Die Gehöfte und Dörfer der deutschen Internetwüste, sie tragen Namen wie
Friedrichsgraben,
Schweinschied,
Sargenroth oder
Ostramondra. Und wer jetzt sagt „nie gehört“, dem ist kein Vorwurf zu machen. Denn um etwa auf Google Maps nachzusehen, wo diese Orte eigentlich liegen, muss man meist schon ziemlich weit herauszoomen aus der Karte, bis eine Stadt auftaucht, die man als Ortsfremder zuordnen kann. Das erklärt dann bereits zum Teil, warum sie als Internetwüste in Statistiken auftauchen.Leitungen zu entlegenen Orten zu verlegen, ist eben um ein Vielfaches teurer als in der Stadt, wo ein Haus neben dem anderen steht und die Unternehmen die Ausbaukosten in aller Regel locker wieder hereinbekommen. Der Endgegner in dieser Hinsicht sind kleine Orte oder Gehöfte, die weitab von größeren Siedlungen liegen. Kabel auf kilometerlangen Strecken zu vergraben für nur einen oder ein paar Anschlüsse, ist ein Verlustgeschäft.Während also die
Bundesregierung längst Gigabit-Internet als Ziel ausgegeben hat, das sind mindestens 1000 Megabit pro Sekunde (Mbit/s), tröpfeln in etwa jedem 35. Haushalt in Deutschland die Bits noch immer mit weniger als 50 Mbit/s aus der Leitung. Wenn es – anders als in den eingangs erwähnten Orten – denn überhaupt die Möglichkeit eines Internet-Festnetzanschlusses gibt. Dabei sollten Anschlüsse mit der Mindestgeschwindigkeit von 50 Mbit/s schon 2018, also vor acht Jahren, für alle zur Verfügung stehen.Nutzer teilen sich die verfügbare Bandbreite in einer FunkzelleEigentlich aber ist es noch schlimmer, denn Lücken in der Versorgung mit halbwegs schnellem Internetzugang von 50 Mbit/s klaffen in mehr als 10 000 deutschen Städten und Gemeinden, so das Vergleichsportal
Verivox. Zwar fehlen bis zur Versorgung aller Haushalte nur weniger als drei Prozent, aber die verteilen sich übers ganze Land, mit Schwerpunkt in ländlichen Regionen.Diese Lücken zu schließen, scheitert oft nicht nur an wirtschaftlichen Fragen. Auch langwierige Genehmigungsverfahren und hohe Auflagen für das Vergraben der Leitungen spielen eine Rolle – Hinderungsgründe, welche die
Telekommunikationsunternehmen seit Langem beklagen.In dichter besiedelten Gebieten hilft immerhin öfter der Mobilfunk aus. Je nach Anbieter können dabei manchmal ganz ordentliche Datenraten erreicht werden. Allerdings kann es dazu kommen, dass die Datenrate sinkt, wenn etwa viele Menschen gleichzeitig in einer Funkzelle Filme streamen oder große Dateien herunterladen. Denn die verfügbare Bandbreite in einer Funkzelle wird unter den Nutzern geteilt.Schnelles Internet ist ein wichtiger StandortfaktorIn
Ostramondra, einem der Orte ohne Internet-Festnetzanbindung, etwa können immerhin etwa zwei Drittel der Haushalte auf eine 5G-Anbindung per Funk zurückgreifen, gut 82 Prozent auf das auch immer noch sehr brauchbare 4G. Wenn alle Stricke reißen, kann auch Internet via Satellit eine Alternative sein, etwa Starlink.Bleibt die Frage, warum schnelles Internet eigentlich so wichtig ist. Wer das Ziel verfolgt, die Lebensbedingungen zwischen Stadt und Land nicht zu sehr auseinanderdriften zu lassen, muss auch an die Internetversorgung denken. Die ist längst unverzichtbar geworden, besonders dann, wenn es um einen Gewerbebetrieb geht, der etwa umfängliche Angebote für Handwerkerleistungen versenden muss. Wenn da die Leitung zu schwach ist, wird das Unternehmen dadurch unnötig ausgebremst.Eine andere Frage ist es, ob es unbedingt eine Festnetzleitung braucht. Gerade für den klassischen Einsiedlerhof kilometerweit abseits größerer Ansiedlungen sind brauchbare Mobilfunkverbindungen oft der günstigere Weg. Auch die funktionieren aber nicht, wenn die Topografie schwierig ist. Und auch die Masten müssen in aller Regel ja zuallererst mit einem Kabel erschlossen werden. Immerhin hilft es, dass sich die Mobilfunkanbieter inzwischen in den Problemregionen zusammentun und Masten gemeinsam betreiben dürfen.