NEWSAR
Multi-perspective news intelligence
SRCDeutsche Welle (DE)
LANGDE
LEANCenter
WORDS741
ENT8
TUE · 2026-04-07 · 16:00 GMTBRIEF NSR-2026-0407-56750
News/Türkei: DW-Korrespondent Alican Uludağ bleibt in Haft
NSR-2026-0407-56750News Report·DE·Human Rights

Türkei: DW-Korrespondent Alican Uludağ bleibt in Haft

Seit dem 20. Februar 2026 befindet sich der DW-Korrespondent Alican Uludağ in Istanbul in Untersuchungshaft.

Pelin ÜnkerDeutsche Welle (DE)Filed 2026-04-07 · 16:00 GMTLean · CenterRead · 3 min
Türkei: DW-Korrespondent Alican Uludağ bleibt in Haft
Deutsche Welle (DE)FIG 01
Reading time
3min
Word count
741words
Sources cited
1cited
Entities identified
8entities
Quality score
100%
§ 01

Briefing Summary

AI-generated
NEWSAR · AI

Seit dem 20. Februar 2026 befindet sich der DW-Korrespondent Alican Uludağ in Istanbul in Untersuchungshaft. Ihm werden "öffentliche Beleidigung des Staatspräsidenten", "öffentliche Verbreitung irreführender Informationen" sowie "öffentliche Herabwürdigung staatlicher Institutionen" vorgeworfen, was im Falle einer Verurteilung bis zu 19 Jahre Haft bedeuten könnte. Obwohl Uludağ in Ankara wohnt, wurde das Verfahren in Istanbul eröffnet, was seine Anwälte anfechten. Ein Istanbuler Gericht erklärte sich zwischenzeitlich für nicht zuständig, nahm aber die Anklageschrift an und leitete Ermittlungen ein. Uludağs Anwälte haben Beschwerde beim Türkischen Verfassungsgericht eingelegt, da sie Grundrechtsverletzungen sehen. Der Fall verdeutlicht den wachsenden Druck auf Journalisten in der Türkei.

Confidence 0.90Sources 1Claims 5Entities 8
§ 02

Article analysis

Model · rule-based
Framing
Human Rights
Legal & Judicial
Tone
Measured
AI-assessed
CalmNeutralAlarmist
Factuality
0.70 / 1.00
Factual
LowHigh
Sources cited
1
Limited
FewMany
§ 03

Key claims

5 extracted
01

"Wird unser Einspruch angenommen, kommt Alican direkt frei."

quoteAbbas Yalcin
Confidence
1.00
02

Ein Istanbuler Gericht erklärte sich für nicht zuständig und verwies die Akte nach Ankara.

factualnull
Confidence
1.00
03

Im Falle einer Verurteilung drohen ihm bis zu 19 Jahre Haft.

factualnull
Confidence
1.00
04

Die Anklageschrift wirft Uludağ "öffentliche Beleidigung des Staatspräsidenten", "öffentliche Verbreitung irreführender Informationen" sowie "öffentliche Herabwürdigung staatlicher Institutionen" vor.

factualnull
Confidence
1.00
05

DW-Korrespondent Alican Uludağ befindet sich seit dem 20. Februar in Untersuchungshaft.

