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FRI · 2026-04-10 · 13:51 GMTBRIEF NSR-2026-0410-62006
News/Botschafterin aus Frankfurt: Wieso man heute noch Weinkönigi…
NSR-2026-0410-62006News Report·DE·Social Justice

Botschafterin aus Frankfurt: Wieso man heute noch Weinkönigin wird

Der Artikel beleuchtet die Rolle der Weinkönigin im Wandel der Zeit, am Beispiel von Kay Antje Lorenz, der Frankfurter Weinkönigin. Früher lag der Fokus auf Repräsentation und Äußerlichkeiten, heute sind Fachwissen, Medienpräsenz und Schlagfertigkeit gefragt.

FAZFiled 2026-04-10 · 13:51 GMTLean · Center-RightRead · 6 min
Botschafterin aus Frankfurt: Wieso man heute noch Weinkönigin wird
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Der Artikel beleuchtet die Rolle der Weinkönigin im Wandel der Zeit, am Beispiel von Kay Antje Lorenz, der Frankfurter Weinkönigin. Früher lag der Fokus auf Repräsentation und Äußerlichkeiten, heute sind Fachwissen, Medienpräsenz und Schlagfertigkeit gefragt. Lorenz demonstriert dies, indem sie aktiv im Weinberg mitarbeitet und Social Media nutzt, um für den Weinbau zu werben. Die Weinkönigin muss Weinbauwissen besitzen und sich mit Themen wie Biodiversität und Nachhaltigkeit auseinandersetzen. Das Amt hat sich von einem folkloristischen Symbol zu einem anspruchsvollen Kommunikationsjob entwickelt, bei dem die Repräsentantin auch aktiv mitarbeitet.

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The competition was renamed to 'Wahl der Deutschen Weinmajestät'.

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In 2025, the German Wine Queen competition allowed male candidates for the first time.

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Kay Antje Lorenz is the current Wine Queen from Frankfurt.

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The role of Wine Queens has evolved from appearance-focused to requiring media presence and expertise.

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Today's Wine Queens discuss topics like biodiversity and export markets.

