Grund zum Jubeln gab es für den
VfL Wolfsburg nur weit nach dem Schlusspfiff. Weil der
FC Bayern München seine Pflichtaufgabe im Abendspiel beim
FC St. Pauli ernst nahm und 5:0 siegte, entwickelte sich der 29. Spieltag der Fußball-Bundesliga für den millionenschweren VW-Klub immerhin nicht zu einem kompletten Desaster. Fünf Spieltage vor dem Saisonende beträgt der Rückstand auf die Hamburger auf dem Relegationsplatz weiter vier Punkte.Das war aber auch die einzige positive Erkenntnis an diesem Samstag, der die Niedersachsen ansonsten einen weiteren Schritt in Richtung zweite Liga brachte. Denn bevor der vermeintlich einzige realistische Konkurrent im Kampf um den Klassenverbleib gegen die Bayern unterging, verloren auch die Wolfsburger ihr Heimspiel gegen
Eintracht Frankfurt 1:2 (0:2).Vereinsnegativrekord für den VfLEs war das zwölfte sieglose Spiel in Serie, womit die Grün-Weißen den Vereinsnegativrekord aus dem Jahr 1998 einstellten. „Es fühlt sich wieder an wie ein Schlag in die Fresse“, sagte der im Aufsichtsrat sitzende frühere Meistertorwart
Diego Benaglio, der nach der Trennung von Sport-Geschäftsführer
Peter Christiansen zusammen mit Sportdirektor
Pirmin Schwegler die Geschicke bei den Niedersachsen leitet. „Trotzdem müssen wir weiter dran glauben“, sagte der Schweizer.Mehr als solche Durchhalteparolen haben sie aktuell in Wolfsburg nicht mehr zu bieten. Der falsch zusammengestellte Kader taumelt weiter unaufhaltsam dem ersten Bundesliga-Abstieg entgegen. „Es geht nur noch um Platz 16, so ehrlich müssen wir sein“, räumte auch VfL-Coach
Dieter Hecking ein, der auch im vierten Spiel mit dem VfL keinen Sieg bejubeln konnte. Unter dem Nachfolger von
Daniel Bauer haben die Wolfsburger in vier Spielen nur einen Punkt geholt.Was macht also noch Hoffnung? Auf diese Frage hatte keiner der Wolfsburger eine wirklich schlüssige Antwort parat. „Aufzugeben ist keine Alternative“, sagte der Österreicher
Patrick Wimmer, der gegen die Eintracht vor der Pause zwei gute Chancen ausließ. „So lange es rechnerisch noch möglich ist, glauben wir daran.“Doch wie der Sprung auf den Relegationsplatz tatsächlich noch gelingen soll, wusste auch der Mittelfeldspieler nach seinem 100. Pflichtspiel für den VfL nicht. „Wir werden es nächste Woche bei
Union Berlin wieder versuchen“, sagte Wimmer nur.Das war auch das Einzige, was Sportdirektor
Pirmin Schwegler einfiel. „Das fällt im ersten Moment allen schwer. Aber es hilft nichts, sich komplett einzugraben“, sagte der Schweizer. „Ich habe immer noch das Gefühl: Wenn dieser eine Sieg kommt, dann kann sich wieder etwas drehen“, sagte Schwegler, der das ausbaden muss, was der im März geschasste Christiansen und der bereits im November entlassene Sportdirektor Sebastian Schindzielorz mit ihrer Personalpolitik mit verursacht haben.Dass das Duo nun auch noch mit dem Klub ums Geld streitet und im Fall von Schindzielorz an diesem Montag sogar ein Termin vor dem Arbeitsgericht Braunschweig ansteht, macht Benaglio fassungslos. „Ich will mich dazu lieber nicht äußern. Am Ende des Tages muss jeder selbst in den Spiegel gucken können und selbst sein Fazit ziehen“, sagte Benaglio.