Der Bericht der F.A.Z. über eine Frankfurter Eigentümergemeinschaft, die an ihrer Hausverwaltung verzweifelt, hat ein großes Leserinteresse geweckt. Viele teilen die Erfahrungen – und fordern ein Eingreifen der Politik.Fünf Hausverwaltungen in zehn, neun in 25, sechs in 20 Jahren – wer bietet mehr? Das könnte man angesichts der Rückmeldungen aus Wohneigentümergemeinschaften (WEG) auf den F.A.Z.-Bericht fragen, in dem kürzlich die Probleme einer Wohneigentümergemeinschaft im
Frankfurter Nordend mit ihrer Hausverwaltung geschildert wurden. Viele Leser haben darauf reagiert und berichten von ähnlichen Erfahrungen.„Wir hatten in den vergangenen 20 Jahren für unsere kleine Hausgemeinschaft sechs Hausverwalter“, schreibt eine Frankfurter Leserin. Sie kritisiert vor allem die schlechte Erreichbarkeit. Es seien Hausverwaltungen darunter gewesen, „die wir per Gerichtsbeschluss zwingen mussten, eine Eigentümerversammlung einzuberufen, und die dann versuchten, uns ihre Gerichtskosten in die Jahresabrechnung zu schmuggeln“. Es habe auch Hausverwalter gegeben, „die dem Druck einzelner Eigentümer nicht standhielten und Kosten, die zum Sondereigentum gehören, auf die Gemeinschaft umlegten“. Ein Hausverwalter sei von Beruf Konditor und habe über seinem Café ein Büro eingerichtet „mit einer kenntnisfreien Bürokraft“. Dieser Hausverwalter war es auch, wie die Eigentümerin schildert, „der sich weigerte, bei einer schadhaften Sanierungsmaßnahme die Gewährleistungspflicht einzufordern, sodass die Eigentümer am Ende die Sanierung zweimal bezahlen mussten“.„Ich möchte nie mehr mit einer Hausverwaltung zu tun haben“Ein Leser aus dem hessischen
Dreieich berichtet davon, wie er an der Hausverwaltung für seine Wiesbadener Eigentumswohnung verzweifelte, die trotz unzähliger Erinnerungen vier Monate gebraucht habe, um eine für den Verkauf notwendige Zustimmungserklärung zu unterzeichnen. Weil er sich nicht zu helfen wusste, wie er schreibt, schaltete er einen Anwalt ein. Das alles passe nicht zu den vielen Versprechen der „professionell gemachten“ Internetseite. „Ich bin so bedient, dass ich nie mehr mit einer Hausverwaltung zu tun haben möchte“, schreibt er.Hausverwalter müssen inzwischen eine Qualifizierung vorlegen. Die Frankfurter Eigentümerin mit sechs Verwalterwechseln kritisiert jedoch das „Minimum an Kenntnissen“. Die Lage sei trotzdem nicht besser geworden. „Es fehlt an guten Hausverwaltern, die dauerhaft ihren Job ordnungsgemäß erledigen, Fristen einhalten und auch kleine Eigentümergemeinschaften übernehmen.“ Sie selbst habe freiberuflich gearbeitet, und es fehle ihr jegliches Verständnis dafür, dass Hausverwalter, die regelmäßig ein Verwaltungshonorar auf ihr Konto überwiesen bekämen, ihren Aufgaben nicht nachkämen.„Doch ist das Honorar angemessen?“, fragt die Eigentümerin einer Darmstädter Eigentümergemeinschaft mit 17 Einheiten. „Dass Verwaltungen ihren Aufgaben nicht angemessen nachkommen, liegt sicherlich auch an der schwierigen Personalsituation.“ Hausverwalter hätten komplexe Aufgaben zu erledigen. „Ob die Gehaltsstruktur dem Rechnung trägt, steht dahin“, so die Leserin, die neun Hausverwaltungen in 25 Jahren erlebte. Sie berichtet etwa von Zahlungen, die nicht rechtzeitig geleistet wurden, sodass es zu Verzugszinsen und Vollstreckungsandrohungen kam. „Zum Glück ist noch nie Geld veruntreut worden.