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TUE · 2026-04-07 · 16:34 GMTBRIEF NSR-2026-0407-56955
News/Ausstellung im Montez: Eun‑Joo Shin feiert mit 30 Selbstbild…
NSR-2026-0407-56955News Report·DE·Human Interest

Ausstellung im Montez: Eun‑Joo Shin feiert mit 30 Selbstbildnissen

Die koreanische Künstlerin Eun-Joo Shin, die seit 30 Jahren in Deutschland lebt, feiert ihr Jubiläum mit der Ausstellung „30 ,Selbst‘“ im Frankfurter Kunstverein Familie Montez. Anstatt aktueller Arbeiten zeigt Shin frühe Selbstporträts in verschiedenen Techniken wie Bleistift und Ölkreide.

FAZFiled 2026-04-07 · 16:34 GMTLean · Center-RightRead · 5 min
Ausstellung im Montez: Eun‑Joo Shin feiert mit 30 Selbstbildnissen
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Die koreanische Künstlerin Eun-Joo Shin, die seit 30 Jahren in Deutschland lebt, feiert ihr Jubiläum mit der Ausstellung „30 ,Selbst‘“ im Frankfurter Kunstverein Familie Montez. Anstatt aktueller Arbeiten zeigt Shin frühe Selbstporträts in verschiedenen Techniken wie Bleistift und Ölkreide. Ergänzend präsentiert sie 29 Selbstbildnisse von Freunden, Bekannten und geschätzten Künstlerkollegen. Die Ausstellung unter der Honsellbrücke entstand aus einer Idee Shins, die ursprünglich eine Solo-Geburtstagsschau zum 30. Jubiläum ablehnte und stattdessen den Fokus auf den "Familien"-Gedanken des Kunstvereins legte. Shin, die in Seoul traditionelle Landschaftsmalerei studierte, lebt seit 20 Jahren in Frankfurt und plant einen Künstleraustausch mit Korea.

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Mirek Macke offered Shin a solo show for her 30th anniversary.

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Shin studied traditional landscape painting in Seoul.

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The exhibition is titled '30 ,Selbst''.

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Shin is planning an artist exchange with Korea.

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Eun-Joo Shin has been living in Germany for 30 years.

