Die Anhänger des
AFC Bournemouth glaubten, eine vermeintliche Schwäche des FC Arsenal ausgemacht zu haben. „Second again, olé, olé“, skandierten sie mit süffisanter Beharrlichkeit. Wieder nur Zweiter, hieß das. Der Spott zielte auf das beinahe unermessliche Verlangen der Londoner, nach 22 Jahren endlich wieder die englische Meisterschaft zu gewinnen. In den vergangenen drei Spielzeiten hatte die Mannschaft von Trainer
Mikel Arteta jeweils den zweiten Platz belegt – trotz teils zwischenzeitlicher Tabellenführungen gegen Saisonende –, woraufhin die Fußballöffentlichkeit auf der Insel den Gunners Nervenschwäche unterstellte. Auf eine solche hofft in dieser Saison der einzige verbliebene Verfolger
Manchester City, um den Tabellenführer aus London noch abzufangen.In dieser Hinsicht dürfte Arsenals Ligaspiel gegen Bournemouth am Samstagmittag der Konkurrenz neue Zuversicht verliehen haben. Denn die Gunners verloren nach zuletzt vier Ligasiegen in Serie im eigenen Stadion überraschend 1:2 – und boten dabei wenige Tage vor dem Rückspiel im Champions-League-Viertelfinale gegen Sporting Lissabon eine Darbietung, die an mentaler Fragilität kaum zu überbieten war. Dies zeichnete sich früh ab, als Bournemouths
Junior Kroupi die Gäste in der 17. Minute nach einer abgefälschten Flanke in Führung brachte. Die Heimanhänger verstummten, die Gesänge aus dem Gästeblock waren umso deutlicher zu hören.City-Triumph im Ligapokal:Guardiolas Gefühlsexplosion nach traurigen WochenDer 2:0-Finalsieg gegen Arsenal erspart dem City-Trainer nach dem Champions-League-Aus und einer Durststrecke in der Liga eine weitere titellose Saison. Die beiden Tore von Talent O’Reilly feiert Guardiola in Wembley mit Luftsprüngen.Obwohl Arsenal kurz darauf durch einen verwandelten Handelfmeter von
Viktor Gyökeres (35. Minute) ausgleichen konnte, gelang es der Heimelf nicht, zwingende Torchancen zu entwickeln. Als wesentliches Problem erwies sich, dass die eigene Überlegenheit bei Standards nachlässt. Die Konkurrenten haben sich im Verlauf der Saison auf Arsenals Varianten besser eingestellt. Gegen Bournemouth sorgten nur wenige der zehn Ecken für Gefahr – ein direktes Tor resultierte daraus nicht, wie schon im vergangenen Heimspiel gegen Everton (acht Ecken).
Manchester City hat neun Punkte Rückstand, allerdings zwei Partien weniger absolviertStattdessen häuften sich leichte Ballverluste, technische Missgeschicke, ungenau ausgeführte Standards – darunter ein fast kapitaler Fehler des spielstarken Torhüters David Raya. In der 56. Minute wollte er nach einem Rückpass den Ball mit dem Außenrist zu einem Mitspieler weiterleiten, rutschte jedoch ab. Der Ball flog auf den gegnerischen Angreifer Evanilson zu, der nicht rechtzeitig reagieren konnte und ihn nur ins Toraus abfälschte. Trainer Arteta konstatierte ernüchtert, es habe „einige ganz grundlegende Dinge“ gegeben, die sein Team „extrem schlecht gemacht“ habe.Die erneute Führung für Bournemouth erzielte Alex Scott, als er nach Zuspiel von Evanilson aus dem Mittelfeld durchbrach und freistehend aus elf Metern das 2:1 (74.) markierte. Das Ergebnis war angemessen, weil Arsenal insbesondere in der zweiten Halbzeit hektisch und strategisch unüberlegt agierte. Die Spieler schienen sich von der unruhigen Atmosphäre im Stadion leiten zu lassen. Die Anhänger versuchten, die eigene Elf nach vorn zu treiben, ließen dabei allerdings Geduld vermissen. Ihr Aufbegehren, sobald der Ball nicht direkt nach vorn gespielt wurde, verunsicherte die Spieler zusätzlich. So kam Arsenal mit zunehmender Spieldauer die Souveränität abhanden; die Abstände zwischen den Mannschaftsteilen wurden zu groß, sodass ein gepflegtes Kombinationsspiel kaum mehr möglich war.Auch Artetas Dreifachwechsel in der 54. Minute, der zu diesem frühen Zeitpunkt nicht zwingend notwendig erschien, entfaltete nicht die gewünschte Wirkung. Damit beraubte er sich der Möglichkeit, später gezielt nachlegen zu können. Am Seitenrand schlug er nach misslungenen Szenen immer wieder die Hände vors Gesicht; er litt sichtbar mit seinen Spielern. „Das ist ein heftiger Schlag ins Gesicht“, gab Arteta zu: „Jetzt kommt es darauf an, wie wir reagieren.“Durch die Niederlage hat nun auch
Manchester City den Titel wieder in eigener Hand. Das Team von Trainer Pep Guardiola hat zwar neun Punkte Rückstand auf die Londoner. Es könnte jedoch mit Siegen im Auswärtsspiel beim FC Chelsea am Sonntag, im direkten Duell mit Arsenal am folgenden Spieltag sowie in der Nachholpartie gegen Crystal Palace gleichziehen. Dann würde das Torverhältnis entscheiden, bei dem die Gunners derzeit noch leicht im Vorteil sind. Immerhin können die Fans des FC Arsenal der Konkurrenz zurufen, dass sie vorerst weiterhin Erster sind.