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MON · 2026-04-13 · 14:00 GMTBRIEF NSR-2026-0413-65800
News/Krieg in der Ukraine: Russland droht eur/Wie ukrainische Zivilisten in russischer Haft leiden
NSR-2026-0413-65800News Report·DE·Human Rights

Wie ukrainische Zivilisten in russischer Haft leiden

Seit 2015 wird Oleh Schewandin, ein ukrainischer Sportler, in den von Russland besetzten Gebieten der Ostukraine gefangen gehalten. Seine Frau, Larysa Schewandina, hat seit seiner Entführung durch prorussische Separatisten nur zweimal mit ihm sprechen können.

Dasha ThyssenDeutsche Welle (DE)Filed 2026-04-13 · 14:00 GMTLean · CenterRead · 5 min
Wie ukrainische Zivilisten in russischer Haft leiden
Deutsche Welle (DE)FIG 01
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Seit 2015 wird Oleh Schewandin, ein ukrainischer Sportler, in den von Russland besetzten Gebieten der Ostukraine gefangen gehalten. Seine Frau, Larysa Schewandina, hat seit seiner Entführung durch prorussische Separatisten nur zweimal mit ihm sprechen können. Menschenrechtsorganisationen schätzen, dass seit dem russischen Einmarsch mindestens 16.000 ukrainische Zivilisten in russische Gefangenschaft geraten sind. Diese willkürlichen Verhaftungen verstoßen gegen das humanitäre Völkerrecht, da Zivilisten durch das IV. Genfer Abkommen geschützt sind. Jurij Kowbasa, ein Vertreter des ukrainischen Parlaments, betont, dass Russland keine Rechtfertigung für die Inhaftierung von Zivilisten in besetztem Gebiet hat. Schewandina hat die Hilfsorganisation "Ukraine Movement: Return Freedom" gegründet, um auf das Schicksal ihres Mannes und anderer Gefangener aufmerksam zu machen.

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The UN Committee against Enforced Disappearances (CED) discussed the case of Oleh Schewandin.

factualLarysa Schewandina
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The Russian regime justifies the detentions with "resistance to the military special operation".

quoteMichail Sawwa
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Larysa Schewandina's husband, Oleh Schewandin, was abducted in Debalzewe in May 2015.

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Human rights activists estimate that at least 16,000 Ukrainians who did not participate in combat have been taken prisoner by Russia.

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The detention of Oleh Schewandin was one of the first to become known in the Russian-occupied territories of Ukraine.

