Eine neu gegründete
Frankfurter Sportagentur fordert den Platzhirschen für die Organisation des Frankfurter Marathons heraus: Der Zehnkämpfer
Andreas Bechmann will den zweitgrößten deutschen Lauf neu ausrichten.Marathonläufer bereiten sich lange auf einen möglichen Showdown vor. Selbst die Schnellsten ihrer Zunft haben zwei Stunden Zeit, um eine mögliche Duellsituation auf den letzten der 42.195 Meter für sich zu entscheiden. Und so darf man davon ausgehen, dass sich die Agentur
Motion Events um Geschäftsführer
Jo Schindler, seit 25 Jahren Organisator des
Frankfurt Marathons, wie auch das neu gegründete Unternehmen
Frankfurter Sportagentur bestens vorbereitet haben auf den Donnerstag. Dann wollen beide mit Neuigkeiten an die Öffentlichkeit gehen, die den Frankfurter Marathon und die regionale Laufszene gravierend verändern werden.
Jo Schindler wird dann den Sponsoringpartnern seiner Laufveranstaltungen die Folgen eines Eintrags im Handelsregister des Amtsgerichts Regensburg vom 12. März erläutern: Der 66 Jahre alte Lauforganisator hat seine Agentur verkauft. Neue alleinige Gesellschafterin ist die
London Marathon Investments, die in den Niederlanden registrierte Organisation hinter dem
London Marathon.Der ist einer der weltweit renommiertesten Stadtmarathons und wie die berühmtesten Klassiker New York oder Boston Teil der sieben World Marathon Majors. Vorstandschef
Hugh Brasher ist nun neben Jeanette Wong als Geschäftsführer von
Motion Events verzeichnet. Er wird am Donnerstag vermutlich erstmals über seine Pläne für die Agentur und den Lauf durch den Frankfurter Hochhausdschungel sprechen.Sportkreis unterstützt die KonkurrenzFür Donnerstag hat auch der
Frankfurt" class="entity-link entity-organization" data-entity-id="110687" data-entity-type="organization">Sportkreis
Frankfurt einen Termin angesetzt: Bei seiner Pressekonferenz geht es eigentlich um die Jahresbilanz der Interessenvertretung von mehr als 400 Sportvereinen. Es werden aber auch die Marathonpläne der
Frankfurter Sportagentur, einer Gründung des stellvertretenden Sportkreisvorsitzenden
Andreas Bechmann und seines Geschäftspartners
Fabian Brügmann, zur Sprache kommen: Die beiden haben bei der Stadt
Frankfurt ihr Interesse daran hinterlegt, nach Schindlers Abschied von
Motion Events den
Frankfurt-marathon" class="entity-link entity-event" data-entity-id="105788" data-entity-type="event">
Frankfurt Marathon zu übernehmen.Neben dem für den 25. Oktober geplanten Marathon, an dem im vergangenen Herbst mehr als 13.000 Läufer teilgenommen haben, organisiert die Schindler-Agentur in diesem Jahr in
Frankfurt auch die J.P. Morgan Chase Corporate Challenge, den größten Firmenlauf der Welt, und den Gutenberg Halbmarathon in Mainz.Die Frankfurter 42,195 Kilometer, die als reiner Marathon ohne zeitgleiche Läufe über andere Distanzen die Nummer zwei in Deutschland nach Berlin und seit Februar Teil der European Marathon Classics sind, müssen jedes Jahr neu beantragt werden.Konkurrenz um Stadt und SponsorenMotion Events besitzt seit 2009 die Markenrechte. Theoretisch könnten auch mehrere Veranstalter eine solche Veranstaltung beantragen, die nötige Unterstützung durch Sponsoren und die Stadt schließt aber de facto einen zweiten Stadtmarathon im Jahr aus. „Sollte die Stadt beschließen, zwei Marathons veranstalten zu wollen, wäre das ihre Sache. Nach unserer Erfahrung wäre das für den Laufmarkt in Deutschland und insbesondere in
Frankfurt jedoch nicht ideal“, sagt Schindler. Deshalb bergen die Bemühungen Bechmanns Brisanz: Der noch aktive Zehnkämpfer, der für die Eintracht startet und im Ehrenamt stellvertretender Vorsitzender des Sportkreises
Frankfurt ist, will dem bisherigen Platzhirsch
Motion Events die Unterstützung der Stadt
Frankfurt und maßgeblicher anderer Partner streitig machen, zu denen der Hessische Rundfunk als übertragender Sender gehört und Sponsoren wie die Mainova.Der Vorstand des Sportkreises hat seinem Vize Bechmann volle Unterstützung zugesagt. „Wir sehen große Chancen in der zeitgemäßen Neuausrichtung des
Frankfurt Marathons zugunsten des Frankfurter Sports, der Stadtgesellschaft und der lokalen Wirtschaft. Die regionale Verankerung der
Frankfurter Sportagentur und die Kooperation mit den Vereinen begrüßen wir ausdrücklich“, sagt der Vorsitzende Roland Frischkorn. Er sehe in dem Unterfangen eine große Chance, den Frankfurter Sport voranzubringen, gerade auch bezüglich der Vision des Sportkreises, die Stadt als Sportraum zu entwickeln.Saskia StöhrBechmann ist 26 Jahre alt, in noch jüngeren Jahren hat er schon ein Start-up erfolgreich an den Markt gebracht und später verkauft. Er spricht von einer Gefahr, dass der
