Zwischen Karneval, Festival und Workout:
Querbeat treiben den Frankfurter Club
Zoom in eine euphorische Dauerschleife. Bass, Gitarren, klare Ansagen – und Momente, die man eher aus einem Fiebertraum kennt.„Geht’s euch gut – von der ersten bis zur letzten Reihe?“, fragt der Sänger
Jojo Berger euphorisch. Und schiebt direkt die wichtigere Frage hinterher: „Guckt mal nach links und rechts. Seid ihr mit den richtigen Leuten hier?“ Das ausverkaufte Frankfurter
Zoom antwortet lautstark mit einem eindeutigen Ja. Das ist das Zeichen für seine zehn Bandkollegen, um „Woiswaslos“ anzustimmen.Willkommen bei einem Konzert von
Querbeat – einer Band, die weiß, wie man Stimmung macht. Viele Hände gehen hoch, als Berger fragt, wer die Gruppe zum ersten Mal live sieht. „Habt ihr das Kleingedruckte gelesen?“, sagt er grinsend. Was er meint: Rund zwei Stunden Springen, Tanzen, kaum Verschnaufpausen und ein Energielevel, das sich irgendwo zwischen Karneval, Festival und Extremsport bewegt.
Querbeat, 2001 als Schülerband in
Bonn gegründet und heute in
Köln beheimatet, bringen von Beginn an Bewegung in die Halle. Mit Tuben, Trompeten, Posaunen, Saxofonen, Mellofon und Gitarren stürmt das Kollektiv elf Leute stark die Bühne.„Ihr seid alle Teil dieser Show“Musikalisch ist
Querbeat ein wilder, aber erstaunlich präziser Mix: Brasspop mit Jazz-Einflüssen, Festival-Vibes und einer guten Portion Punk-Attitüde. Die Band ist laut, verspielt und auf ihr Publikum ausgerichtet. „Ihr seid alle Teil dieser Show“, heißt es immer wieder, und es stimmt. „Nach links, rechts und wieder zurück“, diktiert Berger. Das Publikum gehorcht und springt in die entsprechende Richtung – es wird ein ausgiebiges Work-out. Der ganz normale Donnerstag wird kurzerhand und kollektiv zu einem Samstagabend erklärt. Beschluss gefasst, Realität angepasst. Bei dem Song „Romeo“, einem ironischen Liebeslied, sind die Fans mit „Dödödop“-Gegröle nicht nur emotional und lyrisch sicher dabei, sondern sie erleben währenddessen wohl auch den absurdesten Höhepunkt des Abends, ein Crowdsurfing-Rennen.Das wohl kleinste Crowdsurfing-Rennen Frankfurts„Wir fassen zusammen: Die richtigen Leute sind hier, das Team Randale ist am Start. Hat jemand Bock auf Tiere?“, fragt Berger, und die Menge flippt aus. „It is a match.“ Zwei aufblasbare pinkfarbene Pool-Flamingos werden in die ersten Reihen gereicht und zwei Freiwillige gesucht, die mutig oder einfach nur „bescheuert genug“ sind, wie Berger sagt. Zwei Frauen finden sich, springen auf den Flamingo und krallen sich fest. Auf vier geht es los, die Devise lautet: Gleichgewicht halten und bloß nicht herunterfallen. Die Menge katapultiert die beiden auf ihren Flamingos bis ans Ende der Halle. Wäre es ein Comic, sähe man nur eine Staubwolke. Die Gewinnerin des wohl kleinsten Crowdsurfing-Rennens in
Frankfurt erhält sogar eine Medaille.Das Rennen ist dabei mehr als nur ein Gag: Es zeigt, wie sehr
Querbeat ihr Publikum einbindet und wie schnell aus Fremden eine gemeinsame Masse wird. Die Band hebt immer wieder hervor, einen Safe Space zu schaffen: „Ihr dürft tanzen, wie ihr euch nie getraut habt – wie vorm Spiegel oder unter der Dusche.“ Und genau das passiert. Die Zuschauer lassen los, springen, lachen, verlieren sich im Moment, wenn
Querbeat ihre Songs wie „Ok Ciao“, „Randale & Hurra“, „Du und Deine Disko (Renate)“ und „Kein Kölsch für Nazis“ zum Besten geben. So endet ein Konzert, das sich weniger wie eine Show anfühlt, sondern eher wie ein Zustand.
Querbeat liefert einen intensiven Abend, bei dem die Fans am Ende verschwitzt, heiser und ein bisschen glücklicher nach Hause gehen.