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WED · 2026-04-08 · 13:33 GMTBRIEF NSR-2026-0408-58640
News/Neue Fenster für Eberbach: „Mein Werk wird über 100 oder 200…
NSR-2026-0408-58640News Report·DE·Human Interest

Neue Fenster für Eberbach: „Mein Werk wird über 100 oder 200 Jahre an diesem Ort sein“

Künstler Michael Anthony Müller gestaltet neue Fenster für die Basilika des Klosters Eberbach. Das Projekt, eine Fortsetzung der Kunstinstallation im Kreuzgang, stieß zunächst auf Widerstand, da es eine Veränderung des geschützten Denkmals bedeutet.

Sonja EsmailzadehFAZFiled 2026-04-08 · 13:33 GMTLean · Center-RightRead · 7 min
Neue Fenster für Eberbach: „Mein Werk wird über 100 oder 200 Jahre an diesem Ort sein“
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Künstler Michael Anthony Müller gestaltet neue Fenster für die Basilika des Klosters Eberbach. Das Projekt, eine Fortsetzung der Kunstinstallation im Kreuzgang, stieß zunächst auf Widerstand, da es eine Veränderung des geschützten Denkmals bedeutet. Um die öffentliche Meinung einzubeziehen, wurde eine Befragung der Besucher durchgeführt, nachdem ein Folienentwurf der Fenster gezeigt wurde. Die Stiftung Kloster Eberbach beauftragte Müller, um eine Gegenposition zur traditionellen, bildfeindlichen Geschichte des Klosters zu schaffen und Diskussionen anzuregen. Die neuen Fenster, bestehend aus drei Scheiben, sollen Ende April eingesetzt werden und Müllers Werk für die nächsten 100 bis 200 Jahre im Kloster präsentieren.

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56 percent of nearly 1600 voters were in favor of the new windows.

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A survey was conducted to gauge visitor reaction to the proposed window changes.

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The windows in the basilica date back to 1936.

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Michael Anthony Müller was asked to come to Kloster Eberbach after an exhibition in Frankfurt.

quoteMichael Anthony Müller
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There was initial resistance to the new windows due to preservation concerns and visitor opinions.

