Die deutschen Tennisfrauen steigen zum zweiten Mal in Serie ab und sind nur noch drittklassig. Der Niedergang hat sich lange abgezeichnet. Immerhin: Ein neuer Weg ist bereits eingeschlagen.Es war ein ziemlich trostloses Tennis-Ambiente im Complexo de Tenis do Jamor im portugiesischen Oeiras. Eine Anlage, die eher Amateur- als Spitzentennis zu versprechen schien, kaum Zuschauer auf den Rängen, dazu immer mal wieder Regen, der den Spielbetrieb ausbremste. Insofern passte der Ort, an dem die deutschen Tennisfrauen am Samstagnachmittag zum zweiten Mal in Serie abstiegen, dann schon wieder ganz gut zur Stimmung bei Mannschaft und Teamchef. „Das entspricht nicht unserem Anspruch, den wir für das deutsche Damentennis haben“, sagte Bundestrainer Torben Beltz. „Es sind alle sehr niedergeschlagen, sehr traurig.“Eigentlich hatte die deutsche Auswahl den direkten Wiederaufstieg in die Weltgruppe angepeilt. Stattdessen spielt sie im kommenden Jahr erstmals überhaupt nur in der Regionalgruppe II, gemeinsam etwa mit Tenniszwergnationen wie Zypern, Nordmazedonien oder Marokko. In Oeiras verloren die Deutschen im Laufe der Woche gegen Portugal, Schweden und am Samstag im entscheidenden Relegationsspiel überraschend auch gegen Litauen. Der einzige Sieg gegen Dänemark rettete die Mannschaft auch nicht.Dabei hatte von der Spielrunde in Liga zwei ein Signal des Aufbruchs ausgehen sollen. Beltz hatte im Aufgebot bewusst auf die jeweils 38 Jahre alten Laura Siegemund und Tatjana Maria, in der Weltrangliste als Nummer 51 und 63 derzeit die bestplatzierten deutschen Spielerinnen, verzichtet und stattdessen der neuen Generation eine Chance gegeben. Doch Ella Seidel (21 Jahre alt), Noma Noha Akugue (22), Tessa Brockmann (20) und Nastasja Schunk (22) scheiterten in ihren Matches immer wieder auch an den eigenen Nerven. „Die, die hier waren, waren die Richtigen“, rechtfertigte Beltz seine Nominierungs-Entscheidung. „In den Mädels steckt viel mehr Potential, als sie hier leider gezeigt haben.“Boris Becker und der SupermarktDass nach dem Rücktritt der erfolgreichen Generation um Angelique Kerber eine gravierende Lücke klafft im deutschen Tennis, ist seit langem bekannt. Boris Becker beispielsweise zeigte hatte schon vor dem Abstieg in seinem Podcast mit dem Finger auf die Verantwortlichen beim Deutschen Tennis Bund (DTB), die er für die verfehlte Nachwuchsarbeit verantwortlich machte. „Ich will niemandem zu nahe treten. Aber wenn ich in den Supermarkt gehe und einkaufen soll für den Abend, aber noch nie gekocht habe, weiß ich doch nicht, was ich einkaufen soll“, sagte er. Das dürfte unter anderem auf die für die Leistungssport zuständige Vorständin Veronika Rücker gemünzt gewesen sein, die zwar eine erfahrene Sportfunktionärin ist, aber keine persönlichen Erfahrungen im Profitennis vorzuweisen hat.Rücker wies die Kritik zurück. Denn der Kern der Versäumnisse dürfte schließlich auch aus einer Zeit weit vor ihrem Amtsantritt 2022 stammen. Unter Rückers Führung hatte der Verband zuletzt die ambitionierte Strategie „TennisDeutschland 2032“ ausgearbeitet, mit der man in allen Bereichen wieder näher an die Weltspitze rücken will. Einzig: Ein Abstieg der Frauen in die Drittklassigkeit war nicht Teil des Plans.