Spieler in die USA gewechselt war, fünf Minuten auf dem Parkett stand. Der 2,15-Meter-Mann träumt ebenso von der NBA wie Kharchenkov, der als Starter bei Arizona aus der Rotation eines der besten College-Teams als Edelrollenspieler nicht wegzudenken war. Der ehemalige Münchner lieferte den Klebstoff, der dieses Team zusammenhielt.Die NBA-Chancen erhöhenArizona verfügte über realistische Chancen auf den Titel, umso schmerzlicher war die Halbfinalniederlage gegen Michigan. Reibe und Kharchenkov werden wohl ebenso wie Johann Grünloh (Virginia) ans College zurückkehren, um ihre Chancen, von der NBA gedraftet zu werden, zu erhöhen. Christian Anderson (Texas Tech) und Hannes Steinbach (Washington) gelten schon in diesem Jahr als Draft-Kandidaten. Den beiden 19-Jährigen werden gute Chancen zugestanden, bereits in der ersten Runde ausgewählt zu werden.Aber auch innerhalb des College-Basketballs gibt es Wechselmöglichkeiten über das sogenannte Transfer Portal, für das sich Sananda Fru (Louisville) anmelden wird. Trotz ordentlicher Statistiken glaubt der ehemalige Braunschweiger an einer Universität, die einen stärker europäisch geprägten Stil pflegt, seine Stärken besser einbringen zu können. Gonzaga, wo vermutlich auch Jack Kayil von Alba Berlin nächste Saison spielen wird, gilt als sein wahrscheinliches Ziel.Mit einem Wechsel will er seine NBA-Chancen erhöhen, könnte gegebenenfalls aber auch seine Aussichten auf einen College-Titel verbessern. Nach dem Ausscheiden seiner Cardinals in der zweiten Runde der March Madness sprach er im Podcast „Talkin’ Basketball“ von einer „großen Leere“, die auch Reibe und Koroma nach ihrer Finalniederlage verspürt haben dürften.
Malick Kordel hingegen darf das Erlebnis genießen, bei der Rückkehr auf den Campus von einer fünfstelligen Fangemeinde empfangen zu werden.Der Autor ist zweimaliger Trainer des Jahres in Deutschland.