Venezuelas Interimspräsidentin Rodríguez öffnet den Ölsektor. Im Gegenzug steht sie nicht mehr auf der amerikanischen Sanktionsliste.Wo bis vor kurzem Plakate von Nicolás Maduro hingen, auf denen seine Freilassung gefordert wurde, zieren nun Bilder der Interimspräsidentin
Delcy Rodríguez die Mauern von
Caracas. „Delcy, mach weiter, du hast mein Vertrauen“, heißt es darauf.Das Detail aus dem Stadtbild der venezolanischen Hauptstadt zeigt, wie radikal sich die Dynamik seit der Festnahme Maduros vor drei Monaten verändert hat. Während Maduro sich vor einem US-Gericht wegen „Narco-Terrorismus“ verantworten muss, ist seine frühere Vizepräsidentin zu einer Strategie der totalen Zusammenarbeit mit Washington übergegangen. Rodríguez hat den Ölsektor geöffnet, Gefangene freigelassen und ihr Kabinett umgebaut.Auch der amerikanische Präsident
Donald Trump hat eine bemerkenswerte Kehrtwende vollzogen. Trump, der der Maduro-Regierung noch 2019 die Legitimität abgesprochen hatte, kooperiert nun mit ihr, statt auf die venezolanische Opposition zu setzen. Und er spart nicht mit Anerkennung für Rodríguez. Das
US-Außenministerium ging im März sogar so weit, Rodríguez offiziell als „alleiniges Staatsoberhaupt“ Venezuelas anzuerkennen.Vor einer Woche hob das Finanzministerium zudem die persönlichen Sanktionen gegen Rodríguez auf. Das erlaubt es ihr nun, direkter mit amerikanischen Unternehmen und Investoren zu interagieren, was sie in einer Stellungnahme als Basis für eine „effektive bilaterale Kooperationsagenda“ wertete.Eine Neuwahl dürfte es nicht gebenDas ist auch im Interesse Trumps, der den venezolanischen Erdölsektor für private Investitionen öffnen und stärker an die USA binden will. Bereits im März erteilte das amerikanische Finanzministerium der staatlichen Ölgesellschaft
PDVSA eine umfassende Genehmigung, venezolanisches Rohöl direkt an US-Unternehmen und unter Aufsicht Washingtons auf den Weltmärkten zu verkaufen.Im März überstiegen die Ölexporte erstmals seit Langem wieder die Marke von einer Million Barrel je Tag. Große Akteure wie
Chevron haben ihre Exporte deutlich gesteigert. Gleichzeitig verhandeln ranghohe US-Delegationen, darunter Energieminister
Chris Wright, in
Caracas über weitere Investitionsmöglichkeiten.Inmitten dieser wirtschaftlichen Wiederbelebung rückt der Fall
Citgo wieder ins Zentrum der Aufmerksamkeit. Die in den USA ansässige Tochtergesellschaft von
PDVSA gilt als Kronjuwel der ausländischen Vermögenswerte Venezuelas. Von 2019 an wurde
Citgo von Gremien kontrolliert, die von der Opposition ernannt worden waren. Vor einiger Zeit sind Gläubiger mit der Forderung an die US-Justiz gelangt, Zugriff auf venezolanische Vermögenswerte in den USA zu erhalten, um ihre finanziellen Ansprüche gegen den venezolanischen Staat durchzusetzen.Sowohl die Regierung Rodríguez als auch die Opposition eint das Ziel, wertvolle Vermögenswerte im Ausland vor der Beschlagnahmung durch Entschädigungskläger zu bewahren. In einem ungewöhnlichen Schritt haben Anwälte beider Seiten eine vorübergehende Aussetzung laufender Gerichtsverfahren um
Citgo in New York beantragt, um die juristische Vertretung des Landes nach dem Sturz Maduros neu zu organisieren.Nicht nur vor der amerikanischen Justiz stellt sich die Frage, wer der rechtmäßige Vertreter der Interessen Venezuelas ist, sondern auch im Land selbst. Formell gilt Maduro nach der Lesart des Obersten Gerichtshofes weiterhin als Präsident, dessen Abwesenheit lediglich als „vorübergehend“ eingestuft wurde.Die neunzigtägige Frist, für die Rodríguez als Interimspräsidentin vereidigt wurde, ist indes am Osterwochenende abgelaufen. Es liegt nun am Parlament, das von der Regierung kontrolliert und von Rodríguez’ Bruder Jorge geleitet wird, diese Frist gemäß Verfassung um weitere 90 Tage zu verlängern oder anderenfalls eine Neuwahl auszurufen. Letzteres dürfte derzeit nicht zur Debatte stehen. Auch nicht in Washington.