Die Zeit erster Verhandlungen hat offenbar begonnen. Noch will die
Commerzbank keine Grundlage für eine einvernehmliche Lösung mit ihrem italienischen Großaktionär erkennen.Der Abwehrkampf der
Commerzbank gegen den ungeliebten Großaktionär
UniCredit geht in eine heiße Phase. Kurz vor Ostern gab es offenbar erstmals einen Austausch darüber, „Potenziale des von der
UniCredit den
Commerzbank-Aktionären in Aussicht gestellten Angebots zu einer Übernahme der Bank konstruktiv zu eruieren“, wie die
Commerzbank in einer am Dienstag nach Ostern versandten Pressemitteilung schreibt.Das Ergebnis fasste die
Commerzbank darin so zusammen: „Die seitens der
UniCredit mündlich skizzierten Eckpfeiler einer Transaktion haben bisher aus Sicht der
Commerzbank kein ausreichendes Wertschöpfungspotential … aufgezeigt.“ Zumindest sieht die
Commerzbank kein Potential, das sie nicht selbst heben könnte. Das will sie am 8. Mai zeigen, wenn sie, wie schon im Februar angedeutet, ihre für 2028 selbst gesteckten Ziele anheben will.Für den 4. Mai hat
UniCredit-Chef
Andrea Orcel die außerordentliche Hauptversammlung einberufen, die eine Kapitalerhöhung für das am 16. März angekündigte Umtauschangebot an die
Commerzbank-Aktionäre beschließen soll. Dazu warf die
Commerzbank UniCredit am Osterdienstag vor, „mehrfach bestätigt“ zu haben, „derzeit keinen Spielraum für eine zwingend erforderliche marktübliche Prämie und Erhöhung des … Übernahmeangebots zu sehen“. Die Zeit erster Verhandlungen hat also offenbar begonnen. Eine einvernehmliche Lösung ist für die
Commerzbank indes „aktuell nicht erkennbar“, wie sie mitteilt.Bundeskanzler sieht Schuld bei SparkassenDas muss aber eben nicht das letzte Wort sein. Zuletzt hatte Bundeskanzler
Friedrich Merz (CDU) auf dem F.A.Z.-Kongress am 27. März darauf eingestimmt, dass auch die Bundesregierung – mit rund zwölf Prozent nach
UniCredit (knapp 30 Prozent) der zweitgrößte
Commerzbank-Aktionär – die Übernahme des für den deutschen Mittelstand wichtigen und deshalb in der Finanzkrise 2008/2009 vom Staat gestützten Kreditinstituts nicht werde verhindern können.Dass die
Commerzbank von der deutlich größeren und profitableren
UniCredit nun attackiert werde, liege daran, dass es in Deutschland vor zwanzig Jahren, anders als in Italien, zu keinen Zusammenschlüssen aus öffentlich-rechtlichen
Sparkassen und privaten Banken hin zu größeren Gebilden gekommen ist, meinte Merz. Denn in Italien sei
UniCredit eben aus Zusammenschlüssen unter
Sparkassen und privaten Banken entstanden.Verbale ScharmützelBis es allerdings zu einem möglichen Zusammenschluss zwischen
UniCredit und
Commerzbank kommt, wird es aber noch etwas dauern. Derzeit liefern sich beide Banken noch eher ein verbales Scharmützel: Die italienische Großbank hatte der
Commerzbank in einem am Karfreitag veröffentlichten Prüfbericht zu dem am 16. März angekündigten und nun mit Terminierung der außerordentlichen Hauptversammlung am 4. Mai bekräftigten freiwilligen Umtauschangebot an mehreren Stellen vorgeworfen, sich einem konstruktiven Dialog zu verweigern.
UniCredit sei offen gewesen, unterschiedliche Formen der Kooperation mit der
Commerzbank zu diskutieren. Das freiwillige Angebot der
UniCredit an die
Commerzbank-Aktionäre sei „das Ergebnis der a priori bestehenden Weigerung der
Commerzbank“, auf eine dieser Gesprächsalternativen oder auf Vorschläge Unicredits einzugehen, hieß es von der italienischen Bank. Gegen diese „Fehlinformation der Aktionäre“ wehrte sich die
Commerzbank am Dienstag nach Ostern vehement, schließlich habe man ja eben gerade miteinander Gespräche geführt.Mitten in diese Sondierungen kamen aus Sicht der
Commerzbank die öffentlich gemachten Vorwürfe Unicredits, die
Commerzbank verweigere sich einem Austausch. Darauf reagierte die Bank am Osterdienstag verärgert. „Wiederholt“ seien „die bisherigen Schritte und Veröffentlichungen der
UniCredit ohne vorherige Abstimmung“ erfolgt. Weiter heißt es in der Pressemitteilung der
Commerzbank harsch, aber in der Aussage nicht neu: „Das ist ein Vorgehen, das den Aufbau des für eine erfolgreiche Transaktion erforderlichen gegenseitigen Vertrauens nachhaltig erschwert.“Die Pressemitteilung endet indes mit dem Satz: „Die
Commerzbank bleibt weiter offen für Gespräche und Vorschläge, die konkreten Mehrwert für ihre Aktionäre und Stakeholder schaffen.“