PfadnavigationHomeRegionalesHamburgSchifffahrtHamburg macht Kassensturz bei Hapag-LloydStand: 09.04.2026Lesedauer: 3 MinutenDie „Manila Express“ von
Hapag-Lloyd liegt am Terminal Burchardkai der HHLA in HamburgQuelle: Bertold FabriciusEnde der Nullerjahre bewahrte die Stadt
Hamburg die größte deutsche Reederei vor einer feindlichen Übernahme. Wie sehr sich das für die Hansestadt gelohnt hat, rechnet jetzt Finanzsenator
Andreas Dressel (SPD) vor.Im Jahr 2008 drohte der größten deutschen Reederei
Hapag-Lloyd eine feindliche Übernahme durch
NOL mit Sitz in Singapur. Der damalige Schifffahrtsmarkt war extrem volatil, geprägt auch von massiven Überkapazitäten bei der Tonnage, speziell der Containerschiffe. In der
Hapag-Lloyd-Zentrale am Ballindamm war klar: Eine Übernahme von
Hapag-Lloyd durch
NOL würde das Aus für die ursprünglich 1847 gegründete Reederei und den traditionsreichen Unternehmenssitz bedeuten.Der damalige Vorstandsvorsitzende
Michael Behrendt organisierte Hilfe – ein Konsortium namens
Albert Ballin, benannt nach dem legendären Hapag-Chef vom Anfang des 20. Jahrhunderts. „Ich wollte nicht derjenige sein, der hier das Licht ausmacht“, sagte Behrendt, der später lange Zeit Aufsichtsratsvorsitzender von
Hapag-Lloyd war, vor einigen Jahren der WELT.Dieses Konsortium um die – damals von CDU und Grünen regierte – Stadt
Hamburg und den Logistikunternehmer
Klaus-Michael Kühne übernahm vom Touristikkonzern
TUI in Hannover die Mehrheit an
Hapag-Lloyd und sicherte das wichtigste maritime Hamburger Unternehmen am Standort ab. Das dauerte, mit Zwischenschritten, insgesamt einige Jahre lang. Die seit 2011 allein regierende SPD stockte die Beteiligung 2012 weiter auf, zeitweise war
Hamburg größter Anteilseigner der Reederei.Lesen Sie auchAnfangs war die Beteiligung für die Stadt ein schwieriges Unterfangen, besonders auch nach dem Börsengang von
Hapag-Lloyd Ende 2015, als der Kurs des Unternehmens zunächst sank. Wie sehr sich das Investment allerdings gelohnt hat, beschreibt nun Hamburgs Finanzsenator
Andreas Dressel (SPD). Insgesamt habe die Stadt 1,16 Milliarden Euro in
Hapag-Lloyd investiert – und bislang rund 2,9 Milliarden Euro an Dividenden von der Reederei bekommen. Hinzu kommen die direkten und indirekten Steuereinnahmen aus der Präsenz von
Hapag-Lloyd. Das städtische Aktienpaket – seit 2017 hält
Hamburg 13,86 Prozent der Anteile an der Reederei – sei derzeit 2,9 Milliarden Euro wert, 1,3 Milliarden Euro mehr als 2017. „Wenige Unternehmen sind so eng mit
Hamburg verbunden wie
Hapag-Lloyd. Deshalb war und ist unser stärkstes Motiv bei unserem Engagement die Standortsicherung des Unternehmens, Arbeitsplätze zu erhalten und Ladungskapazitäten für den Hafen zu sichern“, sagte Dressel am Mittwoch. „Entgegen vieler Unkenrufe hat sich unser Engagement für die Stadt im wahrsten des Wortes bezahlt gemacht. Wir freuen uns deshalb, die Anteile weiterhin in unserem Beteiligungs-Portfolio zu führen – und haben im Gegensatz zur CDU-Opposition nicht vor, das zu ändern.“Lesen Sie auchHapag-Lloyd ist heutzutage wesentlich größer als 2008. Mit der Übernahmen der Containersparte der chilenischen Reederei CSAV und dem Kauf der arabischen Reederei UASC hat sich auch der Aktionärskreis deutlich verändert. CSAV und Kühne sind heutzutage mit jeweils 30 Prozent die größten Anteilseigner, ein Investmentfonds aus Katar hält 12,3 Prozent, ein Fonds aus Saudi-Arabien 10,9 Prozent. 3,6 Prozent der Anteile liegen in Streubesitz. Derzeit arbeitet
Hapag-Lloyd an der Übernahme der israelischen Reederei ZIM, die Zustimmung von deren Anteilseignern und der Regulierungsbehörden wird bis zum Jahresende erwartet.
Hapag-Lloyd ist die fünftgrößte Container-Linienreederei der Welt, gemessen an der Transportkapazität der Schiffe. In den vergangenen Jahren hat
Hapag-Lloyd zudem ein eigenes globales Geschäft mit Containerterminals aufgebaut, das von derzeit 23 Beteiligungen bis zum Jahr 2030 auf mindestens 30 Beteiligungen wachsen soll. Zu diesem Netzwerk gehören unter anderem eine Beteiligung von 25,1 Prozent am Hamburger Containerterminal Altenwerder und von 30 Prozent am JadeWeserPort in Wilhelmshaven. Mit der weltweit zweitgrößten Container-Linienreederei Maersk betreibt
Hapag-Lloyd die Allianz Gemini Cooperation.Olaf Preuß ist Wirtschaftsreporter von WELT und WELT AM SONNTAG für
Hamburg und Norddeutschland. Er berichtet seit mehr als 30 Jahren über die maritime Wirtschaft, über Schifffahrt, Häfen und Werften.