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Frankfurt Marathon durch den Verkauf nach London an Wert für die selbst ernannte Sportstadt verliere, wenn sich die Interessen und Gelder allein am Profit für die Engländer orientierten. Er verweist auf die aus seiner Sicht negativen Entwicklungen beim Ironman und dem 1.-Mai-Radklassiker nach Besitzerwechseln. Bechmann sagt, er wolle mit der Stadt, den Sportvereinen und der regionalen Wirtschaft „die unterdurchschnittliche Entwicklung überwinden, ungenutzte Potentiale erschließen und den
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Frankfurt Marathon in die Spitzengruppe der Marathonveranstaltungen in Europa bringen“. Das Interesse an der Organisation des Laufs im Jahr 2027 habe er kürzlich offiziell mit einem Brief an die Stadt kundgetan.Sportagentur will lokale Verwurzelung stärkenEs sei eine deutlich größere Teilnehmerzahl möglich als bisher, die Teilnehmerschar könne dank der Lage Frankfurts deutlich internationaler und der Anteil an Frauen höher sein, sagt Bechmann. In diesen Punkten sieht sich freilich Schindler bereits auf einem guten Weg, wie er im vergangenen Jahr der F.A.Z. sagte. Zudem soll die deutsche Meisterschaft in den Lauf integriert werden. Bechmann hebt auch hervor, dass
Frankfurt derzeit nicht ausreichend profitiere. Weder werde der Werbewert für die Stadt ausreichend genutzt, noch habe die lokale Sportszene ausreichend teil.„Wenn das nun von London aus vor allem unter profitorientierten Gesichtspunkten organisiert wird, sehe ich kaum Benefit für
Frankfurt“, sagt der Leichtathlet. Seine Sportagentur stelle hingegen in Aussicht, zehn Prozent des Erlöses aus dem Lauf dem Frankfurter Sport zugutekommen zu lassen. „Wir trauen uns, größer zu denken, aber vergessen die Regionalität dabei nicht. Wir sind eine Agentur von Frankfurtern für Frankfurter.“ Wie
Andreas Bechmann ist auch dessen Geschäftspartner
Fabian Brügmann Einheimischer, nach einer Karriere als 400-Meter-Läufer ist er derzeit Eintracht-Triathlet und bringt Berufserfahrung in der Finanzwelt ein.Die lokale Verwurzelung soll auch durch Spiridon
Frankfurt gestärkt werden. Der Verein hat nach Informationen der F.A.Z. zugesagt, wie beim Silvesterlauf oder beim Halbmarathon mit bis zu 200 ehrenamtlichen Helfern zu unterstützen. Auch die Eintracht soll durch ihren Mutterverein, einen der größten Mehrspartensportvereine in Hessen, ihre Unterstützung zugesichert haben.Ben KilbJo Schindler wirbt unterdessen für eine Fortsetzung der bisherigen Zusammenarbeit.
Motion Events sei überzeugt, dass die Partnerschaft mit
London Marathon Events der Stadt
Frankfurt einen größeren sozialen und wirtschaftlichen Nutzen bringen kann. Bedenken, dass der Lauf von London übernommen werden könnte, versucht er mit Verweis auf den Verbleib des Agentursitzes im Frankfurter Ostend zu zerstreuen. Er selbst bleibe über den 31. Dezember hinaus als Non-Executive Director dem
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Frankfurt Marathon verbunden. Zudem wird nach Informationen der F.A.Z. ein gut vernetzter Frankfurter, der derzeit bei einer stadtnahen Gesellschaft tätig ist, als Statthalter zu
Motion Events wechseln.
Frankfurt ist bekannt für schnelles TempoSchindler kann auch auf die Entwicklung des
Frankfurt Marathons in seiner Ägide verweisen. Seit 2002 hat Schindler den 1981 von der Betriebssportgruppe der Farbwerke Hoechst mit Unterstützung des damaligen Oberbürgermeisters Walter Wallmann (CDU) ins Leben gerufenen Marathon organisiert und über die Jahre Sponsorenvereinbarungen, mit dem Namenssponsor Mainova etwa, und anderen Unternehmen gesichert.Der Lauf ist in der Szene bekannt für seine schnellen Zeiten. Zudem war die Verlegung des Zielbereichs in die Festhalle ein Gewinn. Der Einlauf in der Partyatmosphäre der Veranstaltungsstätte hat ein Alleinstellungsmerkmal geschaffen, das jedem Teilnehmer ein besonderes und unvergessliches Erlebnis beschert. Schindler gab aber selbst in einem Interview mit der F.A.Z. zu bedenken, dass auch dadurch das Teilnehmerfeld auf 20.000 Teilnehmer begrenzt wäre, da nicht mehr über den roten Teppich in die Festhalle geschickt werden könnten, weil die Finisher sonst kaum wieder in der nötigen Geschwindigkeit aus der Halle herauszuleiten wären.Die neuen Bewerber bringen nun ins Spiel, dass eines Tages ein Zieleinlauf in der am Waldstadion geplanten Multifunktionsarena angesiedelt werden könnte. Dies wäre in den Planungen der Arena sogar noch zu berücksichtigen.