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Herr Müller, wie kamen Sie von der Ausstellung „Der geschenkte Tag“ im Frankfurter Städel Museum zur Kirchenkunst im Eberbach" class="entity-link entity-location" data-entity-id="76578" data-entity-type="location">Kloster Eberbach?Als ich vor ein paar Jahren die Ausstellung im Städel hatte, bin ich gefragt worden, ob ich nicht Lust hätte, im Kloster vorbeizukommen. Mir wurde dann der Kreuzgang vorgestellt, mit dem Glasfenster von Thomas Bayrle, und gesagt, dass dieses Projekt fortgesetzt werden soll.Am jetzigen Ort werden die Fenster nicht mit dem Pop-Art-Werk in Verbindung gebracht.Ich hatte mich zuerst für die Fenster im Kapitelsaal entschieden, dann kam bei einem Spaziergang der Gedanke, die Fenster in der Basilika zu integrieren.Hier in der Basilika sind noch die Fenster von 1936 zu sehen, von Baustelle keine Spur. Ende April werden sie eingesetzt, wie weit sind Sie?In der Phase vieler Einzelwerke. Alle drei Scheiben, aus denen jedes der Fenster am Ende bestehen wird, zusammennehmen – das fängt in dieser Woche an, jetzt wird es konkret.Herausfordernder Prozess: Der Künstler Michael Anthony Müller überträgt sein Motiv in der Glaswerkstatt Derix auf eines der Fenster.Samira SchulzWarum gab es zunächst Widerstand dagegen?Wir haben direkt zu Beginn das Gespräch mit dem Denkmalpflegeschutz gesucht, was eminent wichtig war, weil alles geschützt ist. Auch vonseiten der Besucher wurde es von Anfang an kontrovers diskutiert. Es kann eine große Veränderung für den Ort bedeuten. Und es gibt Menschen, die den Ort vielleicht genauso behalten wollen, wie er momentan ist. Das ist ein legitimes Interesse.Es kam sogar zur Abstimmung. Wie haben Sie das erlebt?Das Kloster hat sich für ein Verfahren entschieden, das mir total fremd war und das es in der Kunst so auch nicht gibt, da gibt es Fachjurys. Wir haben einen Folienentwurf auf den Fenstern installiert, der grob zeigte, was ich für die Fenster plante. Die Stiftung hat eine Befragung gemacht, um zu sehen, wie Besucher reagieren würden auf eine solche Veränderung. Das war seltsam und ungewöhnlich für mich.Stiftung Kloster EberbachWas war das Ergebnis?Viele fragten sich: Wie geht man um mit der Tradition der Klosteranlage? Da gibt es natürlich auch die Geschichte, die sehr bildfeindlich ist.Sie meinen die romanische Schlichtheit der Zisterzienser.Ja, auf der einen Seite gab es Stimmen, die fragten, ob die richtige Geschichte erzählt wird, auf der anderen Seite gab es das Bedürfnis der Stiftung, einen Künstler zu beauftragen, der eine Gegenposition zeigt, um Diskussionen anzuregen. Der Konflikt hat mir früh klargemacht, das ist nicht nur ein Ausstellungsprojekt, sondern wird über 100 oder 200 Jahre an diesem besonderen Ort sein. Und am Ende hat dann ja eine Mehrheit dafürgestimmt.Das Ergebnis der Umfrage war mit 56 Prozent von knapp 1600 Stimmen knapp. Hätten Sie den Auftrag auch bekommen, wenn sich eine Mehrheit dagegen entschieden hätte?Ich habe schon im Gespräch mit dem Denkmalschutz gesagt, es wird keinen Kompromiss geben, entweder wir machen es so oder nicht. Das ist in einem demokratischen Verfahren schwierig, aber man kann nicht gleichzeitig sagen, es bleibt so, wie es ist, und man verändert alles. Man muss eine Entscheidung treffen.Spätestens seit dem hier gedrehten Film „Der Name der Rose“ hat das Kloster international Berühmtheit erlangt, war der Widerstand für Sie nicht eine Posse?Nein, denn die Entscheidung obliegt dennoch letztendlich der Stiftung, es gab trotzdem einen Demokratisierungsprozess. Das Kloster wird als Ort empfunden, der gesellschaftlich geteilt wird. Wenn man Kunst zulässt, dann wirkt sie. Aber es gab ernste Anfeindungen im Netz.Was hat das mit Ihnen gemacht?Ich hatte erst mal eine Blockade. Man hinterfragt seinen Entwurf, was soll der überhaupt erfüllen? Ich musste mich teilweise rausnehmen aus den Diskussionen, das wäre zu belastend geworden. Es bedarf eines anderen Muts, den Schritt zu gehen, weil man weiß, dass es eine Opposition gibt.Wie haben Sie die Blockade gelöst?Der Entwurf, den ich gemacht habe, hat mich befreit. Ich wollte versuchen, die Malerei in Glasfenster zu übersetzen. Das war so herausfordernd, dass ich fast alles vergessen habe. Und als klar wurde, mit wem ich das umsetze, war alles noch viel komplizierter.Wie lief die Zusammenarbeit mit Derix Glasstudios in Taunusstein?Für die vielen Professionen gab es hinsichtlich der Motive eine gemeinsame Wurzel: Mut. Wenn man dem Wort etwas vorstellt, ist es Demut, nicht zu vergessen, an welchem Ort man ist. Zugleich soll es eine Zumutung sein, kein Dekor, der die Kirche stimmungsvoller, schöner macht.In der Werkstatt der Glaswerkstatt Derix in Taunusstein stehen die Entwürfe für die neuen Fenster.Samira SchulzIhre Fenster-Motivik stammt aus „Der geschenkte Tag“. Wie passt die Mythologie um Polydeukes und Kastor in ein christliches Kloster?Die Klöster haben dafür gesorgt, dass die griechischen Mythologien in unserer Geisteswelt Anklang fanden. Die wurden dort abgeschrieben, sonst hätten wir keine Renaissance. Die Geschichte, die ich zitiere, die Erzählung der unzertrennlichen Zwillinge, die von Zeus die Möglichkeit geschenkt bekommen, zwischen den Welten des Olymps und des Hades zu wandeln, hat viel mit Fragen des Christentums zu tun – der Liebe, aber auch der Ewigkeit, dem Tod und dem Leben.Wie unterscheidet sich die Arbeit im Kloster von der im Museum?