kommentar Stand: 13.04.2026 • 08:24 Uhr 16 Jahre lang hat
Viktor Orban in
Ungarn regiert - jetzt ist sein System aus autokratischem Regieren, Korruption und Populismus einfach so zerplatzt. Dazu brauchte es jemanden, der ihn mit den eigenen Waffen schlägt. Es ist kaum zu glauben, wie sang- und klanglos
Viktor Orban am Ende untergegangen ist. Nur 13 von 106 Wahlkreise hat er gewonnen, obwohl er die Wahlkreise mehrfach zu seinen Gunsten neu zugeschnitten hatte. Selbst auf dem Land, wo Orban immer stark war, wollte man ihn nicht mehr. Dabei war Orban, wie sein Freund
Donald Trump sagte, der "stärkste Anführer Europas". Er war der "Diktator", wie der frühere EU-Kommissionspräsident
Jean Claude Juncker scherzhaft sagte, der "Rambo", wie man ihn in der EU nannte, wo er Entscheidungen blockiert hat wie kein "Zweiter". Er war die weltweite Gallionsfigur des Rechtspopulismus und der Wahl-Autokratie. Nun ist er weg, einfach so. 16 Jahre System Orban in
Ungarn sind zerplatzt wie ein Ballon mit heißer Luft. Das liegt auch daran, dass sein Wahlkampf nichts weiter war als heiße Luft. Er war einfach maximal miserabel. Orban wollte die
Ungarn für dumm verkaufen, ihnen einreden, dass sie vom ukrainischen Präsidenten
Wolodymyr Selenskyj bedroht werden und von
Peter Magyar gleich mit, denn der würde ungarische Soldaten zu Selenskyj in den Krieg schicken wollen. Das war am Ende tatsächlich nur heiße Luft, die Orban verbreitet hat, um über einen heruntergewirtschafteten Staat hinwegzutäuschen, den er hinterlassen hat. Einen Staat mit Krankenhäusern und Schulen in einem erbärmlichen Zustand, mit Menschen, die in der EU zu den Bürgern mit der geringsten Kaufkraft zählen, trotz eines von Orban immer wieder versprochenen Wirtschaftswunders. Die heiße Luft ist aus Orban mehr und mehr entwichen, so wie die Milliardensummen aus dem Staatshaushalt, fürs familieneigene Luxus-Landgut, fürs überdimensionierte Fußballstadion und die nicht benötigte Touristeneisenbahn im Heimatdorf
Felcsut. Jenem Dorf, in dem ein alter Schulfreund auch mal eben zum dreifachen Milliardär gemacht wurde. Es ist sehr lehrreich zu sehen, wohin autokratisches und korruptes Regieren, Populismus und Propaganda führen können. Es kann zerplatzen, wie ein Ballon mit heißer Luft. Allerdings ist auch bezeichnend, dass es dafür jemanden brauchte wie
Peter Magyar. Ein "normaler" Oppositionspolitiker hätte es nicht getan. 16 Jahre lang hatte sich die ungarische Opposition an Orban die Zähne ausgebissen. Es reichte nicht liberal, sozialdemokratisch oder grün zu sein. Es brauchte einen Mann mit einer ganz besonderen Story -
Peter Magyar, den Aussteiger und Whistleblower aus den eigenen Fidesz-Reihen, der von innen kommt und Orban mit seinen eigenen Waffen schlägt, mit einem personenzentrierten Wahlkampf und eigenem Populismus, à la "ich zerschlage das Orban-System und demokratisiere das Land". Für die ungarische Demokratie ist das natürlich gut und auch für die EU. Die rückt jetzt, ohne Orban, ein großes Stück näher zusammen. Für das pluralistische Parteiensystem in
Ungarn ist das Ganze allerdings kein gutes Signal. Redaktioneller Hinweis Kommentare geben grundsätzlich die Meinung des jeweiligen Autors oder der jeweiligen Autorin wieder und nicht die der Redaktion.