Zwei Agenturen konkurrieren um die Ausrichtung des zweitgrößten Marathons in Deutschland. Die Stadt will zunächst keine Partei ergreifen, die Frankfurter Sportvereine haben sich entschieden.Der Frankfurter Oberbürgermeister
Mike Josef sieht es positiv, dass sich für 2027 erstmals zwei Unternehmen darum bewerben, den
Frankfurter Marathon zu veranstalten. Sollte es dabei bleiben, werde die Stadt die Vergabe nach festgelegten Kriterien ausschreiben. Das sagte der SPD-Politiker bei einer Pressekonferenz des Sportkreises am Donnerstagnachmittag. Einen Tag zuvor hatte die F.A.Z. berichtet, dass neben der Agentur
Motion Events, die seit einem Vierteljahrhundert für das Laufevent zuständig ist, auch der neue Anbieter
Frankfurter Sportagentur Interesse daran bekundet hat, die Verantwortung zu übernehmen und den Marathon weiterzuentwickeln.„Wir sind jetzt in der glücklichen Situation, dass sich Laufen einer hohen Beliebtheit erfreut und wir zwei potentielle Organisatoren haben“, sagte Josef. Man habe sich deshalb juristisch beraten lassen, auch weil die Stadt den Marathon mit 400.000 Euro pro Jahr bezuschusse und man sicher sein wolle, richtig und möglichst transparent zu handeln. Einen Zeitplan für das weitere Vorgehen gebe es noch nicht. Die Vergabe werde jedoch längerfristig erfolgen, um Stabilität für das populäre Rennen sicherzustellen, bei dem 2025 rund 13.000 Läufer teilgenommen hatten.Sportkreis für Frankfurter VeranstalterDer Vorsitzende des Frankfurter Sportkreises,
Roland Frischkorn, hob hervor, dass sich dessen Mitgliedsvereine einstimmig für die Unterstützung der neuen Sportagentur ausgesprochen hätten, die unter anderem sein Vertreter, der noch aktive Zehnkämpfer
Andreas Bechmann, gegründet hat. Ausgelöst hat die neue Entwicklung, dass der bisherige Geschäftsführer
Jo Schindler seine Agentur
Motion Events kürzlich an den Veranstalter
London Marathon Events verkauft hat. Man wolle, dass das Geld, das in den Marathon gesteckt und mit ihm verdient werde, in
Frankfurt bleibt, so Frischkorn. Man könne sich nicht vorstellen, dass das der Fall wäre, sollten die Londoner die Veranstaltung übernehmen. „Für uns ist das ein ganz wichtiges Zeichen für die Sportentwicklung in unserer Stadt“, sagte der Sportkreis-Vorsitzende.Am Vormittag hatte Schindler zusammen mit
Hugh Brasher, dem CEO von
London Marathon Events, die Pläne der neuen Kooperation vorgestellt. Der 66 Jahre alte bisherige Organisator, der sich zum 31. Dezember auch aus gesundheitlichen Gründen aus dem operativen Geschäft zurückzieht, versprach, dass sich Charakter, Strecke und Termin des Marathons nicht ändern würden und das bisherige Team weiter von
Frankfurt aus zuständig sein werde. Das bestätigte auch Brasher: „Ich verspreche Ihnen, kein London 2.0 daraus zu machen.“Neuer Geschäftsführer der Agentur soll Schindlers langjähriger Freund und Ansprechpartner Holger Kranz werden, der derzeit noch bei der städtischen Tourismus und Congress GmbH angestellt ist. Man werde jedoch von der Expertise der Londoner profitieren und auch mit ganz anderen technischen Möglichkeiten den Marathon weiterentwickeln können, hieß es von den bisherigen Veranstaltern. Das betreffe auch den Versuch, mehr Läuferinnen und Läufer zuzulassen. Dafür galten die Streckenführung und das Ziel in der Festhalle bislang als limitierende Faktoren. Brasher sprach davon, mehr Frauen und jüngere Sportler zum Start vor das Messegelände locken zu wollen. In dieser Hinsicht sind sich beide Bewerber einig.