Die Knöchelfrage bewegt den Wanderschuhkäufer, hoch bis über den Knöchel oder niedrig wie ein Turnschuh? Der
Hanwag Kaduro GTX weist einen Ausweg.Der Kompromiss steht nicht mehr allzu hoch im Kurs. Galt er in der angeblich so beschaulichen alten Welt der Bonner Republik noch als vielversprechendster Weg zum gesellschaftlichen Frieden, scheinen heute kantige Worte hoch im Kurs zu stehen. Dabei ist ein Mittelweg oft eine ziemlich feine Sache. Das gilt im Großen, aber auch für viel Profaneres. Wie die Höhe des Schafts eines Wanderschuhs. Ob der den Schuh zum Stiefel machen soll, in den an Nikolaus ein Berg Süßigkeiten passt, oder vielmehr schon vor dem Knöchel zu enden hat, dazu scheiden sich die Geister. Wie wäre es also mit dem halbhohen Wanderschuh? Angezogen haben wir
Hanwag Kaduro in der Ledervariante.Es gibt den Kaduro auch mit niedrigem Schaft, solche Schuhe bringen aber ihre Wermutstropfen mit sich. Es läuft einem schon Wasser in den Schuh, wenn ein kleines Rinnsal durchschritten wird. Die Knöchel dürfen frische Luft atmen, müssen aber die raue Wanderwelt aushalten, an Steinen vorbeischrammen und könnten ohne äußeren Schutz umknicken. Die Vorteile wiederum liegen auf dem Fuße: Die Schuhe sind leichter, die Träger genießen größere Bewegungsfreiheit.Test in den
Vogesen bestandenAuch das andere Extrem hat Nachteile. Der hohe Schaft findet sich meist an Schuhen, die schwer sind, am Knöchel schwitzt man. Überhaupt sind solche Schuhe im Sommer oft unpraktisch. Aber ihre Vorteile sollen nicht verschwiegen werden, sie schützen den umhüllten Knöchel vor Steinen, Gestrüpp und dem eigenen Körpergewicht, sollte ein Schritt mal nicht ganz sicher sitzen und das sonst so treue Gelenk nachgeben. Umschließen robuste Stiefel den Knöchel, bleibt er in solchen Fällen häufiger heile.Und der mittelhohe Schaft am
Hanwag Kaduro, vereint er nun die Vor- oder die Nachteile auf sich? Schwer ist er schon mal nicht, mit ein paar wenigen Wanderwegresten zwischen den Profilstollen vom Testlauf kam unser Schuh, Größe 42, auf 404 Gramm das Stück. Mittelhoch heißt im Falle des Kaduro übrigens, dass er etwa einen Zentimeter oberhalb der breitesten Stelle des Knöchels abschließt. Offene Schnürhaken haben die Kaduro zwei.Das war hoch genug, dass wir bequem und trockenen Fußes über den Wasserlauf kamen, der beim Test in den
Vogesen dem steilen Weg durch den Wald folgte. Unserer Erfahrung nach kann es auch bei gut geplanten Wanderungen immer mal wieder durchs hohe Gras, über grobe Steine oder eine Böschung gehen. Schon der halbhohe Schaft schützt bei alldem vor Steinchen, für deren Entfernung sonst der Schuh ausgezogen werden müsste, und vor Klettfrüchten am Knöchel.Diesen Kompromiss gehen wir einDie Kaduro Mid GTX gibt es in Schwarz mit grünen Schnürsenkeln und in hellbraun mit einem gelben Sprenkel an der Aussparung für die Achillessehne. Uns gefällt die Oberschicht aus Veloursleder, die darunterliegende Gore-Tex-Membran hielt stets dicht. Im Hochsommer haben wir den Schuh nicht testen können, vermuten aber, dass, wenn die Sonne brennt und auch am Rest des Körpers Schweiß fließt, die Füße in diesen Schuhen ebenso nicht trocken bleiben.Für alle anderen Jahreszeiten aber ist der halbhohe Kompromiss eine empfehlenswerte Wahl, mit 250 Euro hat sie auch ihren Preis. Die Stabilität, die der Schaft verleiht, ist zudem nicht zu unterschätzen. Wer ordentlich Gepäck durch die Gegend schleppt, der kann einen leichten, aber dennoch gelenkstützenden Schuh gut gebrauchen.In den Verruf geraten Kompromisse, wenn sie statt der Vor- die Nachteile verschiedener Standpunkte auf sich vereinigen. Der
Hanwag Kaduro lässt uns an ihre Kraft glauben. Hier finden sich viele der Vorteile von leichten, niedrigen und stabilen, hohen Wanderschuhen. Dieser Kompromiss scheint uns aller Ehren wert.