Der
Facebook-Konzern präsentiert das erste KI-Modell seiner milliardenschweren „Superintelligenz“-Einheit. Gelingt es, die Lücke zu Open AI,
Google und
Anthropic zu schließen?Der
Facebook-Konzern
Meta will mit einer neuen Modellreihe Künstlicher Intelligenz (KI) und einer veränderten Strategie zu Wettbewerbern auf dem KI-Markt wie
Anthropic, dem ChatGPT-Entwickler Open AI oder
Google aufschließen. Am Mittwochabend deutscher Zeit stellte
Meta „
Muse Spark“ vor, das erste neue KI-Modell seit der milliardenschweren Neuausrichtung seiner KI-Bemühungen.Die Künstliche Intelligenz kann genau wie die Konkurrenz nicht nur Spracheingaben verarbeiten, sondern auch Bilder analysieren und erstellen. Das neue Flaggschiffmodell soll künftig die technische Grundlage für Metas KI-Chatbot liefern, der schon heute grundlegend so funktioniert wie ChatGPT oder Googles Gemini. Auch in den
Meta-Anwendungen
Facebook,
Instagram oder
WhatsApp soll die neue KI zum Einsatz kommen.Metas eigenen Erhebungen zufolge schneidet „
Muse Spark“ in Tests zu Schreib- und Denkfähigkeiten deutlich besser ab als die bisherigen Modelle des Konzerns und kommt dort zumindest der Leistung führender Modelle nahe. In Sachen Programmierfähigkeiten scheint das Modell aber deutlich hinter der Konkurrenz zurückzubleiben.
Meta selbst gibt zu, dass „
Muse Spark“ in einigen Punkten noch nicht auf dem Niveau der Konkurrenz sei. Es sei bewusst klein und schnell, aber dennoch leistungsfähig genug, um komplexe Fragestellungen in Wissenschaft, Mathematik und Gesundheit zu lösen.
Meta spricht von einem „soliden Fundament“ und einem Startpunkt für weitere, größere Modelle, die sich schon in Entwicklung befänden. Abwerbeversuche für hunderte MillionenDas nach dem Interesse von Konzernlenker
Mark Zuckerberg an griechischer und römischer Mythologie benannte KI-Modell wurde in neun Monaten von der neu aufgebauten KI-Abteilung „
Meta Superintelligence Labs“ entwickelt. Deren Leiter ist
Alexandr Wang, den
Meta im Zuge der Übernahme eines 49-Prozent-Anteils am KI-Unternehmen
Scale AI für mehr als 14 Milliarden Dollar rekrutiert hat.
Meta hat außerdem viel Geld investiert, um KI-Spitzenkräfte anzuwerben – auch von Konkurrenten wie Open AI oder
Google.Der Open-AI-Vorstandschef
Sam Altman berichtete, dass Zuckerberg während der Abwerbeversuche spektakuläre Summen anbot. Altman sagte, Zuckerberg habe mehr als 100 Millionen Dollar Jahresgehalt und zusätzliche 100 Millionen Dollar als Bonus für das Wechseln des Arbeitgebers versprochen.
Meta hat diese Zahlen nie bestätigt, tatsächlich sind aber zahlreiche führende KI-Fachleute zu
Meta gewechselt. Im Team von Wang sollen sie an der Entwicklung einer bisher nicht existierenden „Superintelligenz“ arbeiten, die dem Menschen intellektuell überlegen ist.Zuvor hatte
Meta im Rennen um die führende Künstliche Intelligenz einige Rückschläge erlitten. Die vorerst letzte Version der bisherigen Llama-Modelle des Konzerns blieb weit hinter den Erwartungen zurück. Immer wieder kam es zu Verzögerungen. Hinzu kamen Vorwürfe,
Meta habe Testverfahren manipuliert, um seine Modelle leistungsstärker erscheinen zu lassen.Strategiewechsel zu geschlossenen ModellenDas neue Modell „
Muse Spark“ markiert auch einen Paradigmenwechsel in der Art, wie
Meta seine KI veröffentlicht. Der Code und das Design des Modells sind nicht frei einsehbar. Seine Llama-Modelle machte
Meta im Gegensatz zu Open AI oder
Google frei zugänglich und verfolgte dabei einen sogenannten Open-Weight-Ansatz, der zumindest Teile des Modells öffentlich einsehbar macht.Das Kalkül lautete: Start-ups und Wissenschaftler nutzen die KI-Modelle des Konzerns und entwickeln darauf basierend Anwendungen, die
Meta dann möglicherweise später selbst nutzen kann. Durch den offenen Ansatz erweiterte der Konzern seine Entwicklungsabteilung im Prinzip kostenlos um Tausende Entwickler auf der ganzen Welt, die den Einsatz der KI möglicherweise besser machen können. Darüber hinaus wollte
Meta die Konkurrenz schwächen, die mit ihren Modellen Geld verdienen wollen.Nach dem Erscheinen ChatGPTs waren Metas Llama-Modelle zeitweise die beliebtesten offenen Modelle, die Entwickler in ihre Software einbauten. Inzwischen hat
Meta aber auch in diesem Bereich die Führungsrolle in großen Teilen der Welt an das chinesische Unternehmen Deepseek abgegeben.Metas neuer KI-Chef Wang plant nun eine hybride Strategie: Besonders leistungsstarke Modelle sollen künftig geschlossen veröffentlicht werden – aus Sicherheitsgründen, argumentiert der Konzern. Andere Modelle sollen hingegen komplett quelloffen veröffentlicht werden, um die Entwicklergemeinschaft weiter an sich zu binden. Wang will sich zudem offenbar stärker auf Endverbraucher fokussieren, um sich von Open AI und
Anthropic abzugrenzen, die sich zunehmend auf das Geschäft mit Unternehmen und Regierungen konzentrieren.Für
Meta ist der Erfolg der teuren neuen KI-Strategie sehr wichtig.
Meta hofft unter anderem, dass der Einsatz von KI die Interaktionen der Nutzer auf seinen Plattformen erhöht und diese so noch attraktiver für Werbekunden werden. Allein in diesem Jahr will
Meta 135 Milliarden Dollar investieren, vor allem in KI-Rechenzentren. Ohne konkurrenzfähige eigene KI-Modelle dürfte diese Wette aber nicht aufgehen.