Antea ObinjaOrbán: Opposition will Macht ergreifenKurz vor der Parlamentswahl in
Ungarn am Sonntag hat Regierungschef
Viktor Orbán den Ton gegen die Opposition noch einmal drastisch verschärft. Er warf seinen Gegnern am Freitag in einem Facebook-Post vor, „vor nichts zurückzuschrecken, um die Macht zu ergreifen“ und sich mit ausländischen Geheimdiensten zu verschwören.Die Opposition versuche, „Chaos, Druck und eine internationale Dämonisierung zu nutzen, um die Entscheidung des ungarischen Volkes infrage zu stellen“, schrieb Orbán weiter. Es gebe „Gewaltandrohungen“ gegen seine Anhänger, „frei erfundene Vorwürfe des Wahlbetrugs“ sowie „vorab organisierte Demonstrationen“ noch vor Beginn der Auszählung. Sein Herausforderer
Péter Magyar reagierte mit ähnlich scharfen Vorwürfen: Die
Fidesz-Partei begehe seit Monaten Wahlbetrug, organisiere Geheimdienstaktionen, Desinformation und Falschmeldungen, erklärte Magyar ebenfalls auf Facebook. „Das ändert nichts daran, dass Tisza diese Wahl gewinnen wird.“Orbán werde genau von den Leuten aus dem Amt entfernt werden, „die er verlassen und betrogen hat: Millionen von ungarischen Bürgern“, schrieb der Oppositionsführer weiter, der bis vor wenigen Jahren selbst
Fidesz-Mitglied und Teil des Systems Orbán war. Antea ObinjaWillkommen im Liveblog zur Parlamentswahl in
Ungarn Am Sonntag wählen die
Ungarn ein neues Parlament. 8,1 Millionen Wahlberechtigte sind aufgerufen, ihre Stimme abzugeben. Selten hat eine nationale Wahl in Europa auch über die Ländergrenzen hinweg so viel Aufmerksamkeit erregt. Schließlich geht es um die Frage, ob der langjährige Ministerpräsident
Viktor Orbán und seine
Fidesz-Partei an der Macht bleiben oder ob es nach 16 Jahren zu einem politischen Wechsel kommt. Wir begleiten die wichtigsten Entwicklungen rund um die Parlamentswahl hier live. Irem YildirimTrump stellt
Ungarn Wirtschaftshilfe in Aussicht falls Orbán gewinntKurz vor der Parlamentswahl in
Ungarn hat US-Präsident
Donald Trump dem Land wirtschaftliche Unterstützung zugesagt, falls Ministerpräsident
Viktor Orbán erneut gewinnt. Er sei bereit, „die volle wirtschaftliche Macht“ der USA einzusetzen, um
Ungarn zu helfen, erklärte Trump am Freitag auf seiner Onlineplattform Truth Social. Die USA würden sich darauf freuen, „in den künftigen Wohlstand zu investieren, der durch Orbáns fortgesetzte Führung entstehen wird“. Trump setzt damit seine höchst ungewöhnliche Wahlkampfhilfe für Orbán fort. Antea ObinjaKatarina Barley zur Wahl in
Ungarn: „Politisch wird sich nicht viel ändern“ Die Abgeordnete und Vizepräsidentin des EU-Parlaments, Katarina Barley, sieht in
Ungarn, auch wenn es zu einem Machtwechsel kommen sollte, keine großen Chancen auf eine politische Neuausrichtung. Der Oppositionskandidat
Péter Magyar sei „selbst ein
Fidesz-Gewächs, er ist dort zu politischer Macht auch aufgestiegen, das heißt er ist ein Konservativer in vielen Bereichen. Politisch wird sich nicht viel ändern, das sagt er auch“, so die SPD-Politikerin im Interview mit dem Fernsehsender phoenix. Allerdings gebe es bei einem Wahlsieg von
Péter Magyar die Aussicht, dass sich das Verhältnis Ungarns zur EU verbessern würde. Er werde „sicherlich nicht mehr als Blockierer auftreten, wie das bei
Viktor Orbán der Fall war, oder ist“, meint Barley. Antea ObinjaDas International Press Institute (IPI) fordert mit Blick auf den möglichen Machtwechsel in
Ungarn eine Reform des Mediensystems im Land. In den vergangenen 16 Jahren habe die rechtskonservative
Fidesz-Partei von Ministerpräsident
Viktor Orbán das „ausgefeilteste System“ zur Vereinnahmung der Medien installiert, das jemals in der Europäischen Union entwickelt worden sei, erklärte die Organisation am Freitag in Wien. Wie genau
Viktor Orbán die Medienlandschaft umgebaut hat und warum ihm dies bei der Wahl trotzdem zum Verhängnis werden könnte, hat unser