factualnull
Confidence
1.00
§ 04

Full report

3 min read · 741 words
7. April 2026Seit sechs Wochen sitzt DW-Korrespondent Alican Uludağ in Istanbul in Untersuchungshaft. Als völlig unverhältnismäßig kritisieren das seine Anwälte. Der Fall zeigt den wachsenden Druck auf Journalisten in der Türkei.https://p.dw.com/p/5BmanDW-Korrespondent Alican Uludağ sitzt seit anderthalb Monaten in HaftBild: Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit/AP Photo/picture allianceAlican Uludağ, langjähriger Korrespondent der Deutschen Welle in der Türkei, befindet sich seit dem 20. Februar in Untersuchungshaft. Das Verfahren gegen ihn zieht sich seit Wochen in die Länge - auch aufgrund struktureller Probleme innerhalb der türkischen Justiz. Die Anklageschrift wirft Uludağ drei Straftaten vor: "öffentliche Beleidigung des Staatspräsidenten", "öffentliche Verbreitung irreführender Informationen" sowie "öffentliche Herabwürdigung staatlicher Institutionen". Im Falle einer Verurteilung drohen ihm bis zu 19 Jahre Haft. Bisher hat das eigentliche Verfahren jedoch noch gar nicht begonnen. Obwohl Uludağ seinen Wohnsitz in Ankara hat, wurden die Ermittlungen gegen ihn in Istanbul eröffnet, wo er auch festgenommen wurde. Nach türkischem Recht bestimmt grundsätzlich der Tatort die Zuständigkeit von Staatsanwaltschaft und Gericht.Wie die Pressefreiheit in der Türkei weiter schwindetTo view this video please enable JavaScript, and consider upgrading to a web browser that supports HTML5 video Seine Anwälte hatten diese Zuständigkeit jedoch von Beginn an angezweifelt - und bekamen nun teilweise recht: Ein Istanbuler Gericht erklärte sich für nicht zuständig und verwies die Akte nach Ankara. Gleichzeitig nahm es jedoch die Anklageschrift an und ließ Ermittlungen aufnehmen - für die Verteidigung ein grundlegender Widerspruch. Damit bleibt offen, welches Gericht den Fall tatsächlich verhandeln wird. Und so sitzt Uludağ seit Wochen in Haft, obwohl - oder gerade weil - sein Verfahren institutionell noch nicht eindeutig zugeordnet werden konnte. Inzwischen haben Uludağs Anwälte Beschwerde beim Türkischen Verfassungsgericht eingelegt. Sie sehen schwerwiegende Grundrechtsverletzungen - darunter Eingriffe in die persönliche Freiheit, in die generelle Meinungs- und Pressefreiheit sowie in das Recht auf ein faires Gerichtsverfahren. Trotz der Lage der Rechtsstaatlichkeit in der Türkei hofft Uludağs Anwalt Abbas Yalcin: "Wird unser Einspruch angenommen, kommt Alican direkt frei. Wird er abgelehnt, geht die Akte nach Ankara. In diesem Fall werden wir einen Antrag auf Freilassung stellen. Spätestens beim ersten Verhandlungstermin erwarten wir seine Freilassung", so Yalcin im Gespräch mit der DW. Uludağ arbeitet seit 18 Jahren als Gerichtsreporter und berichtet regelmäßig über politische Prozesse und andere Gerichtsverfahren. Die Verteidigung betont, dass Uludag kein Verbrechen begangen habe, sondern ausschließlich wegen seiner kritischen journalistischen Tätigkeit verhaftet worden sei. Die Inhaftierung sei daher rechtlich nicht haltbar.In Istanbul protestierten Journalisten gegen die Verhaftung von Alican Uludag und anderen KollegenBild: Progressive Journalists Association (CGD) Die Anwälte bezweifeln zudem, dass Uludağ die Voraussetzungen für eine Untersuchungshaft erfülle. Weder Flucht- noch Verdunkelungsgefahr seien gegeben. Uludağ habe in der Vergangenheit stets mit den Behörden kooperiert. Auch eine Vorladung habe Uludağ nie bekommen - stattdessen sei er direkt festgenommen worden. Als Beweismittel dienten öffentlich zugängliche Social-Media-Beiträge. Selbst im Fall einer Verurteilung sei eine Haftstrafe unwahrscheinlich. Die Untersuchungshaft sei daher unverhältnismäßig. Kern der Vorwürfe sind verschiedene Beiträge Uludağs in sozialen Medien. Dazu zählen Kommentare und politische Analysen, die Kritik am Präsidenten enthalten, sowie ein journalistisches Porträt über Akin Gürlek, den neuen Justizminister der Türkei, das auf DW Türkisch veröffentlicht wurde; beides ist in der Anklageschrift aufgeführt. Die Verteidigung verweist auf die Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR), wonach Gesetze wie der Straftatbestand der Präsidentenbeleidigung nicht zur Kriminalisierung politischer Kritik missbraucht werden dürften. Amtsträger müssen laut EGMR auch scharfe Kritik hinnehmen; Einschränkungen der Meinungsfreiheit sind nur unter engen Voraussetzungen zulässig. Die Anwälte werfen den Richtern vor, diese Maßstäbe ignoriert zu haben.Die Protestkundgebung unter dem Motto "Freiheit für Journalisten" in Istanbul wurde von der Polizei gestopptBild: Bahar Çuhadar Für Pressefreiheitsorganisationen ist der Fall Teil eines größeren Musters. Verfahren gegen Journalisten entfalten oft schon durch Ermittlungen und Untersuchungshaft eine abschreckende Wirkung. Organisationen wie Reporter ohne Grenzen verweisen auf strukturelle Probleme in der türkischen Justiz. "Das gesamte Verfahren lässt sich als Einschüchterung verstehen", sagt Anwalt Yalcin. "Allein für Ihre journalistische Arbeit können Sie festgenommen und inhaftiert werden. Die Grundrechte werden dabei unterlaufen." Bis dahin bleibt das Verfahren ohne klare Zuständigkeit - und Uludağ einer von mehreren Journalisten, die sich in der Türkei in Haft befinden. Vor wenigen Tagen wurde mit İsmail Arı ein weiterer Reporter wegen ähnlicher Vorwürfe festgenommen. Der Journalist der überregionalen, linksgerichteten Tageszeitung Birgün ist in der Türkei für seine regierungskritische Berichterstattung bekannt. Trotz aller Restriktionen verteidigen Journalisten in der Türkei weiterhin die Pressefreiheit - und die Solidarität untereinander ist groß. Erst vergangene Woche gingen zahlreiche Journalisten in Istanbul für die Pressefreiheit auf die Straße - die Kundgebung wurde jedoch von der Polizei gestoppt.
§ 05

Entities

8 identified
§ 06

Keywords & salience

9 terms
alican uludağ
1.00
haft
0.90
dw-korrespondent
0.80
türkei
0.80
untersuchungshaft
0.70
pressefreiheit
0.60
anklageschrift
0.50
türkische justiz
0.50
rechtsstaatlichkeit
0.40
§ 07

Topic connections

Interactive graph
No topic relationship data available yet. This graph will appear once topic relationships have been computed.