Nach dem Scheitern des von der
CDU gewünschten Viererbündnisses beginnt der Koalitionspoker in
Frankfurt wieder bei Null. Es gibt noch drei Optionen.Vier Wochen nach den hessischen Kommunalwahlen beginnen in
Frankfurt die Sondierungsgespräche zur Bildung einer neuen Koalition von vorn. Noch in dieser Woche erörtern die Parteien, welche Alternativen es zu dem von der
CDU gewünschten Viererbündnis mit
SPD,
Volt und
FDP gibt, das nach der Absage von
Volt am vergangenen Freitag gescheitert ist. Nach Angaben von
SPD-Chef
Kolja Müller haben die
Grünen zu einem Treffen eingeladen, in dem es um ein Linksbündnis aus
Grünen,
SPD, Linken und
Volt gehen soll. „Aber wir sind auch weiter im Gespräch mit der
CDU.“Die
CDU, die bei der Kommunalwahl am 15. März mit 25 Prozent der Stimmen als stärkste Kraft im Römer hervorgegangen ist, hatte am vergangenen Freitag angekündigt, „mehrere Parteien“ zu neuen Gesprächen einzuladen. Welche das sind, teilte sie nicht mit. Rein rechnerisch ergeben sich für die
CDU aber noch zwei Optionen: Die eine beinhaltet den Ausschluss der
SPD, also der Partei des Oberbürgermeisters.
Volt hatte ein solches Bündnis von
CDU,
Grünen und
Volt in den vergangenen Tagen ins Spiel gebracht.Doch diese Variante wird von vielen nicht als realistisch eingeschätzt. Die Partei von Oberbürgermeister
Mike Josef außen vor zu lassen, wird gemeinhin für nicht klug gehalten. Das Stadtoberhaupt hat viele Möglichkeiten, die tägliche Arbeit der Koalition zumindest zu erschweren. Trotzdem sind bei
Volt manche davon überzeugt, dass eine Koalition mit
CDU und
Grünen tragfähig wäre. Zumal sich die
SPD in Haushaltsdingen wenig zuverlässig gezeigt habe. Dass es wegen der Gespräche mit der
CDU Druck von außen gebe, müsse man aushalten.
CDU muss jetzt mit den
Grünen koalierenAls realistische Option bleibt für die
CDU ein Kenia-Bündnis mit
Grünen und
SPD, das eine breite Mehrheit hätte. Parteiintern gilt es allerdings als schwierig, die
Grünen als Koalitionspartner zu vermitteln, vor allem wegen der Differenzen in der Verkehrspolitik. Die Zeiten, in denen
CDU und Grüne in
Frankfurt eine vertrauensvolle Zusammenarbeit gepflegt haben, sind lange vorbei. Allenthalben wird von der neuen Sprachlosigkeit zwischen den beiden Parteien gesprochen. Diese ist nicht zuletzt in der Tatsache begründet, dass die
Grünen nach der Kommunalwahl 2021 die
CDU in die Rolle als Oppositionspartei gedrängt hatten.Bei der dritten möglichen Option, einem Linksbündnis, wäre die
CDU aus dem Spiel. Allerdings mehren sich die Stimmen im Römer, die eine Beteiligung der Linken an einer Stadtregierung als äußerst kritisch bewerten. Einigen Linken-Mitgliedern, darunter auch neue Stadtverordnete, wird eine antisemitische Haltung vorgeworfen. Erst dieser Tage hatte Benjamin Graumann, der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde
Frankfurt, an die „Parteien der Mitte“ appelliert: Sie sollten wahrnehmen, dass
Die Linke „kein seriöser Partner im Kampf gegen Judenhass sein wird“.Keine Mehrheit rechts der MitteKeine Option ist eine Koalition rechts der Mitte. In den sozialen Medien wurde in den vergangenen Tagen von Anhängern der AfD der Eindruck erweckt, das Problem der Mehrheitsbildung existiere nur wegen der Brandmauer, die die
CDU an einer Zusammenarbeit mit der AfD hindere. Ein rechtskonservatives Bündnis kommt aber im Frankfurter Stadtparlament nicht nur wegen inhaltlicher Differenzen und der klaren Abgrenzung der
CDU nach rechts nicht in Betracht.
CDU und AfD kommen zusammen nur auf 31 der 93 Mandate und sind selbst dann weit von einer Mehrheit entfernt, wenn kleinere konservative Gruppierungen ins Boot geholt würden.Eine Koalition aus
CDU,
Grünen und
Volt hätte nur eine Mehrheit von einer Stimme, bei einem Linksbündnis wäre der Vorsprung kaum größer. Solche knappen Mehrheiten bergen große Risiken, nicht nur bei der geheimen Wahl hauptamtlicher Dezernenten, die in der Vergangenheit wegen Abweichlern in den eigenen Reihen gescheitert sind. Auch im normalen Parlamentsbetrieb erfordern knappe Mehrheiten eine große Disziplin bei der Anwesenheit. Bei den Plenarsitzungen käme es auf jede Stimme an.Für
SPD-Chef Müller ist klar: „Wir brauchen eine stabile Regierung.“ Es müsse jetzt zügig Klarheit geschaffen werden, wie es weitergeht. Die
Grünen zeigen sich offen in alle Richtungen: „Wir werden uns natürlich wieder in die Gespräche mit allen demokratischen Parteien einschalten“, hatte
Grünen-Chef Burkhard Schwetje am Freitag mitgeteilt. Aber auch langjährige
Grünen-Stadtverordnete wie der Kultur- und Wirtschaftspolitiker Uwe Paulsen melden sich zu Wort. Er rät seiner Partei, nach vorne zu schauen und „konstruktiv, aber durchaus auch mit einer gewissen Demut und ohne Selbstüberschätzung“ Gespräche zu führen. Die
CDU habe die Wahl gewonnen. Seiner Ansicht nach ist es für die
Grünen an der Zeit, „Koalitionsgespräche mit
CDU und
SPD anzugehen, und zwar konstruktiv und ohne Scheuklappen“.