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Larysa Schewandina hat ihren Mann Oleh Schewandin seit elf Jahren nicht mehr gesehen. Im Mai 2015 wurde der Sportler und Präsident eines Kampfkunst-Verbandes in seiner ostukrainischen Heimatstadt Debalzewe entführt. Damals gehörte die Stadt bereits zur "Volksrepublik" Donezk, die ein Jahr zuvor von vom Kreml unterstützten prorussischen Separatisten proklamiert worden war. Seitdem hat das Paar nur zweimal miteinander gesprochen - beide Male innerhalb der ersten 24 Stunden nach der Verhaftung. Laut Augenzeugen, mit denen Schewandina sprach, wurde ihr Mann von bewaffneten, maskierten Männern angehalten. Er wurde aus seinem Auto gezerrt, ihm wurde ein Sack über den Kopf gestülpt und er wurde an einen unbekannten Ort gebracht. Schewandina hat eigene Nachforschungen zum Verschwinden ihres Mannes angestellt und im Verlauf die Hilfsorganisation "Ukraine-movement-return-freedom" class="entity-link entity-organization" data-entity-id="113405" data-entity-type="organization">Ukraine Movement: Return Freedom" gegründet. Ihr zufolge war der Fall ihres Mannes Thema beim Ausschuss gegen das Verschwindenlassen (CED) der Vereinten Nationen. "Leider haben die UN keine direkten Einflussmöglichkeiten, und trotz aller Bemühungen befindet er sich weiterhin in Gefangenschaft", sagt die Frau: "Elf Jahre in russischer Gefangenschaft sind eine sehr lange Zeit. Wenn man sagt, dass jeder Tag die Hölle ist, dann muss man das mit 365 und dann nochmal mit elf multiplizieren." Oleh Schewandin mit seiner Frau LarysaBild: privat Die Inhaftierung von Oleh Schewandin war eine der ersten, die in den von Russland besetzten Gebieten der Ukraine bekannt wurde. Rechtlich wird seine Lage als "incommunicado" bezeichnet - also vollständig isoliert ohne Kommunikation, Anwälte und formelle Anklage. So ergeht es den meisten von Russland gefangengehaltenen Zivilisten - und das sind viele: Mit Beginn des russischen Einmarsches in die Ukraine sind dort Tausende Zivilisten verschwunden. Menschenrechtler schätzen, dass mindestens 16.000 Ukrainer, die nicht an Kämpfen teilgenommen haben, in russische Gefangenschaft geraten sind. Willkürliche Verhaftungen verstoßen gegen das humanitäre Völkerrecht. Zivilisten sind keine Kriegsteilnehmer und werden vom IV. Genfer Abkommen geschützt. "Das Genfer Abkommen erlaubt es logischerweise keinem Land, das in das Hoheitsgebiet eines anderen eindringt, einen Zivilisten ohne jegliche Rechtfertigung festzunehmen und zu inhaftieren", sagt Jurij Kowbasa, Vertreter des Menschenrechtsbeauftragten des ukrainischen Parlaments, gegenüber der DW. Das russische Regime rechtfertige die Inhaftierungen mit "Widerstand gegen die militärische Spezialoperation", wie in Russland der Ukraine-Krieg genannt wird, erklärt Michail Sawwa vom ukrainischen "Zentrum für Bürgerrechte": "Es sind Menschen, die gar keinen Rechtsstatus haben, da ihre Inhaftierung nicht nur gegen internationales Recht, sondern auch gegen russische Gesetze verstößt." Jurij Kowbasa vom ukrainischen Parlament fügt hinzu, dass es noch eine weitere Kategorie von Gefangenen gebe. Deren Inhaftierung habe Russland formalisiert, indem es dem Internationalen Komitee des Roten Kreuzes entsprechende Informationen übermittelt habe. "Das sind Bürger, die vielleicht wegen 'Terrorismus' oder aufgrund fingierter Urteile bereits verurteilt sind", sagt Kowbasa Zu der zweiten Kategorie gehört der Journalist und Aktivist Serhij Zyhipa. 