Ein Feinkostladen, der mehr ist als das: In
Frankfurt-Sachsenhausen führt
Claudia Gramlich mit dem „
Il Gusto“ eine seltene Mischform aus Laden und Lokal.Gastronomie und Einzelhandel sind schnelllebige Branchen geworden, wer länger als ein paar Jahre durchhält, ist etwas Besonderes. Eine Mischform aus Lokal und Laden führt in
Frankfurt-Sachsenhausen Claudia Gramlich. Dieser Tage ist das Geschäft 25 Jahre alt geworden.Es kann passieren, dass jemand bei ihr einkaufen will und erst einmal auf einen Kaffee oder ein Glas Wein vor der Tür eingeladen wird. An einem frühen Abend zum Beispiel, nachdem die Chefin mittags besonders viele Essen gekocht und dann noch Kisten ausgepackt hat mit Dingen, die den Kosmos bestücken, der „
Il Gusto“ heißt. „So wie andere ein Weingut machen wollten, so haben wir diesen Laden gemacht“, so hat Gramlich einmal gesagt. Eröffnet hat sie das „
Il Gusto“ im Jahr 2001 zusammen mit einem Freund,
Marcus Casagrande. Ihre Qualifikation war ein Studium der Volkswirtschaft, eine familiäre Bindung an das Gastgewerbe – die Großeltern besaßen drei Hotels – und die Liebe zum Kochen. Casagrande, Spross einer Frankfurter Familie italienischer Gastronomen, ist promovierter Chemiker.Familienfreundliche Rezepte und feine WarenWarum machen Akademiker einen Feinkostladen auf? An der Universität sei ihre Leidenschaft für das gewählte Fach schnell erkaltet, berichtet Gramlich. Nach dem Grundstudium habe sie aufhören und lieber Köchin werden wollen. Die Mutter riet ab, die Tochter hörte auf den Rat, studierte zu Ende. Arbeitete bei
Linde, aber nicht lange, machte sich schließlich 2001 mit ihrem Kompagnon selbständig. Dass die beiden ein Objekt an der
Schweizer Straße fanden, war Zufall; in die Lebensgeschichte von Gramlich fügt sich das gut. In Sachsenhausen ist sie 1973 als Claudia Leber geboren, in Sachsenhausen lebt sie mit ihrer Familie; mit ihrem Mann, einem Neffen des früheren Eintracht-Präsidenten
Klaus Gramlich, hat sie drei Kinder. Sie kocht viel und gerne, für den Mittagstisch im Laden, auch zuhause. Jeden Sonntag verschickt sie einen Newsletter an ihre Kunden, immer mit einem Rezept, oft haben die den Hinweis, dass sie familienfreundlich schnell zuzubereiten seien.Frank RöthDas „
Il Gusto“ führte Gramlich nach der Eröffnung schnell allein, Casagrande stieg bald aus. Gramlich verkaufte Käse, Wurst, Wein, Gewürze. Belegte Brötchen, edle Konserven. Messer, Dekorationsartikel und Schmuck kamen hinzu, heute gibt es bei ihr auch Handtaschen und Schals, Kerzen und Vasen, Geschirr und Geschirrtücher, auch mal Hausschuhe und Armbänder. So gut wie alle Dekoartikel haben einen kulinarischen Bezug. Es sind hochwertige Kleinigkeiten; wer dafür einen Sinn hat, findet in dem Geschäft immer ein Mitbringsel oder ein Geschenk.Mittagstisch als stabile SäuleWas man dort sonst noch bekommt: Essig, Öl und Wein, Gewürze und Nudeln und Schokolade, Likör und Oliven und Marmeladen zum Beispiel. Schwerpunkt des Sortiments ist Italienisches. Die Käsetheke ist üppig bestückt (probieren: den cremigen Gorgonzola mit Rosé-Bio-Prosecco), über Salami-Sorten kann man mit Gramlich lange reden und kann viele bei ihr kaufen.Eine besonders stabile Säule ist der „
Il Gusto“-Mittagstisch, man kann in und vor dem Laden essen, viele nehmen die Gerichte aber auch mit. Gramlich kocht, was fast alle mögen, Hänhchen-Curry etwa, Gemüsetöpfe, Lasagne mit und ohne Fleisch, liebevoll, immer mit sehr guten Zutaten und einer Begabung für feine Würze. Privat reist sie gerne, besucht, wo sie ist, gute Restaurants, sie ist polyglott und heimatverbunden. Und eigensinnig, das kann sie sich leisten. Wer für ein Rezept zum Beispiel eine feine Mortadella braucht, der bekommt sie bei ihr. Wer Provolone sucht, hat kein Glück. Langweiliges führe sie nicht, sagt sie dann schon mal.