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Full report

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Als Weinkönigin muss man konsequent bleiben. „Ich muss Wein trinken“, sagt Kay Antje Lorenz lachend, als die Mehrheit am Tisch Ebbelwei und Bier bestellt. Auch wenn sie bei der Eröffnung der Dippemess zwei Stunden zuvor noch mit großem Enthusiasmus beim Bierausschank ausgeholfen hat. Sie stellt sich in den Dienst der Sache, ohne sich dabei in den Vordergrund zu drängen. Veranstaltungen wie diese gehören zu den wichtigsten Terminen, die sie während ihrer Amtszeit wahrnehmen muss.Zwei Wochen zuvor steht sie bei ungemütlichen Temperaturen im Weinberg. Statt Kleid trägt sie Arbeitshose und -schuhe. Statt Fahrgeschäften und lauter Musik hört man lediglich das Knacken der Reben und das Rauschen des Windes. Der Himmel ist trüb, und es ist kalt. Es ist höchste Zeit für den Winterschnitt. Noch ein paar warme Tage mehr, wie in den Wochen zuvor, und es wäre schon zu spät. Neben ihr arbeitet Fabian Schmidt, der neue Pächter des städtischen Weinguts, konzentriert mit der Rebschere. Auch Lorenz greift zum Werkzeug. Für sie ist es wichtig, nicht nur zu repräsentieren, sondern auch selbst mit anzupacken.An diesem Morgen werden ihre unterschiedlichen Rollen deutlich. Während der Arbeiten im Weinberg wird sie immer wieder von der Social-Media-Managerin des Weinguts zu Videoaufnahmen gebeten. In traumhafter Kulisse werden Clips für Instagram aufgenommen, selbstverständlich auch bei der Arbeit an den Reben.Kay Antje Lorenz packt im Weinberg mit an.Lukas Alfons WeisbrodLedig, attraktiv, weiblich und reine Dekofiguren, die nur lächeln und winken müssen. Die Liste der Vorurteile über Weinköniginnen und ihre Prinzessinnen ist lang. Über Jahrzehnte stand bei den Weinmajestäten das Erscheinungsbild im Vordergrund, weniger das Wissen. Doch die Welt der Weinköniginnen hat sich still und gründlich verändert. Spätestens seit den Neunzigerjahren befindet sich das althergebrachte Bild im Wandel. Wo früher oft Dirndl, Diadem und höfisches Lächeln genügten, sind heute Schlagfertigkeit, Medienpräsenz und Fachwissen gefragt. Die Bewerberinnen sind längst Unternehmerinnen in eigener Sache. Ohne eigene Social-Media-Präsenz geht nichts mehr. Früher war das Krönchen ein folkloristisches Symbol, inzwischen hat sich das Amt zum anspruchsvollen Kommunikationsjob entwickelt.Abkehr vom KlischeeWenn sich die neuen Weinmajestäten auf den Bühnen präsentieren, sprechen sie über Biodiversität, Nachhaltigkeit und Exportmärkte statt über Tanzschritte beim Winzerfest. Den vorläufigen Höhepunkt der Entwicklung stellte die Wahl zur Deutschen Weinkönigin 2025 dar, bei der sich mit Felix Grün (Mittelrheinweinkönig) und Levin McKenzie (Rheinhessischer Weinkönig) erstmals zwei Männer um die Krone bewerben durften. McKenzie qualifizierte sich sogar für die im Fernsehen übertragene Endausscheidung. Deshalb wurde der Wettbewerb im vergangenen Jahr in „Wahl der Deutschen Weinmajestät“ umbenannt.Dass heutige Weinmajestäten wenig mit den alten Klischees gemein haben, zeigt die aktuelle Frankfurter Weinkönigin Kay Antje Lorenz. Ihre Bewerbung war eine spontane Angelegenheit, erst kurz vor Bewerbungsschluss reichte sie ihre Unterlagen ein. Auf die Frage, ob sie denn schon ein Dirndl besitze, antwortete sie dabei selbstbewusst, dass dies nicht nötig sei. Ein wenig Nostalgie herrscht aber dann doch auch in der heutigen Zeit, und so legte sie sich eins für ihre Amtseinführung zu. Anders als viele ihrer Kolleginnen ist Lorenz keine Winzerstochter, sondern Quereinsteigerin. Vor Jahrzehnten wäre das noch undenkbar gewesen. Zum Wein kam sie über ihren Großonkel, in dessen Weingut sie als Kind Traubensaft verköstigen durfte.Lorenz strebt hoch hinausBeruflich hatte es sie erst einmal in eine andere Richtung verschlagen. Als Flugbegleiterin reist sie seit 15 Jahren um die Welt. Parallel dazu hat sie in Gießen einen Bachelor in Ökotrophologie erworben. Doch das Thema Wein hat Lorenz nie aus den Augen verloren. Folgerichtig hat sie sich dazu entschieden, auch noch an der renommierten Hochschule Geisenheim im Rheingau einen Master in Weinanbau und Önologie draufzusetzen. Ihr ist es wichtig, zu betonen, dass sie ihr Studium nicht als „von der Allgemeinheit finanziertes Hobby“ betrachtet. Zwar liebt sie ihren Job über den Wolken und will ihre Karriere als Flugbegleiterin nicht an den Nagel hängen. Eine zusätzliche Tätigkeit in der Weinbranche, etwa ein eigener Wein, ist aber ihr großer Traum.Doch selbst im modernen Weinwesen haftet ihr ob ihrer Herkunft ein gewisser Exotenstatus an. Als Frankfurterin, noch dazu ohne Winzerfamilie im Hintergrund, wird man in traditionellen Kreisen gerne belächelt. Trotz der Zugehörigkeit zum Rheingau ist der Frankfurter Wein selbst vielen Urfrankfurtern völlig