PfadnavigationHomePanoramaVerdacht VolksverhetzungNach Einsatz wegen
Roma-Familie in Kölner Klinik – Ermittlungen gegen PolizistenStand: 12.04.2026Lesedauer: 3 MinutenDie Universitätsklinik KölnQuelle: picture alliance/Bildagentur-online/SchoeningEin Polizeieinsatz wegen einer 25-köpfigen
Roma-Familie in der Uniklinik Köln hat ein Nachspiel: Die Polizei in
Bonn ermittelt nun gegen sechs Kölner Beamte wegen des Anfangsverdachts der Volksverhetzung. Bodycam-Aufnahmen sollen ausgewertet werden.Eine
Roma-Familie feierte im Dezember 2025 die Geburt eines Kindes im Foyer der Uniklinik Köln und löste damit einen Polizeieinsatz aus. Das Ergebnis: Eine Beschwerde gegen die Uniklinik vom Verein Rom, der sich für Rechte von Sinti und
Roma einsetzt, sowie Strafanzeige und Dienstbeschwerde beim Polizeipräsidium Köln. Nun steht fest: Der Einsatz könnte weitreichende Folgen für sechs Polizisten haben. Das Polizeipräsidium
Bonn ermittelt gegen sechs Polizisten wegen des Anfangsverdachts der Volksverhetzung. Die Staatsanwaltschaft hat geprüft, ob ein Anfangsverdacht vorliegt – und diesen nun bestätigt, berichtet der „
Kölner Stadtanzeiger“. Oberstaatsanwalt
Ulrich Bremer sagte der Zeitung, die Ermittler seien zunächst damit beschäftigt, Zeugen zu vernehmen. Die Bonner Polizei habe aus Neutralitätsgründen die Ermittlungen gegen die Kölner Kollegen übernommen. Von dem Polizeieinsatz würden auch Bodycam-Aufnahmen vorliegen. Was genau auf den Aufnahmen zu sehen ist, könne aber „mit Blick auf die laufenden Ermittlungen“ noch nicht mitgeteilt werden.Lesen Sie auchDer Verein Rom, der auch Mitglied im Paritätischen Wohlfahrtsverband ist, hatte den Fall im Dezember 2025 publik gemacht. Laut dem Verein war es am 5. Dezember im Foyer der Uniklinik Köln zu „schwerwiegenden Vorfällen diskriminierender Behandlung durch Klinikpersonal sowie eingesetzte Polizeikräfte“ gegen eine 25-köpfige
Roma-Familie gekommen.Nach Angaben der Betroffenen, „der Familie S. mit insgesamt 25 Personen“, hätten die Angehörigen den Besuch der frisch entbundenen Mutter und ihres Neugeborenen mit einem gemeinsamen Essen im offenen Foyer des Klinikgebäudes verbinden wollen. Doch: „Kurz nach der Ankunft soll eine leitende Ärztin die Gruppe laut und ohne Begründung aufgefordert haben, das Gebäude zu verlassen, und unverzüglich die Polizei alarmiert haben“, schrieb der Verein in einer Mitteilung.Lesen Sie auchLaut der betroffenen Familie sind die Polizeikräfte „ohne vorherige Klärung des Sachverhalts in scharfem Ton aufgetreten“ und hätten die Mitglieder sofort gefragt, ob sie zu einer bekannten
Roma-Großfamilie gehörten. Auch sollen die Polizisten Aussagen getätigt haben, die von den Mitgliedern der
Roma-Familie als „rassistisch und antiziganistisch“ empfunden worden seien. Bei Antiziganismus handelt es sich um eine spezielle Form des Rassismus, die sich gegen Sinti und
Roma richtet.Lesen Sie auchDer Verein behauptete weiter, dass die Familie den Beamten vorgehalten habe, dass ihr Vorgehen an die NS-Zeit erinnere. Daraufhin soll ein Polizist laut dem Verein gefragt haben: „Was war so schlecht im Nationalsozialismus?“Klinik stellte Sachverhalt anders darLaut der Klinik stellte sich die Situation anders dar. Ein Sprecher schilderte gegenüber dem „
Kölner Stadtanzeiger“, es sei im Foyer an besagtem Tag zu mehreren Situationen gekommen, „die von Mitarbeitenden sowie von Patientinnen, Patienten und weiteren Besuchenden ‚als belastend‘ empfunden wurden“. Die Familie sei dann „wiederholt und in respektvoller Weise“ gebeten worden, die Hausordnung zu beachten.Da sich die Situation trotz dieser Hinweise nicht entspannt habe, sei die Familie gebeten worden, den Foyerbereich der Klinik zu verlassen. Statt der Bitte zu folgen, sei es zu „angespannten Wortwechseln“ gekommen, weshalb die Polizei verständigt worden sei.saha