2021 ging er in den Ruhestand und begann, Märchen über seine Heimatstadt Nowa Kachowka im Gebiet Cherson zu schreiben. In einer Geschichte entführt ein Wassergeist eine Figur, die Zyhipa selbst nachempfunden ist, und diese kann nur befreit werden, indem man sieben versteckte Schlüssel findet. Das Märchen sollte in hässlicher Form Realität werden: Als russische Truppen Anfang 2022 Nowa Kachowka besetzten, blieb Zyhipa vor Ort, um humanitäre Hilfe zu organisieren und in den sozialen Medien über die Lage zu berichten. Am 12. März 2022 wurde er entführt. Laut der Menschenrechtsorganisation "Memorial" wurde Zyhipa über Monate ohne offiziellen Verfahrensstatus festgehalten. Erst am 26. Dezember desselben Jahres wurde ein Strafverfahren wegen Spionage eingeleitet. "Memorial" betrachtet Zyhipa als politischen Gefangenen. Seine Frau Olena Zyhipa hat die Suche nach den "Schlüsseln" zu seiner Freilassung übernommen. Sie bezeichnet sich selbst als "freiberufliche Menschenrechtsaktivistin" und beteiligt sich an der Initiative "Zivilisten in Gefangenschaft". Regelmäßig nimmt sie an Aktionen für inhaftierte Zivilisten teil. "Mir ist klar, dass es sein Schicksal nicht leichter machen wird, wenn ich nur dasitze, leide und weine", sagt Olena. Kontakt zu ihrem Mann zu halten, ist äußerst schwierig. Den letzten Brief von ihm erhielt sie im Februar, obwohl sie ihm wöchentlich schreibt und Blätter zum Antworten mitschickt. "Dass ich keine Briefe bekomme, kann bedeuten, dass meine Briefe ihn nicht erreichen", sagt Zyhipa. Womöglich habe sich aber auch der Gesundheitszustand ihres Mannes verschlechtert. "Man hält sie unter kalten, feuchten Bedingungen fest. Deshalb leidet nicht nur Serhijs Gesundheit, sondern die aller ukrainischen gefangenen Militärs und Zivilisten." Laut Menschenrechtsaktivisten und UN werden ukrainische Kriegsgefangene und Zivilisten, die sowohl in Russland als auch in den besetzten Gebieten festgehalten werden, von russischen Behördenvertretern systematisch gefoltert und grausam behandelt. "Folter und Misshandlung - das wird immer wieder berichtet, wenn unsere Verteidiger, Männer wie Frauen, und sogar Zivilisten, aus der Gefangenschaft zurückkehren. Sie alle bestätigen das", sagt Jurij Kowbasa vom ukrainischen Parlament. Michail Sawwa vom ukrainischen "Zentrum für Bürgerrechte" zufolge werden meist Personen festgenommen, die sich gesellschaftlich engagieren. Teilnehmer von Aktionen zur Unterstützung ziviler Gefangener berichten, dass die Inhaftierten zuvor beispielsweise als Freiwillige oder Fahrer bei Evakuierungen von Menschen aus den besetzten Gebieten aktiv waren oder einfach offen pro-ukrainische Ansichten äußerten. "Sie stellen in den Augen der Besatzer eine Bedrohung dar, weil sie zu einem Mittelpunkt organisierten Widerstands werden können", erläutert Sawwa und fügt hinzu, dass massenhafte Festnahmen auch dazu dienen, die Bevölkerung einzuschüchtern. "Man demonstriert buchstäblich jedem, dass es ihm genauso ergehen kann, dass man spurlos verschwinden kann", so der Experte. Der pensionierte Offizier Serhij Lichomanow verschwand Ende 2023 für fast zwei Monate. Bewaffnete Männer waren in seine Wohnung in Sewastopol auf der von Russland besetzten Krim eingebrochen und hatten ihn an einen unbekannten Ort verschleppt. Später erfuhr seine Familie, dass er im Gefängnis ist. Russland beschuldigte Lichomanow des Hochverrats und der Planung eines Terroranschlags. "Memorial" geht von einer politisch motivierten Verfolgung aus, die schwere Rechtsverstöße beinhaltet. Tatjana Selena (l.) und Serhij Lichomanow (r.)Bild: privat "Ich möchte, dass mein Bruder die Chance bekommt, ein normales Leben zu führen, nicht im Gefängnis, denn das hat er nicht verdient, er hat nichts falsch gemacht", sagt seine Schwester Tatjana Selena und fügt hinzu: "Ich glaube, er wurde nur verhaftet, weil er ehemaliger ukrainischer Militärangehöriger ist." Selena gab ihren Job auf, um sich ganz dem Kampf für die Freilassung ihres Bruders zu widmen. Sollte er freikommen, würde sie ihr Engagement nicht beenden. "Meine Tochter fragt mich, ob ich weiter aktiv sein werde, auch wenn Serhij zurückkommt. Ich sage darauf immer, dass ich es nicht wisse. Dann sagt sie mir, dass sie mich zu gut kenne." Tatjana Selena lacht und fügt noch hinzu, dass ihre Tochter Recht habe. Sie wolle nicht aufhören, nicht bevor zumindest diejenigen, die sie über die letzten Jahre kennengelernt habe, ihre Angehörigen aus der Gefangenschaft freibekommen haben.
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russische gefangenschaft
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