Im Heimspiel gegen Freiburg können sich die Mainzer nicht durchsetzen. Der Traum vieler Fans, die Frankfurter in der Tabelle noch abzufangen, dürfte sich nun erledigt haben.In bestimmten Duellen der Fußball-Bundesliga lässt sich die Struktur des Spiels mit 99-prozentiger Trefferquote vorhersagen. Begegnungen des
FSV Mainz 05 mit dem
SC Freiburg stehen seit Jahren exemplarisch dafür. So gut wie nie bereiten diese Aufeinandertreffen dem normalen Konsumenten einen Augenschmaus, selbst wenn beide Mannschaften sich gerade in einer starken Phase befinden. Und so war es auch am Ende dieses 29. Spieltags, als die beiden neben dem
FC Bayern noch in einem europäischen Wettbewerb befindlichen Teams einander beharkten, mit dem besseren Ende für den SC, der dank eines Treffers von
Lucas Höler 1:0 gewann.Wie die Rheinhessen hatten auch die Breisgauer ihre taktischen Hausaufgaben gemacht und gleichermaßen diszipliniert wie intensiv gegen den Ball gearbeitet. Die Folge waren viele Zwei-, Drei- und Vierkämpfe auf engstem Raum im Mittelfeld sowie häufig wechselnder Ballbesitz dank Pressings, Gegenpressings, Gegengegenpressings und so weiter.„Das muss man auch im Kopf aushalten“„Ich kann meiner Mannschaft keinen Vorwurf machen“, sagte
Urs Fischer, „sie hat alles versucht und aus dem Spiel heraus keine Torchancen zugelassen.“ Das Resümee seines Freiburger Kollegen
Julian Schuster fiel ähnlich aus: „Da standen sich zwei Mannschaften gegenüber, die beide ihr Herz auf dem Platz lassen. Mainz bietet einem nicht viel an – das muss man auch im Kopf aushalten.“In solchen Auseinandersetzungen entschieden in der Regel Standardsituationen über Sieg und Niederlage, sagte Fischer, „und mit denen waren die Freiburger gefährlicher als wir“. Insbesondere in der 47. Minute nach einem Einwurf von
Johan Manzambi, den
Philipp Lienhart mit dem Kopf gen zweiten Pfosten verlängerte. Dort kam
Matthias Ginter zwar nur mit einem rückwärtig ausgestreckten Bein an den Ball, legte ihn aber mit der Hacke für
Lucas Höler auf, der mit seiner Kopfballbogenlampe in den rechten Winkel
Daniel Batz keine Chance ließ.„So ein Kacktor“, kommentierte
Stefan Posch die Szene. Der Mainzer Innenverteidiger hatte Mitte der ersten Halbzeit haarscharf den Führungstreffer verpasst – seinen ansatzlos fulminanten Schuss aus gut 30 Metern lenkte der überraschte und spät reagierende
Noah Atubolu im Stehen gerade noch mit den Fingerspitzen an den rechten oberen Innenpfosten.Generell fiel den 05ern im ersten Durchgang offensiv mehr ein als dem achtplatzierten Tabellennachbarn, ohne dass sie ein Feuerwerk gezündet hätten. Aber aus den engen Räumen lösten sie sich wie mit ihren langen Schlägen gegen das Freiburger Pressing besser, kamen jedoch, abgesehen von Poschs Abschluss, über Halbchancen nicht hinaus.Nach der Pause, als
Daniel Batz einen Distanzschuss und einen Kopfball Manzambis reaktionsschnell über die Latte lenkte, bot sich ihnen genau eine Situation zum Ausgleich – nach einer Kombination dreier eingewechselter Kräfte: Nadiem Amiri passte mit der Hacke auf Armindo Sieb, der spielte Silvan Widmer frei. Der Schweizer hätte sich aus rund neun Metern die Ecke des Freiburger Tores aussuchen können, schoss aber in die Mitte und Atubolus Arme.Bei den Bemühungen, wenigstens einen Punkt zu retten, erkannte Fischer Optimierungsbedarf. „In den letzten zehn Minuten ist es normal, dass du eher die langen Bälle wählst“, sagte der Trainer. Zuvor aber seien seine Leute gegen die von der Mitte der zweiten Halbzeit an sehr defensiv aufgetretenen Freiburger zu ungeduldig gewesen. „Wir wollten zu schnell, zu geradlinig den direkten Weg suchen“, monierte er, „aber man muss den Gegner auch mal laufen lassen, die ganze Breite des Platzes nutzen und geduldig bleiben, bis sich irgendwo eine Lücke auftut. Da haben wir noch Potential.“Die Träume, Frankfurt abzufangen, haben sich erledigtAn der Gesamtsituation änderte sich für die 05er nichts, außer dass sich der Rückstand auf den
SC Freiburg auf sieben Punkte vergrößerte. Eventuelle Träume, auch noch die siebtplatzierte Frankfurter Eintracht abzufangen, haben sich damit erledigt; Trainer Fischer hatte solche Gedankenspiele vorab als „vermessen“ zurückgewiesen. Weil aber keiner der unmittelbaren Verfolger siegreich aus dem Spieltag hervorging, behaupteten sie ihren neunten Rang mit acht Zählern Vorsprung auf Relegationsplatzinhaber FC St. Pauli.Positiv: Amiri und Anthony Caci meldeten sich zurück. Amiri hatte wegen seiner Fersenverletzung acht Spiele verpasst, Caci war seit Mitte September außen vor. „Ich glaube, dass das in der Mannschaft etwas auslöst“, sagte Fischer. „Man hat ihnen die Pause angemerkt, aber in einigen Szenen auch ihre Qualität gesehen, und es ist wichtig, dass sie Minuten bekommen.“