In der Frankfurter
Jahrhunderthalle setzt
Josh Groban auf Altbewährtes. Von Musical über Pop bis zu Filmmusik ist alles dabei. Markenzeichen und Verkaufsargument des Sängers: Hoffnung bieten in schwierigen Zeiten.Am Morgen ist er noch durch die Kleinmarkthalle geschlendert und hat Frankfurter Wurst gegessen, am Abend singt er Gospel und Balladen. Vor zehn Jahren war
Josh Groban in der Alten Oper mit seinem Musical-Bühnenprogramm „Stages“ zu Gast. Seine „Gems“-Welttournee hat ihn nun wieder nach
Frankfurt geführt, dieses Mal in die
Jahrhunderthalle.Gespickt mit persönlichen Erzählungen, liefert der amerikanische Sänger an diesem Abend einen Rundumschlag aus seinem künstlerischen Werk. Es sind vor allem die lebensbejahenden, oft im Gospel oder Operatic Pop verhafteten Songs, die ihm Erfolg brachten. Mehr als 35 Millionen Alben hat er verkauft, wurde fünfmal für den Grammy und zweimal für den Tony Award nominiert.Mit Titeln wie „You are loved“ oder „Be alright“ will Groban die politische Weltlage vergessen lassen. „Wir brauchen die Künste heutzutage mehr denn je, um uns an unsere Menschlichkeit zu erinnern“, sagt er beim Konzert. Spielende Lichtpunkte an der Decke und die Stimmen des Wiesbadener New Spirit Gospel Choirs lassen Groban fast wie einen Prediger erscheinen.Besonders viel Spaß bereite es ihm, Werke von anderen Künstlern neu zu interpretieren, so wie an diesem Abend Céline Dions Song „Goodbye’s“ in spanischer Übersetzung. Mit der kanadischen Sängerin sang Groban, damals gerade einmal 17 Jahre alt, bei der Grammy-Verleihung 1999, nachdem
Andrea Bocelli bei den Proben ausgefallen war.Mit Groban stehen 19 Orchestermusiker auf der BühneFür das Liebesduett „All I ask of you“ aus dem Musical „Das Phantom der Oper“ holt Groban die DSDS-Gewinnerin
Marie Wegener auf die Bühne der
Jahrhunderthalle. Am
Broadway in
New York spielte er unter anderem den mörderischen Barbier Sweeney Todd im gleichnamigen Musical. Auch das Phantom hätte er gern verkörpert, erzählt er. Mit seinem perfekten Vibrato würde dem 45 Jahre alten Sänger diese Chance sicher niemand verwehren.Das warme Timbre von Grobans Baritonstimme kommt vor allem bei diesen getragenen Stücken zur Geltung. Das zeigt auch seine Interpretation der „Godfather“-Hymne „Brucia la terra“ von Francis Ford Coppolas Mafiaepos, die er auf Italienisch singt. Begleitet wird er dabei von einem neunzehnköpfigen Orchester. Groban ist ein Künstler der alten Schule, die Musik kommt bei seinen Konzerten nicht vom Band.Trotz der heilen Welt, die Groban kreiert, zeigt sich eines ganz deutlich. Emotion schlägt Perfektion, auch an diesem Abend. Als Kind, so erzählt er, habe das Klavierspielen ihm viel Halt gegeben. Dabei habe er immer wieder die gleiche Melodie gespielt. Einen Walzer, den er auch an diesem Abend vorträgt und den er mühelos in seinen ebenfalls im Dreivierteltakt geschriebenen „February Song“ hinübergleiten lässt. Der ist langsamer, weniger verspielt. Das Stakkatohafte weicht der Ernsthaftigkeit.Den Abend beendet Groban, wie könnte es anders sein, mit einem seiner größten Hits, einer Coverversion des irisch-norwegischen Songs „You raise me up“. Dafür erntet er Standing Ovations, das Publikum stimmt in den Chor mit ein. „Nächstes Mal werde ich früher wiederkommen“, verspricht Groban. Es wird sich zeigen, ob er dieses Versprechen halten kann. Am Zuspruch des Publikums sollte es jedenfalls nicht mangeln.