Fast wäre das
Coachella zum Wer-trägt-das-trashigste-Outfit-und-kann-darin-die-kitschigsten-Bilder-vor-Klischeekulisse-aufnehmen-Bingo verkommen. Doch eigentlich geht es hier noch um Musik. Und um Rekorde.Eigentlich ist
Karol G es längst: ein Weltstar. Hierzulande kennt man die Sängerin vielleicht noch nicht, aber das hat ja nichts zu sagen. Spätestens jetzt, da sie als erste Latina überhaupt als Headlinerin des
Coachella-Festivals aufgetreten ist, ist ihr internationale Bekanntheit sicher.Zwar war das Musikspektakel in der kalifornischen Wüste in den vergangenen Jahren immer mal wieder zum Wer-trägt-das-trashigste-Outfit-und-kann-darin-die-kitschigsten-Bilder-vor-Klischeekulisse-aufnehmen-Bingo verkommen – Influencern und solchen, die es werden wollten, sei Dank. Doch es geht hier tatsächlich noch um Musik.
Iggy Pop trat auch in Sachen Body Positivity anUnd um Rekorde:
Karol G ist die erste Latina, die das Line-up anführt, einst war Beyoncé die erste schwarze Frau, die es tat (und wie!). Und
Iggy Pop ist vielleicht der älteste Star, der in diesem Jahr performte, und dann noch einer, der auch in Sachen Body Positivity antritt: Mit nacktem Oberkörper zeigte sich die Punklegende ähnlich spärlich bekleidet wie
Karol G. Outfit und Haut saßen ganz anders als bei ihr, aber mindestens ebenso würdevoll. Der „Rolling Stone“ jedenfalls bezeichnete Pops nun schon dritten Auftritt auf dem Festival als „Volltreffer“. Der Sänger sagte auf der Bühne: „Es ist nicht leicht, alt zu sein. Es ist nicht leicht, jung zu sein.“ Wie wahr!Letzteres bekam auch Popstar
Sabrina Carpenter zu spüren, die erst 2024 ihren ersten Auftritt auf dem Festival hatte. Kurz danach hörte man „Espresso“ dann endlich auch in
Deutschland. In diesem Jahr durfte Carpenter auf der Hauptbühne auftreten und gab ein ambitioniertes Set zum Besten, das ein Triumph sein sollte. Stattdessen ging ein Ausschnitt des Konzerts viral, in dem Carpenter einen hohen Trällerton, eine „Ululation“, fälschlich als „Jodeln“ auffasste. Sie möge das nicht, erklärte sie gewohnt sarkastisch und fragte noch: „Sind wir hier beim
Burning Man?“ In diesem Fall ging ihr verdrehter Humor wohl zu weit. Auf den Auftritt folgte der Shitstorm, und die Sängerin musste sich entschuldigen. Von nun an werde sie jedwedes Jodeln auf ihren Konzerten begrüßen, so Carpenter.Rekordverdächtig ist in diesem Jahr auch die Anzahl an Künstlern, die wohl eher für die nostalgisch veranlagte Generation der Millenials gebucht wurden als für die Gen-Z oder Alphas. Da singt Julian Casablancas „Reptilia“, als wäre der Strokes-Hit von diesem Jahr und nicht irgendwann aus einer Zeit ohne Smartphones. Jack White spielt seinen Banger „Seven Nations Army“ ungerührt herunter, Moby berührt mit „Porcelain“, und The XX spielen ihr „Intro“ so stimmungsvoll wie eh und je. Ist von 2009, passt auch gut ins Jahr 2026.Vielleicht, so könnte man hoffen, gibt es eines Tages keine Rekorde mehr zu benennen für die
Coachella-Bühne. Dann sind Künstlerinnen jeglicher Art schon aufgetreten, dann gibt es keine ersten Male mehr für Frauen. Andererseits: irgendein Rekord findet sich immer. In diesem Jahr für Popstar Justin Bieber, der Gerüchten zufolge die höchste Gage jemals für seinen Auftritt in der Wüste eingeheimst haben soll: zehn Millionen Dollar für zwei Auftritte. Im Vergleich zu dieser nicht ganz geringen Summe gestaltete Bieber seine Show dann ziemlich minimalistisch. So bediente Bieber etwa auf der Bühne für die Musik seinen Laptop eigenhändig. Fans nannten ihn danach „faul“: „Diese Show hätte auch eine E-Mail sein können.“ Aber immerhin: Den Rekord für die meiste Kohle hat dann doch wieder ein Mann gebrochen.