Am 6. Februar stellten der oder die Hacker eine Probe des angeblichen Datensatzes auf einen Telegram-Kanal und behaupteten, sie enthalte »Forschung in verschiedenen Bereichen, darunter Luft- und Raumfahrttechnik, Militärforschung, Bioinformatik, Fusionssimulation und mehr«.Eine gigantische DatenmengeWer sich hinter der Hackergruppierung »
FlamingChina« verbirgt, ist zum aktuellen Zeitpunkt vollkommen unklar. Fest steht nur, dass der oder die unbekannten Hacker nun Geld mit ihrer Beute verdienen wollen. Das könnte zwar auf Cyberkriminelle als Täter hindeuten, allerdings haben sich in der Vergangenheit wiederholt auch Geheimdienste krimineller Hacker bedient. So können Regierungen etwa leichter abstreiten, hinter einer Tat zu stecken. Die »
FlamingChina«-Angreifer behaupten, sensible Informationen entwendet zu haben. Damit dürften sie nicht zuletzt den Preis in die Höhe treiben wollen. Offenbar verlangen sie dabei zunächst umgerechnet etwas mehr als 3300 Dollar in der bei Cyberkriminellen beliebten Kryptowährung
Monero, um einen ersten Einblick in die Inhalte des Materials zu bekommen. Für den vollen Zugang würden dann umgerechnet Hunderttausende Dollar fällig, berichten Cybersecurity-Experten, die laut
CNN einzelne Proben des Materials geprüft haben.Die IT-Sicherheitsexperten halten das Material nach einer ersten Analyse für authentisch. Die Beispieldaten scheinen demnach Dokumente zu enthalten, die auf Chinesisch als »geheim« gekennzeichnet waren, sowie animierte Simulationen und Renderings von Verteidigungsausrüstung, darunter Bomben und Raketen. »Sie sind genau das, was ich erwarten würde, in einem Supercomputing-Zentrum zu sehen«, sagte
Dakota Cary gegenüber
CNN. Cary ist Berater bei der Cybersicherheitsfirma
SentinelOne, der sich auf
China konzentriert und die online gestellten Proben des mutmaßlichen Hacks geprüft hat.Gegnerische Nachrichtendienste als mögliche Käufer»Es gibt Leaks aus Chinas Cyberökosystem, die ich kenne, die sich sehr schnell verkauft haben«, sagte Cary gegenüber
CNN. »Ich bin sicher, dass es weltweit viele Regierungen gibt, die an einigen der Daten beim
NSCC interessiert sind – aber viele dieser Regierungen, die interessiert sind, könnten die Daten auch schon haben.« Auch der Cybersicherheitsexperte
Marc Hofer geht aufgrund des Inhalts und des Ausmaßes davon aus, dass die Daten für gegnerische staatliche Geheimdienste attraktiv sein dürften: »Wahrscheinlich haben nur sie die Kapazität, sich durch all diese Daten zu arbeiten und am Ende mit etwas Nützlichem zurückzukommen«, so Hofer.Sollte sich der mutmaßliche Datendiebstahl als authentisch erweisen, deutet er auf eine potenziell tiefe Verwundbarkeit in Chinas Technologie-Infrastruktur hin. Das würde insbesondere dann gelten, wenn tatsächlich nicht staatliche Cyberkriminelle hinter dem Angriff stecken würden.Wie genau die Hacker an die Daten gekommen sein könnten, war zunächst unklar. Die IT-Experten ziehen laut
CNN in Betracht, dass der oder die Eindringlinge sich womöglich über eine kompromittierte VPN-Verbindung Zugang verschafft haben. Demnach hätten sie dann über mehrere Monate hinweg die enormen Datenmengen abziehen können, ohne dabei entdeckt zu werden.Das wäre auch deshalb bemerkenswert, weil Chinas staatlich orchestrierte Hackerformationen zu den führenden offensiven Cyberkriegern weltweit gehören. Sie sind für ihre Spionage- und Datenraubfeldzüge berüchtigt. So war es mutmaßlich chinesischen Gruppierungen in den vergangenen Jahren gelungen, tief in die Telekommunikationsnetze und weitere kritische Infrastrukturen der Vereinigten Staaten vorzudringen und dort lange unbemerkt zu operieren. Die chinesische Regierung hat den aktuellen Vorgang in ihrem Supercomputer-Zentrum bislang weder bestätigt noch dementiert. Eine Anfrage von
CNN blieb laut dem Medium unbeantwortet.Nicht der erste Leak aus ChinaEs wäre nicht der erste Leak aus dem militärisch-industriellen Komplex des Einparteienstaats. Vor rund zwei Jahren hatten Unbekannte Dateien des chinesischen IT-Unternehmens I-Soon geleakt, das demnach als Spionagedienstleister im Auftrag des chinesischen Staates tätig gewesen war. Der damalige Datensatz umfasste Präsentationen über modernste Hackerwerkzeuge, Chats über mögliche Angriffsziele, Verträge und lange Kundenlisten. Auch konkrete Angriffsziele der I-Soon-Hacker im Staatsauftrag waren daraus hervorgegangen, etwa der langjährige Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg.