Kurze Waffenruhe mit Russland Osternacht in der
Ukraine ohne Luftalarm Stand: 12.04.2026 • 15:55 Uhr Zum orthodoxen Osterfest soll eine Waffenruhe zwischen Russland und der
Ukraine gelten. Die Menschen in der
Ukraine erleben eine Nacht ohne Alarm, feiern Gottesdienste und ihre Traditionen. In einer Kathedrale im Zentrum von
Kiew wird der Ostergottesdienst gefeiert. Unter den Gläubigen ist
Wiktor. Der 81-Jährige trägt einen großen Korb in der Hand. Vorsichtig schlägt er ein Tuch zurück. Bunt gefärbte Eier kommen zum Vorschein, Fleisch, ein Stück holländischer Käse, ein Kuchen dick mit Glasur überzogen in den ukrainischen Nationalfarben blau und gelb sowie eine kleine Flasche Cognac.
Wiktor will die Lebensmittel in der Kirche segnen lassen, so ist es in der
Ukraine Tradition. Das Osterfest ist der höchste kirchliche Feiertag für die orthodoxen Ukrainerinnen und Ukrainer. In Friedenszeiten strömen die Menschen bereits um Mitternacht in die Kirchen, erzählt
Wiktor: "Jetzt haben wir von Mitternacht bis fünf Uhr morgens Sperrstunde. Niemand darf auf die Straße. Das haben wir Moskau zu verdanken. Diese Mistkerle!" Unter den Gläubigen ist auch die 31-jährige
Nadija. Sie hat ihren sechsjährigen Sohn
Maksym dabei. Die beiden kommen aus der von Russland besetzten und stark zerstörten Hafenstadt
Mariupol. Nadijas Mann, Maksyms Vater, ist 2022 an der Front gefallen, er war Kommandeur eines Sturmtrupps. Ein orthodoxer Priester mit Gläubigen bei einer Zeremonie im ukrainischen
Butscha. "Für mich ist Ostern ein ganz besonderer und sehr familiärer Feiertag", sagt
Nadija, "wir haben uns früher im großen Kreis getroffen. Jetzt sind wir nur noch zu zweit, aber wir führen die Traditionen fort, das bedeutet uns viel." In
Kiew gab es anders als in den Nächten zuvor keinen Luftalarm. Auch in den meisten anderen Landesteilen schwiegen die Sirenen. Seit gestern Nachmittag soll eine Feuerpause gelten, das haben beide Seiten angekündigt, laut der russischen Führung soll sie bis heute Mitternacht andauern. Entlang der Front soll die Waffenruhe allerdings vielfach gebrochen worden sein. Der ukrainische
Generalstab sprach von mehr als 2.000 Verstößen durch Russland bis zum Sonntagmorgen, darunter zahlreiche Sturmangriffe auf ukrainische Stellungen mit Einsatz von Artillerie und Kampfdrohnen. Im Gebiet
Sumy im Nordosten der
Ukraine sollen in der Osternacht drei Sanitäter bei einem Drohnenangriff auf einen Rettungswagen verletzt worden sein. Das teilte die Militärverwaltung von
Sumy mit. Russische Behörden melden ihrerseits mehrere verletzte Zivilisten durch ukrainischen Beschuss, unter anderem in der russischen Oblast Belgorod sowie im russisch besetzten Teil des Gebietes Cherson. Der Rentner
Wiktor misstraut solchen russischen Angaben zutiefst: "Das sind nun mal Mistkerle. Die können auf sich selbst schießen und behaupten dann, die Ukrainer seien es gewesen." Der ukrainsche Präsident Selenskyj und seine Frau Olena würdigten zum orthodoxen Osterfest die Standhaftigkeit ihrer Landsleute im Kampf gegen den russischen Angriffskrieg. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte angekündigt, auf russische Angriffe während der Feuerpause spiegelbildlich zu reagieren. In einer Videobotschaft hatte er den Menschen gestern Abend ein ruhiges und sicheres Osterfest gewünscht. "Es wäre richtig, wenn die Waffenruhe fortgesetzt würde. Wir haben Russland unseren Vorschlag übermittelt", sagt Selenskyj. Direkt verhandeln Russland und die
Ukraine zurzeit aber lediglich über den Austausch von Kriegsgefangenen. Gestern konnten jeweils 175 Soldaten und sieben Zivilisten in ihre Heimatländer zurückkehren.