PfadnavigationHomePanoramaEuropäischer HaftbefehlVerurteilter Rechtsextremist Liebich nach monatelanger Fahndung in Tschechien gefasstStand: 17:27 UhrLesedauer: 3 MinutenMarla-Svenja Liebich im Juli 2025 bei GerichtQuelle: Sebastian Willnow/dpaMarla-Svenja Liebich war monatelang auf der Flucht. Nun wurde der verurteilte Rechtsextremist im tschechischen
Luby gefasst – laut einem Bericht in Männerkleidung und mit kahlrasiertem Kopf.Der flüchtige, bundesweit bekannte Rechtsextremist
Marla-Svenja Liebich ist in Tschechien entdeckt und festgenommen worden. Der leitende Oberstaatsanwalt der in Deutschland zuständigen Staatsanwaltschaft
Halle in
Sachsen-Anhalt,
Dennis Cernota, bestätigte der Nachrichtenagentur
AFP am Donnerstag die Festnahme auf Grundlage eines europäischen Haftbefehls. Zuerst hatte die „
Mitteldeutsche Zeitung“ berichtet.Wie Cernota erklärte, gingen der Festnahme umfangreiche, teilweise verdeckt geführte Ermittlungsmaßnahmen voraus. Die Staatsanwaltschaft werde nun die erforderlichen Schritte für ein Auslieferungsverfahren einleiten.Liebich wurde laut „Mitteldeutscher Zeitung“ in der Gemeinde
Luby gefasst. Dem Bericht zufolge soll der Rechtsextremist Männerkleidung getragen und einen kahlrasierten Kopf haben. Seit Ende August 2025 fahndeten Polizei und Staatsanwaltschaft nach Liebich.Lesen Sie auchDie früher als Sven lebende Liebich war im August nicht zu seinem Haftantritt in einem Frauengefängnis im sächsischen
Chemnitz erschienen. Das Amtsgericht
Halle hatte Liebich im Juli 2023 wegen Volksverhetzung und anderer Delikte wie übler Nachrede und Billigung eines Angriffskriegs zu eineinhalb Jahren Haft ohne Bewährung verurteilt.Liebich sollte die Haft eigentlich spätestens seit dem 29. August 2025 absitzen, meldete sich dafür jedoch nicht im Frauengefängnis in
Chemnitz. Polizei und Staatsanwaltschaft hatten einen Vollstreckungshaftbefehl erlassen, nachdem Liebich die Haft nicht angetreten hatte. Die Beamten suchten deutschlandweit nach dem Rechtsextremisten. Über die Plattform X hatte Liebich behauptet, sich ins Ausland abgesetzt zu haben.Lesen Sie auchTeils mehrmals täglich waren seitdem auf dem X-Account von Marla Svenja Liebich Posts zu aktuellen politischen Entwicklungen und über sich selbst zu lesen. Nur wenige Stunden bevor die Festnahme öffentlich bekannt wurde, wurde die letzte Nachricht abgesetzt. „Und wir ziehen uns die Hosen mit der Kneifzange an. Endsiegparolen zum Wahlkampf“, hieß es dort mit Verweis auf einen Bericht zu einer Statistik über ausländische Beschäftigte.Änderung des Geschlechtseintrags könnte rückgängig gemacht werdenWegen Liebichs Änderung des Geschlechtseintrags entbrannte in Deutschland im vergangenen Jahr eine Debatte über die Auswirkungen des Selbstbestimmungsgesetzes und die mögliche Unterbringung von Liebich in einem Frauengefängnis. Die Motive Liebichs sind bisher unklar. Bürgerrechts- und Transsexuellenorganisationen äußerten in der Vergangenheit den Verdacht, dass es sich um eine gegen das neue Gesetz gerichtete rechtsextremistische Provokation handeln könnte.Bis jetzt beschäftigt Liebich die Behörden zum Thema Geschlechtseintrag. Erst vor vier Wochen hatte das Amtsgericht
Halle erklärt, es wolle darüber entscheiden, ob die Änderungen von Vorname und Geschlecht von Liebich rückgängig gemacht werden könnten.Der Saalekreis im Süden Sachsen-Anhalts, in dem das Geburtenregister berichtigt würde, hatte eigenen Angaben nach schon im Dezember 2025 rechtliche Schritte dafür eingeleitet. Das Verfahren ist nach Angaben des Gerichts nicht öffentlich. Liebich muss im Laufe des Verfahrens jedoch die Möglichkeit eingeräumt werden, angehört zu werden. Wird diese Möglichkeit nicht genutzt, nimmt das Verfahren seinen weiteren Lauf.dpa/ll/saha