Das Wiesbadener
Luisenforum ist 2008 aus dem Umbau einer Immobilie der ehemaligen
Karstadt Warenhaus GmbH entstanden. Geträumt hat man von hochpreisigen Geschäften, nun zieht der Discounter Woolworth ein.Am Donnerstag nächster Woche wird der Non-Food-Discounter Woolworth eine neue Filiale im Wiesbadener
Luisenforum eröffnen. 850 der alles in allem 23.000 Quadratmeter Einzelhandels- und Gastronomiefläche des Zentrums wird die
Woolworth GmbH aus Unna belegen.Der Immobiliendienstleister CBRE hat im Herbst vergangenen Jahres das Center-Management von der deutschen Tochter des britischen Immobiliendienstleisters Savills übernommen. Die Vermietungslage war schon lange vor diesem Wechsel offenkundig nicht hinreichend. Folgerichtig kündigte die neue Center-Managerin
Sandra Moore von CBRE seinerzeit an, dass man mit einer „aktiven Vermietungsstrategie die Qualität des Centers nachhaltig verbessern“ wolle.Als eines der größten innerstädtischen Einkaufszentren Hessens nehme das
Luisenforum eine Schlüsselrolle für eine lebendige Wiesbadener Innenstadt ein, führte Moore seinerzeit weiter aus. Anfragen zum aktuellen Stand des Einkaufszentrums, das seit 2018 Teil des M&G European Property Funds ist, blieben unbeantwortet.Nahversorgung funktioniertDerzeit ist vor allem der Reste- und Überhangverwerter
TK Maxx in den oberen Geschossen Frequenzbringer. Im Untergeschoss bringen eine Filiale des Drogeriemarktes dm und eine Dependance des Lebensmittelriesen Rewe Kundenverkehr. Dagegen wird der Elektronikanbieter
Saturn zum Sommer dieses Jahres das
Luisenforum verlassen.„Während die Nahversorgung im Untergeschoss gut funktioniert, leiden die oberen Geschosse“, sagt
Joachim Will, Chef und Gründer des Wiesbadener Unternehmens Ecostra, das auf Standortanalysen, Nutzungskonzepte und Gutachten im Einzelhandel spezialisiert ist. In einer Mieterbefragung der Ecostra hatte das Forum im vergangenen Jahr den letzten Rang unter den Einkaufszentren des Rhein-Main-Gebiets eingenommen.Will geht davon aus, dass das
Luisenforum Woolworth „den roten Teppich“ ausgerollt hat, also CBRE den Non-Food-Discounter mit einem sehr günstigen Mietzins ins
Luisenforum gelockt hat. Wie schwierig die Lage offensichtlich ist, kann man nicht zuletzt daran erkennen, dass ein alteingesessener Wiesbadener Zweiradhändler eine nicht unerhebliche Ausstellungsfläche belegt. Gleich zwei Nagelstudios erwecken ebenfalls nicht den Eindruck, dass sich Einzelhändler um ein Ladenlokal im
Luisenforum reißen.Zieht aus: Der Elektronikmarkt
Saturn verlässt das
Luisenforum.Stefan NielandDas ursprüngliche Ziel, im Center das mittlere und obere Preissegment rentabel vermarkten zu können, hat sich offensichtlich nicht realisieren lassen, wie Branchenanalyst Will weiter sagt. Natürlich spüre auch das
Luisenforum die vielerorts heikle Lage der Innenstädte, von der auch
Wiesbaden nicht verschont bleibe.Bedenklich ist es aus Sicht Wills auch, dass es dem Center offensichtlich nicht oder nicht in ausreichendem Maß gelinge, vom Besucherstrom aus dem zum
Luisenforum gehörenden Parkhaus jenseits der Schwalbacher Straße zu profitieren. Und das, obwohl die Parkhausnutzer auf dem Weg zur Innenstadt durch eine Überführung unmittelbar in das Haupthaus des Centers geleitet würden.Das
Luisenforum kann offensichtlich auch nicht davon profitieren, dass der nahe gelegene Kaufhof seit Mitte 2023 geschlossen ist, also als Konkurrent ausfällt. Für Will ist das aber kein Widerspruch. Vielmehr wirke sich der „Leichengeruch“ des seitdem leer stehenden Kaufhofs negativ auf diesen Teil der Wiesbadener Kirchgasse aus.Dass auch in dieser heiklen Umgebung die Nahversorgung funktioniere, lässt sich Will zufolge am Lebensmitteldiscounter Lidl erkennen. Der betreibe eine bestens frequentierte Filiale schräg gegenüber dem geschlossenen Kaufhof. Dort hatte zuvor der Buchhändler Hugendubel eine große Filiale, bevor er Ende 2020 in eine kleinere Dependance am Mauritiusplatz umzog.