“Wenn aus einer Mücke ein Elefant gemacht wirdDie Darmstädterin berichtet in ihrem Fall von einer „harmonischen“ Gruppe, verweist aber darauf, dass auch „unangenehme Eigentümergemeinschaften“ die Ursache für häufige Verwalterwechsel sein können – und trifft damit einen Punkt, den Hausverwalter angesichts der Kritik an ihrer Branche ansprechen. Eine Hausverwalterin aus Lennestadt im Sauerland bestätigt nach Übernahme einiger Mandate, „dass es zum Teil erschreckend ist, was auf dem Markt für Anbieter unterwegs sind“.Es stimme auch, dass immer mehr keine Aufträge kleinerer Gemeinschaften mehr annähmen. Als Grund dafür führt sie an, dass solche Mandate „deutlich unlukrativer“ seien als große. Vor allem dann, wenn ein „schwieriges Mitglied“ die Arbeit torpediere, das führe zu Mehrarbeit, „die oft nicht entlohnt wird“. Es gebe leider immer öfter den Fall, „dass aus einer Mücke der Elefant gemacht wird und schon bei kleinen Fehlern der Verwalter in Geiselhaft genommen wird“, schreibt sie. Es müsse auch „ein Umdenken bei den Leuten stattfinden und das Anspruchsdenken zurückgefahren werden“.Ein Eigentümer aus Düsseldorf, der 2018 mit seiner Frau eine Wohnung in einem 100 Jahre alten Haus mit acht Wohnungen und fünf Eigentümern gekauft hatte, für das es nach seiner Schilderung seit Jahren keine funktionierende Hausverwaltung gibt, hält die Gesetzeslage für „kaputt“. Er kritisiert die fehlenden Sanktionsmöglichkeiten. „Was nützt eine gesetzliche Pflicht, wonach Hausverwalter einmal jährlich eine Versammlung abhalten müssen, wenn es keine einfach zugänglichen und wirksamen Strafen gibt?“ Auch fehlten Schutzmechanismen, wenn sich einzelne Eigentümer gemeinschaftsschädigend verhielten, etwa Beschädigungen selbst oder durch Handwerker verursachten. „Es braucht dringend eine öffentliche Debatte“, sagt der Eigentümer. „Der Gesetzgeber sieht einem massiven Missbrauch, vor allem durch die Verwaltungen, tatenlos zu.“Ein Eigentümer aus einer Gemeinschaft mit acht Parteien in der Rhein-Neckar-Region, der sich als „vergleichsweise jung“ bezeichnet, spricht die Möglichkeit der Selbstverwaltung kleinerer WEG an. Es gebe inzwischen brauchbare Onlineangebote. „Das sollte eigentlich kein Hexenwerk mehr sein.“ Allerdings sei dazu der Abbau bürokratischer Vorschriften notwendig. Die Regelungen zielten vor allem auf große Einheiten. Zudem bräuchten Eigentümer, die sich für die Selbstverwaltung engagierten – der Leser hält eine Entlohnung in Höhe eines Minijobs für gerechtfertigt –, mehr Sicherheit. Viele wollten diese Aufgaben nicht übernehmen, da sie haftbar gemacht werden könnten.Es gibt auch positive Erfahrungen. Die Beirätin einer Wohneigentümergemeinschaft mit 22 Wohneinheiten in Ingelheim schreibt: 34 Jahre sei die WEG bei demselben Anbieter und „zufrieden“. Eine Frankfurter Eigentümerin berichtet von zehn Jahren guter Betreuung einer Wohnanlage mit 54 Einheiten, obwohl die Hausverwaltung wegen technischer Mängel und rechtlicher Auseinandersetzungen „keine einfache Aufgabe“ übernommen habe. Bei einer Liegenschaft mit 24 Wohnungen im
Frankfurter Nordend hat es zwischendurch zwar auch einmal gerumpelt mit einer Verwalterin, die vieles eigenmächtig entschieden und Firmen beauftragt habe, „die ihr mutmaßlich nahestanden“, wie eine Eigentümerin berichtet, doch mit der neuen Verwaltung sei Ruhe eingekehrt: „Kommunikation, Abwicklung von Schadensmeldungen und Abrechnungen verlaufen zu unserer großen Zufriedenheit, auch eine umfangreiche Sanierung wurde erfolgreich abgeschlossen.“