„Der geschenkte Tag“ mit den 24 Tafeln, der aktuell noch in Berlin im Neuen Museum zu sehen ist, erzählt einen Tag und das Licht des Tages. Hier ist das Licht real. Man malt kein Bild, sondern einen Filter. Dass Gott mittels des Lichts spricht, ist eine wichtige Tradition in der Gotik.Gelb, Grün, Pink und Wellen: Skizzen auf den GläsernSamira SchulzIhre Entwürfe zeigen viel Pink, Blau, Gelb, Wellen. Wie haben Sie das technisch umgesetzt?Wir haben traditionelle Techniken verwendet. Man könnte das Bild nicht einfach auf einer Glasscheibe malen. Wir haben drei Lagen, eine mit Bleiverglasung, eine Mittellage mit gefärbtem Glas und eine nach innen gelegene. Die äußeren sind wie zwei Häute, auf denen nicht gemalt wird, die aber dennoch wichtig sind. Mit Säure wird das Glas zusätzlich bearbeitet, Farbschichten werden weggeätzt.Klingt nicht ungefährlich.Ich durfte nicht rein in den Raum. Ich habe die Abdeckung gemalt, eine Schutzschicht, durch die Flächen des Glases vor der Säure geschützt werden. Das war schwierig, weil man negativ malt, nicht das, was gezeigt werden soll, sondern den Umraum. Wie oft musste ich alles wieder runterwaschen, weil ich durch das Malen in die alte, mir vertraute Reihenfolge gefallen bin.Traditionelle Technik: Das Ätzverfahren ist aufwendig und gefährlich. Es wird mit Säure gearbeitet, um die Farbe zu schützen.Samira SchulzWie würden Sie die Fenster jemandem beschreiben, der sie nicht sehen kann?Es sind drei Fenster, was natürlich eine große Setzung im christlichen Konzept der Trinität ist. Es geht in der Geschichte, die ich mit den Fenstern erzählen möchte, auch um Transzendenz, ob wir uns als rein physische Wesen denken oder darüber hinaus einen Sinn schaffen in uns, wie wir uns in der Welt verstehen wollen.Samira SchulzSie haben einst das Studium an der Kunstakademie in Düsseldorf abgebrochen und sind für viele Jahre ins Kloster nach Indien gegangen. Haben Sie dort den Sinn gefunden?Damals wollte ich mich mit Sandmandalas beschäftigen, einer spirituellen Arbeit, ähnlich zu den Glasfenstern. Dabei zieht sich ein Mönch für ein paar Monate zurück, meditiert ein Bild, das er seinen Mitbrüdern sprachlich übersetzt. Sie malen anschließend mit Sand das meditierte Mandala. Nach der Fertigstellung wird es nach einer Zeremonie dem Fluss übergeben, und es löst sich wieder ins Nichts auf. Diese Form der Visualisierung hat viel mit meiner heutigen Arbeit zu tun.Menschen suchen in einer zunehmend komplexen Welt einfache Antworten. Wie sehen Sie das in Bezug auf den Glauben?Ich glaube, dass der Mensch zur Selbstlüge neigt. Wir suchen nach einer Bestätigung unseres Sinns. Gottesbeweise kommen immer zum selben Ergebnis, befinden sich in einem Spannungsverhältnis von Logos und Mythos. An der Grenze des Verstandes entsteht der Glauben. Unser Nichtverstehen beantworten wir mit dem Glauben. Der Mangel, also das, was wir nicht beantworten können, treibt uns an, eine Antwort zu finden.War das Kloster für Sie eine Reise zu Ihren Wurzeln, zu neuen Antworten?Vielleicht. Aber der Junge, der damals nach Ladakh gegangen ist, hätte diese Glasfenster nie gemacht. Ich würde sogar behaupten, dass er sie als schrecklich und hässlich ablehnen würde.Wieso das?Ich habe mich damals viel mit der Konzeptkunst der Fünfziger- und Sechzigerjahre beschäftigt. Der Materialästhetik wird stark misstraut, wie auch der reinen Expression. Deswegen wäre mir die Expressivität des jetzigen Entwurfs vollkommen fremd gewesen.Welche Kunstsprache ist Ihnen die liebste?Das kann ich gar nicht sagen, weil ich erst die Konzeption mache und dann die Übersetzung durch das Medium. Zuletzt habe ich ein Theaterstück gemacht, das als solches nicht geplant war, weil es als Bild zu viele Szenen hatte und ein Wimmelbild geworden wäre.Sie sind in Ingelheim am Rhein aufgewachsen, wie fühlt es sich an, wieder in der alten Heimat zu arbeiten?Ich bin froh, dass ich als Kind diesen Ort hatte. So idyllisch er war, so einengend war er aber auch, und schnell schön zu denken, grausam auch. Er war sozial oft brachial, und ich war froh, ihn hinter mir zu lassen. Heute bin ich aber glücklich, im Alter ein Stück weit näher zu rücken, weil er mir dennoch vertraut ist.Wie vertraut ist Ihnen das klösterliche Leben noch? Sie wohnen momentan im Eberbach" class="entity-link entity-location" data-entity-id="76578" data-entity-type="location">Kloster Eberbach.Ja, dort drüben in der alten Mühle. Wenn ich alleine bin, frühmorgens, hat es noch etwas von der alten Atmosphäre, aber wenn dann tagsüber die Touristen kommen, ist es ein anderer Ort.Besucher können im Kloster bald auch eine Ausstellung von Ihnen sehen, was zeigt sie?Hier im Kloster werden bis September parallel zu den Fenstern großformatige malerische „Fragmente“, wie ich sie nenne, zu sehen sein. Leinwandarbeiten, die ihre Motivik aus dem großen Gemälde „Der geschenkte Tag“ speisen und die Geschichte, die ich mit den Fenstern erzählen möchte, in einen größeren Kontext innerhalb meines künstlerischen Werks setzen, das immer wieder auf die mythologische Thematik zurückkehrt und zu der Frage, was etwas uns durch alle Veränderungen, durch die Zeiten hindurch sagen kann.Berühmte Kulisse: das Kloster EberbachSamira Schulz
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