unbekannt. Gerade deshalb ist Lorenz' Rolle als vierte Trägerin der 2017 erstmals vergebenen Krone so besonders: Sie ist Weinkönigin einer Stadt, die sich selbst kaum als Weinregion versteht. „Viele Frankfurter wissen gar nicht, dass hier überhaupt Wein angebaut wird“, sagt sie.Als Weinkönigin steht man in engem Austausch mit Weinmajestäten aus anderen Regionen. Der Karriereweg zur Deutschen Weinkönigin ist dabei streng vorgegeben. Angefangen als Ortsweinkönigin ist der nächste Schritt die Wahl zur Gebietsweinkönigin. Als solche ist man im Folgejahr zur Teilnahme an der Wahl zur Deutschen Weinkönigin berechtigt. Lena Roie, Lorenz' Vorgängerin im Amt, wurde im vergangenen September als erste Frankfurterin zur Rheingauer Weinkönigin gewählt. Damit stellt der Spross eine Schaustellerfamilie in einem Wettbewerb, der bisher von klassischen Weinbauorten wie Oestrich-Winkel dominiert wurde, eine echte Rarität dar. Ihre Kür stieß bei manchen Traditionalisten im Rheingau auf Argwohn.Wer nun allerdings denkt, dass sie sich von etwaigen Vorurteilen entmutigen lässt, kennt Kay Antje Lorenz nicht. Sie empfindet die spitzen Bemerkungen eher als Herausforderung. Dass viele die Mainmetropole nicht mit Weinbau verbinden, sieht sie als Ansporn.Eine Welt der GegensätzeEs ist ihr ein Herzensanliegen, den Frankfurter Wein in der Stadt und der Region bekannt zu machen. Lorenz will zeigen, dass Frankfurt neben Banken und Hochhäusern noch viel mehr zu bieten hat. Für sie ist der Frankfurter Wein ein Stück Identität, das (wieder-)entdeckt werden will. Ihr Lieblingsort ist der Lohrberg. Seitdem sie vor zehn Jahren nach Bornheim gezogen ist, gehört der Berg einschließlich seiner zugehörigen Gärten zu ihren bevorzugten Erholungsorten. Besonders genießt sie den Ausblick auf die Skyline von „Mainhattan“.Am Lohrberg, wo sich ein kleiner Teil der Rebfläche des städtischen Weinguts ausbreitet, sieht sie nicht nur Reben, sondern auch Potential, das bisher zu wenig genutzt werde. Dabei könnte der Berg doch eigentlich ein beliebtes Naherholungsgebiet mit Kulturangebot sein.Eine Möglichkeit, die Fabian Schmidt beim gemeinsamen Rebenschneiden im Weinberg in den Raum stellt, ist das Aufstellen eines Weinstands zu besonderen Anlässen. Seit Januar ist er der neue Pächter des Frankfurter Weinguts. Auch er ist Quereinsteiger und hat als Sohn eines Bankkaufmanns und einer Arzthelferin einen eher ungewöhnlichen Werdegang für einen Winzer. Mit Anfang 40 und ohne familiären Hintergrund im Weinbau steht er mit seinem Hochheimer Bioweinbaubetrieb stellvertretend für eine neue Generation an Winzern, die althergebrachte Strukturen infrage stellen.Gute Laune bei schlechtem Wetter: Lorenz mit Vorgängerin Lena Roie und Winzer Fabian SchmidtMichael HinzDa lag es nahe, sich auf die Ausschreibung der Stadt zu bewerben, die sich eine ökologischere Ausrichtung ihres Weinguts wünschte. Schmidt, auch in bekannten Restaurant- und Weinführern wie dem Gault-Millau empfohlen, konnte mit seinem Konzept überzeugen und erhielt den Zuschlag. Die Modernisierungen rund um die Wahlen der Weinmajestäten begrüßt er. „Wir sind eine offene Branche“, sagt Schmidt. Warum also solle nicht auch ein Mann „Deutsche Weinkönigin“ werden oder eben eine Frau wie Lorenz für Frankfurt als Weinbauort werben?Doch der Glanz des Amtes hat auch seine Schattenseiten. Gerade bei Veranstaltungen, bei denen der Wein im Mittelpunkt steht, verschwimmen leicht die Grenzen zwischen Feierlaune und Übergriffigkeit. „Wenn der Alkoholpegel steigt, sinken bei manchen Männern die Hemmungen“, sagt Lorenz. Mit Mitte dreißig hat sie gelernt, Grenzen zu setzen. Doch sie weiß, dass dies für viele jüngere Kolleginnen schwieriger ist. „Die meisten sind gerade einmal 18 oder 19.“ Lorenz spricht offen über kritische Aspekte. Ihr ist auch klar, dass Weinköniginnen für ein Produkt werben, dass auch Risiken birgt. „Ich mache Werbung für eine Droge“, gibt sie zu und betont, einen verantwortungsvollen Umgang vermitteln zu wollen. Der Genuss soll im Vordergrund stehen, nicht der Exzess.Ein Amt voller Verantwortung und ChancenLorenz trägt ihre Krone mit Selbstbewusstsein, aber ohne Dünkel. Sie ist für sie kein Symbol der Eitelkeit, sondern eines der Verantwortung. Zwischen Hochhäusern und Rebstöcken beweist sie, dass Weinkönigin sein heutzutage mehr als winken und lächeln bedeutet – und dass ein Glas Riesling manchmal mehr über Gleichberechtigung verrät als so manche Podiumsdiskussion.Zwei Jahre dauert die Amtszeit einer Frankfurter Weinkönigin. Was bleibt, ist mehr als nur ein Titel: Erfahrungen, Begegnungen und ein Netzwerk, das weit über die Stadtgrenzen hinausreicht. Kay Antje Lorenz will auf sich zukommen lassen, welche Türen vielleicht für sie aufgehen durch die Zeit als Repräsentantin.
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