Der sterbende Buckelwal bewegt weiterhin die Gemüter: Am
Kirchdorfer Hafen bildete sich eine spontane Menschenkette. Einige der Demonstranten laufen ans gesperrte Ufer – andere wollen Geld spenden.Seit zwölf Tagen treibt der verletzte Buckelwal in der
Wismarbucht vor der
Insel Poel und zeigt weiterhin Lebenszeichen. Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister
Till Backhaus (
SPD) hält eine Rettung inzwischen für ausgeschlossen. Dennoch bildeten am Samstagmittag etwa 150 Menschen im Hafen eine Menschenkette, um für die Rettung des Meeressäugers zu demonstrieren, sagte eine Polizeisprecherin.Einige Stunden später versammelten sich laut
Polizei am
Kirchdorfer Hafen auf der
Insel Poel etwa 170 Menschen, um für die Rettung des Wals einzutreten. Zudem habe es auf der Insel am Samstag weitere spontane Versammlungen mit gleicher Intention gegeben – eine führte bis an den Sperrbereich. Mehrere Menschen betraten laut
Polizei die gesperrte Zone, teils liefen sie dort bis zum Ufer.Menschen wollen Geld spenden – Wal gibt weiter Geräusche von sichEs gibt es auch zahlreiche Spendenaufrufe. Backhaus erklärte dazu: „Ich finde es grundsätzlich großartig, dass so viele Menschen bereit sind, dem Tier zu helfen – auch monetär.“ Doch die Rettung des Wals werde nicht wegen Geldmangels aufgegeben, sondern wegen seines Gesundheitszustands, der Belastung und der fehlenden Perspektive für ihn.Wie ein dpa-Reporter vor Ort berichtete, liegt das Tier seit dem 31. März an der gleichen Position und gibt weiter Geräusche von sich. Demnach stoße der rund zwölf Meter lange Meeressäuger auch regelmäßig Luft aus. Die aufgebauten Wassersprenger benetzen das verletzte Tier zudem weiter mit Wasser.Keine weiteren Rettungsversuche geplantDie letzten Rettungsversuche für den Buckelwal wurden am 1. April eingestellt. Seitdem wird das Tier rund um die Uhr von Einsatzkräften der
Polizei und
Feuerwehr begleitet. Weitere Rettungsversuche sind aufgrund des schlechten Gesundheitszustands des Wals nicht geplant. Man wolle das Tier jetzt „in Frieden gehen lassen“, so Backhaus.Fachleuten zufolge liegt das Tier im Sterben. Der Wal reagiere nicht mehr auf Boote, was laut
Bianca König von der Tierschutzorganisation
Whale and Dolphin Conservation (WDC) Deutschland ein Zeichen für den Sterbeprozess sei. Am vergangenen Dienstag hatten Expertinnen und Experten gemeinsam mit Umweltminister Backhaus aktuelle Erkenntnisse zum Zustand des Wals präsentiert. Das Tier soll demnach weder lebendig geborgen werden, noch könne es sich selbst freischwimmen. Dazu seien der Wasserstand zu niedrig und die Kräfte des Wals zu gering, erklärte der Direktor des Deutschen Meeresmuseums, Burkard Baschek.Umweltministerium: Kein Einfluss auf die WasserqualitätDer gestrandete Buckelwal hat aktuellen Erkenntnissen zufolge keinen Einfluss auf die Wasserqualität in der
Wismarbucht in der Ostsee. Wie das Umweltministerium Mecklenburg-Vorpommerns mitteilte, geht von dem sterbenden Tier keine Gefahr für die Umwelt oder öffentliche Gesundheit aus.„Die Proben wurden ausgewertet, und ich kann sagen, dass das Wasser bei dem Wal Badewasserqualität hat“, sagte der zuständige Minister Backhaus in der Pressemitteilung. Demnach sind keine Grenzwerte überschritten worden. Zuvor war das Landesamt für Gesundheit beauftragt worden, den Zustand des Wassers bei dem Wal vor der
Insel Poel zu untersuchen.
Polizei und
Feuerwehr kämpfen mit DrohungenUm Falschmeldungen rund um das gestrandete Tier vorzubeugen, beantwortet das Umweltministerium nun auf seiner Internetseite die am häufigsten gestellten Fragen. „Am Ende werden wir nicht alle Verschwörungstheorien aufnehmen und widerlegen können“, erklärte der Umweltminister. Dennoch werde die Seite fortgeschrieben, wenn es erforderlich sei.Zudem beklagt Backhaus, dass die Helfer der
Polizei und
Feuerwehr für ihre Arbeit beim Wal mit Schmähungen und Drohungen zu kämpfen haben. „Ich würde mir wünschen, dass diese Leistung öffentlich gewürdigt würde.“ Der Umgang mit den Einsatzkräften vor Ort sei demnach nicht hinnehmbar. Zukünftig werden die zuständigen Behörden gegen strafrechtlich relevante Vorgänge vorgehen, teilte der Minister mit.