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Eun-Joo Shin lebt seit 30 Jahren in Deutschland. Jetzt plant sie einen Künstleraustausch mit Korea und beschenkt sich und Kollegen mit einer Ausstellung im Frankfurter Kunstverein Familie Montez.„Manche meinen“, heißt es in Ernst Jandls „lichtung“, „manche meinen / lechts und rinks / kann man nicht velwechsern / werch ein illtum.“ Näher, denkt man sich und lächelt, kann man Eun-Joo Shin nicht kommen. Dabei gibt es eine ganze Reihe weiterer, bislang nie gezeigter Selbstporträts zu entdecken in dieser höchst anregenden Ausstellung. Aber hier, so die Frankfurter Künstlerin vor dem eigenen, in Bleistift festgehaltenen und von den Versen Jandls begleiteten Konterfei aus dem Jahr 2000, habe sie zum ersten Mal verstanden, „was Ironie ist“.Und, ist man sogleich geneigt hinzuzufügen, was es heißt, sich selbst ein wenig auf den Arm zu nehmen. Gibt es doch im Koreanischen nur ein einziges Zeichen für die Buchstaben „l“ und „r“, weshalb die 1968 in Wonju geborene Malerin bei derlei Lauten auch nach 30 Jahren in Deutschland gelegentlich noch ein wenig stolpert. Dabei, so Shin, die nach ihrem Studium der traditionellen Landschaftsmalerei in Seoul nach Europa kam und seit 20 Jahren in Frankfurt lebt, fühle sie sich hier längst zu Hause. Und persönlich wie als Künstlerin aufgehoben.Die klassische Tuschemalerei spielt in ihrem aktuellen Werk praktisch keine Rolle mehr. Ihr Thema ist seit Jahren das Porträt. In Öl auf Leinwand statt in Tusche auf Papier, und doch ganz federleicht. „Aber das kennt man ja“, sagt sie. Schließlich hat sie in Frankfurt häufig ausgestellt. Weshalb Shin im Kunstverein Familie Montez nun nicht Arbeiten aus ihrem aktuellen, wie Aquarelle sich ausnehmenden Schaffen zeigen wollte. Stattdessen spinnt sie den Familiengedanken weiter, von dem dieser etwas andere Kunstverein getragen ist.Sie und 29 FreundeMontez-Leiter Mirek Macke hatte ihr gleichsam als Geburtstagsausstellung zum 30. eine Soloschau angeboten. Shin aber hatte eine andere Idee. Und zeigt nun, neben einer Reihe früher Selbstporträts in Bleistift, Ölkreide und Öl, 29 Selbstbildnisse anderer. Von Freunden, Bekannten, Ateliernachbarn und Menschen, deren Kunst sie seit vielen Jahren schätzt.Michael Braunschädel„30 ,Selbst‘“ heißt die Schau unter der Honsellbrücke daher. Und es ist immer wieder erstaunlich, wie vielgestaltig sich die eingeladenen Positionen präsentieren, nicht nur hinsichtlich der jeweils bevorzugten Medien. Doch neben Jörg Simons Fotoarbeit „Rodgau“, Corinna Mayers Doppelbildnis „Mit Strahlenkranz“ oder Fides Beckers auf Papier getuschtes Selbst am „Schminktisch“ sind zahlreicher noch solche Bilder zu entdecken, die weniger das eigene, realistisch eingefangene Spiegelbild reflektieren als das eigene Wesen, die eigenen Ängste, Sehnsüchte und Obsessionen oder schlicht die eigene Arbeit.So wie Toni Wombachers „Happy“ in Mint, Cassis und Sonnengelb, Julia Roppels „Ebbe/Neon“, das eine ihrer glühenden Meereslandschaften zeigt oder das rosafarbene Bettjäckchen Eva Köstners, das auf die zahlreichen Performances der vor elf Jahren gestorbenen Künstlerin verweist. Für alle, die Köstner und ihre Kunst kannten, fraglos eines der unmittelbar berührendsten Werke der Schau.Wer man ist, ist immer wieder andersUnterdessen mag man sich vor Tatiana Urbans frühem, dämonenhaften „O.T. (Selbst)“ in Acryl und Bleistift mit Eun-Joo Shin tatsächlich fragen, „was in ihrem Kopf da gerade so los war“. Genau hier aber, im sich den Künstlern schon mal entziehenden, mitunter selbst ein Rätsel bleibenden Gegenüber im Spiegel, bei Bob Lloyd etwa, bei Anne Katrin Schreiner und Katrin Trost, die ihr Konterfei nachgerade manisch aus einem königsblauen Fleck herbeizurufen oder ganz im Gegenteil zu überschreiben und womöglich auszulöschen trachtet, gerade hier wird es künstlerisch erst richtig interessant.Schließlich erkennt man selbst hier, in der auf einer Leinwand oder einem einzigen Blatt zum Ausdruck kommenden impulsiven Haltung, vielleicht nicht gleich einen Charakter oder ein Temperament, aber meist auf Anhieb die künstlerische Handschrift wieder. Trotzdem bleibt dem Betrachter manche Arbeit schlicht ein Rätsel. Was nicht das Schlechteste ist, das sich von einem Kunstwerk sagen lässt.Das gilt ausgerechnet bei Eun-Joo Shin nur bedingt. Hier fügen sich die Exponate vielmehr ganz im Gegenteil erst allmählich zu einem allemal facettenreichen Bild. Sie wird offenbar nie müde, sich selbst kritisch zu befragen. Die Antwort aber, so zeigen Bildnisse wie das bezaubernde, schon 1997 in Ölkreide entstandene schlafende „Selbst“ oder die während ihres Studiums in Stuttgart auf das Papier geworfene Bleistiftzeichnung mit den Versen Jandls, fällt immer wieder anders aus.Vier Frankfurter Künstler fahren nach KoreaUnd doch kann es keinen Zweifel geben: Man kommt der Künstlerin mit jedem Blatt und jeder Leinwand ein kleines bisschen näher. Nicht nur, weil die Bildnisse allesamt in Techniken entstanden sind, die Shin inzwischen kaum noch kultiviert oder gänzlich aufgegeben hat. Eingedenk ihres Schaffens der vergangenen 20 Jahre erzählen sie von einem anderen Temperament, von einem gänzlich anderen Umgang mit der Farbe, und lassen so tatsächlich eine andere Künstlerin kennenlernen.Michael BraunschädelIn der Zusammenschau aber ergibt sich doch ein Bild: von einer Malerin, einem Menschen, einer Frau, „die ich mal war“, wie Shin sagt. Und damit Bild um Bild zumindest auch das: „Wer ich jetzt bin.“ Eine Künstlerin nämlich, die offensichtlich angekommen ist. Und die sich nicht nur immer wieder malend, zeichnend und in ihren druckgrafischen Blättern ihrer Mittel und ihres Repertoires versichert. Sondern, wie vor dem seltsam unter der Nase abgeschnittenen „Ich im Spiegel“, sich auch selbstironisch auf die Schippe nehmen kann. „Ich bin so klein“, erläutert Shin die Entstehung des Gemäldes, „und in Deutschland hängen die Spiegel meist so hoch, dass ich mich nicht ganz sehen kann“.Dabei ist sie angesichts ihrer Präsenz im Frankfurter Kunstbetrieb kaum zu übersehen. Was sich nicht zuletzt in ihrem Engagement außerhalb des Ateliers niederschlägt, dem sich die immer wieder überraschende Schau ebenso verdankt wie die Fortsetzung dieser etwas anderen Geburtstagsfeier. Denn während die europäische Kunst und Kultur in Südkorea aus Shins Sicht intensiv wahrgenommen wird, für sie vor 30 Jahren der Anlass, nach Deutschland zu gehen, ist die koreanische Kultur hierzulande trotz international erfolgreicher Filmemacher, K-Pop und des Literaturnobelpreises für Han Kang noch immer vergleichsweise unbekannt.Grund genug für Shin, mit „Twofold“ ein eigenes Konzept für einen Künstleraustausch vorzulegen. Vier Frankfurter Künstlerinnen werden sie im Herbst 2026 nach Seoul und in die Region Seosan begleiten, Ausstellungen in der Hauptstadt wie in der Provinz sind in Vorbereitung. Darüber hinaus ist ein Gegenbesuch koreanischer Künstler am Main vorgesehen.Auch dies, wenn man so will, ein überraschendes Geschenk, das Eun-Joo Shin sich, ihrer alten und ihrer neuen Heimat macht. Und wer weiß, womöglich nimmt damit nach 30 Jahren ein neuer Abschnitt im Leben der Frankfurter Künstlerin Eun-Joo Shin seinen Anfang. Und das eigene Selbst nimmt sich im nächsten Jahr schon wieder gänzlich anders aus.„30 ,Selbst‘“, Kunstverein Familie Montez unter der Honsellbrücke, Frankfurt, bis 26. April. Geöffnet dienstags bis sonntags von 13 bis 19 Uhr.
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