Zwei Agenturen wollen den
Frankfurt-Marathon ausrichten. Es ist aber nachrangig, wer das Event organisiert. Wichtiger sind in der selbst ernannten Sportstadt die Bedingungen für die Athleten.Wenn es nach
Hugh Brasher geht, dem neuen Geschäftsführer von „
Motion Events“, bleibt alles beim Alten. Der
Frankfurt-Marathon würde weiterhin von der Agentur ausgerichtet, die ihn schon seit 2002 organisiert. Auch an Strecke, Termin und Verwurzelung in der Stadt solle sich nichts ändern.Stattdessen wolle Brasher mit dem Zusammenschluss von „
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London Marathon Events“ und „
Motion Events“ dazu beitragen, den
Frankfurt-Marathon noch prestigeträchtiger zu machen. „Gemeinsam können wir mehr erreichen, als wir es alleine könnten.“ Aber, und das betont Brasher mehrmals, der regionale Charakter bleibe erhalten: „Es wird niemals ein
London-Marathon 2.0 werden.“Welche Agentur hat die besseren Argumente?Das befürchtet der stellvertretende Sportkreisvorsitzende
Andreas Bechmann, der sich mit seiner neu gegründeten „
Frankfurter Sportagentur“ in Stellung bringt, Deutschlands zweitgrößten Marathon zu übernehmen. Er sieht die Gefahr, dass dieser an Wert für die selbst ernannte Sportstadt verliere, wenn sich die Entscheidungen vor allem am Profit für die Londoner Eigentümer von „
Motion Events“ orientierten. Bechmann wirbt dagegen mit einer stärkeren Einbindung von Stadt, Sportvereinen und regionaler Wirtschaft – und dem Versprechen, „ungenutzte Potentiale“ zu erschließen.Erstmals stehen damit zwei Agenturen in Konkurrenz um die Ausrichtung des
Frankfurt-Marathons – und beide reklamieren für sich, das Richtige zu wollen. Der Konflikt ist brisant, weil
Frankfurt eigentlich keinen zweiten Stadtmarathon im Jahr verträgt. Hinzu kommt, dass es nicht nur um gute Ideen, sondern auch um Planungssicherheit geht. Oberbürgermeister
Mike Josef kündigte am Donnerstag eine Ausschreibung an, die eine Vergabe über einen längeren Zeitraum vorsehen werde.Beide Ansätze haben ihren Preis: Wie sieht die Zukunft des
Frankfurt-Marathons aus?dpaNur: Für die Läufer ändert sich zunächst wenig. Besitzverhältnisse interessieren sie nicht, solange Organisation, Preis-Leistungs-Verhältnis und Atmosphäre stimmen.Wer am Renntag um 10 Uhr morgens am Start steht, denkt daran, ob die Anreise klappt, die Strecke schnell ist – und alles verlässlich funktioniert. Er merkt sich, ob die Verpflegung stimmt, genügend Toiletten vorhanden sind und die Helfer freundlich sind. Und er meldet sich im nächsten Jahr wieder an, wenn er das Gefühl hat, dass der
Frankfurt-Marathon seinem Ruf gerecht wird.Deshalb sollte die Diskussion auch weniger darum kreisen, wer den Marathon künftig ausrichtet, sondern unter welchen Bedingungen. Beide Ansätze haben ihren Preis: hier die Gefahr, dass Renditeinteressen den Ton angeben, dort das Risiko eines teuren Fehlstarts, wenn Erfahrung und belastbare Strukturen für ein Event dieser Größe fehlen. Entscheidend ist, wer nachhaltig liefern kann – und ob
Frankfurt einen Marathon bekommt, der zuverlässig funktioniert.Zur Wahrheit gehört aber auch: Ein Marathon macht
Frankfurt nicht automatisch zur Sportstadt. Er erzeugt Bilder, Emotionen, Schlagzeilen – und animiert die Menschen im besten Fall, mitzumachen. Entscheidend ist jedoch, was an den übrigen 364 Tagen im Jahr passiert: ob marode Sporthallen saniert werden, Plätze bespielbar bleiben, Rad- und Laufwege ausgebaut werden, Schulen und Vereine verlässliche Trainingszeiten haben.Wer auch immer den Zuschlag bekommt, sollte das Rennen so organisieren, dass die Menschen wiederkommen – und dass es nach Möglichkeit mehr werden, ohne das Erlebnis zu verschlechtern. Das ist die Reihenfolge: erst die Qualität des Renntags, dann der messbare Nutzen für
Frankfurt. Alles andere ist nachrangig. Die Stadt tut gut daran, genau so zu entscheiden.