Ungarn-Korrespondent Alexander Haneke hier zusammengefasst:Antea ObinjaLange galten die Provinzen als Hochburgen der
Fidesz, doch auch auf dem Land wächst der Unmut über
Viktor Orbán. Grund dafür ist auch die grassierende Korruption. Im Örtchen Nagykölked etwa, wo unser Korrespondent Alexander Haneke Menschen getroffen hat, die sich gegen eine illegale Mülldeponie zur Wehr setzen. Antea ObinjaZuletzt war sogar US-Vizepräsident J.D. Vance nach
Ungarn gereist, um Orbán im Wahlkampf beizuspringen. Antea ObinjaDoch nicht nur Russland, auch die USA mischen munter im Wahlkampf mit: So wandte sich US-Präsident Trump am Donnerstag direkt an die
Ungarn. „Geht raus und stimmt für
Viktor Orbán. Er ist ein echter Freund, Kämpfer und Sieger und hat meine komplette und totale Unterstützung für die Wiederwahl als Ministerpräsident von
Ungarn“, erklärte Trump auf der Plattform Truth Social.Antea ObinjaNach Berichten darüber, dass
Ungarn Informationen an Russland weitergegeben hat, dringt die EU-Kommission auf Aufklärung.Die Medienberichte wiesen auf „die alarmierende Möglichkeit hin, dass die Regierung eines Mitgliedstaats mit Russland koordiniert und damit aktiv gegen die Sicherheit und die Interessen der EU sowie aller ihrer Bürger arbeitet“, sagte eine Sprecherin der EU-Kommission am Freitag.Um welche Vorwürfe es sich handelt, haben unsere Korrespondenten Alexander Haneke und Friedrich Schmidt zusammengefasst:Antea ObinjaWer ist Hoffnungsträger
Péter Magyar?Orbáns Herausforderer, der 45 Jahre alte
Péter Magyar, war früher selbst Mitglied bei
Fidesz. Im Jahr 2024 brach er mit seinem einstigen Idol
Viktor Orbán und übernahm den Vorsitz der damaligen Kleinstpartei Tisza. Die Partei steht, anders als
Fidesz, für einen pro-europäischen Kurs und bekennt sich klar zur Westbindung und zur NATO-Mitgliedschaft. Sie wird wahlweise als konservativ oder liberal-konservativ eingeordnet. Magyars politischer Neuanfang elektrisierte die Massen: Zu seiner ersten Kundgebung in Budapest kamen mehr als 100.000 Menschen. Antea ObinjaDas sagen die UmfragenSeit Monaten liegen der Oppositionsführer
Péter Magyar und seine Partei Respekt und Freiheit (Tisza) in den Umfragen vorn. Zuletzt sagten einige Erhebungen der Tisza sogar eine Zweidrittelmehrheit im Parlament voraus. Damit könnte die Partei die Verfassung sowie wichtige Gesetze ändern, die
Viktor Orbán in den vergangenen 16 Jahren erlassen hat, um das politische System in
Ungarn zu seinen Gunsten umzuformen.Simon HüsgenViktor Orbán ist mit rechten Bewegungen auf der ganzen Welt gut vernetzt und hat sein Land in den vergangenen Jahren zum europäischen Zentrum der rechten Internationalen gemacht. Wie dem Ungar das gelungen ist, hat unser Korrespondent Alexander Haneke aufgeschrieben:Antea ObinjaWarum ist die Wahl so wichtig?Der ungarische Ministerpräsident
Viktor Orbán ist seit 2010 an der Macht. Zuvor hatte er bereits von 1998 bis 2002 regiert. Er ist der engste Verbündete von US-Präsident Trump in der EU – und auch vom russischen Machthaber Wladimir Putin. In der EU gilt er als Quertreiber. Immer wieder torpedierte er Entscheidungen, die innerhalb der Union einstimmig gefällt werden müssen. Zuletzt etwa einen Kredit über 90 Milliarden Euro für die Ukraine. Die EU-Staaten werfen ihm seine Nähe zu Russland, seine Blockadehaltung in der Ukraine-Politik, Korruption sowie Defizite bei der Rechtsstaatlichkeit vor. In den vergangenen 16 Jahren hat er dank einer komfortablen Zweidrittel-Mehrheit im Parlament das politische System in
Ungarn verändert und das Wahlsystem auf sich und seine
Fidesz-Partei zugeschnitten. Trotzdem deuten die Umfragen darauf hin, dass am Sonntag erstmals seit langer Zeit ein Machtwechsel möglich sein könnte. TickarooLive Blog Software