PfadnavigationHomePolitikDeutschlandRavensbrückSchülerinnen sollen in früherem KZ-Krematorium Hitlergruß gezeigt habenStand: 21:32 UhrLesedauer: 3 MinutenDie Mahn- und Gedenkstätte RavensbrückQuelle: Soeren Stache/dpaDie Gedenkstätte im früheren Konzentrationslager
Ravensbrück berichtet von einem schockierenden Vorfall während eines Schülerbesuchs. Die Leiterin schildert, dass Schulen Besuche manchmal mit der Begründung absagten, sie wollten Teilen ihrer Schülerschaft die Gedenkstätten nicht zumuten.Drei Schülerinnen haben sich in der Gedenkstätte des ehemaligen Konzentrationslagers
Ravensbrück fotografieren lassen und dabei nach Aussagen der Leiterin,
Andrea Genest, einen Hitlergruß gezeigt. Der Vorfall trug sich bereits vor mehreren Wochen zu. Die „Bild“-Zeitung zitiert Genest mit den Worten: „Mitschüler berichteten von drei Mädchen, die im Krematorium den Hitlergruß zeigten und sich dabei fotografieren ließen.“ Die Geste ist zwar strafbar, blieb in diesem Fall aber wohl straflos: „Die Mädchen aus
Mecklenburg-Vorpommern waren unter 13 und noch nicht strafmündig“, so Genest. „Bild“ zufolge trug sich der Vorfall im früheren Krematorium des Lagers zu. Lesen Sie auchAn anderen Orten der Verbrechen der Nationalsozialisten hinterließen Besucher extremistische Schmierereien und antisemitische Parolen. Der Direktor der
Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten,
Axel Drecoll, beklagt eine besorgniserregende Entwicklung.Der „Ruck nach Rechts“ und wachsender Antisemitismus seit dem
Hamas-Terrorangriff auf
Israel im Oktober 2023 zeige sich auch in den Gedenkstätten, sagte er bei der Vorstellung der Gedenkveranstaltungen zum 81. Jahrestag der Befreiung der Konzentrationslager in Brandenburg. Gedenkstätten-Leiterin Genest schilderte, Schulen sagten Besuche teils ab mit der Begründung, sie wollten der Gedenkstätte Teile der Schülerschaft nicht zumuten.Die Zahl der rechtsextremistisch und antisemitisch motivierten Vorfälle liegt laut der Stiftung bei rund 50 im Jahr und ist im Verhältnis zu den rund 500.000 Besuchern 2025 allein in der Gedenkstätte
Sachsenhausen gering. Vor dem Terrorangriff der
Hamas auf
Israel 2023 waren es etwa ein Dutzend Fälle.Zudem tauchten im Internet immer häufiger Bilder im Zusammenhang mit dem Holocaust auf, die mit Hilfe Künstlicher Intelligenz (KI) erzeugt sind. Das Netz werde geflutet mit KI-generierten Bildern aus dem Lageralltag, kritisierte Brandenburgs Kultur- und Wissenschaftsministerin
Manja Schüle (SPD). Aus Sicht der Gedenkstätten ist es schwierig, an die Urheber heranzukommen, die teils in Asien säßen.„Wir können nicht den gesamten digitalen Raum dahingehend überwachen“, sagte Drecoll. Vielmehr müssten die Gedenkstätten selbst gesicherte Informationen über Plattformen der sozialen Medien anbieten. Ministerin wirbt dafür, junge Generation stärker einzubeziehenMinisterin Schüle verwies auf die hohe Bedeutung der Erinnerungskultur: „In Zeiten, in denen die historische Wahrheit zunehmend von politischen Auseinandersetzungen, Geschichtsklitterung und digitaler Desinformation überschattet wird, wächst unsere Verantwortung, sie zu bewahren, zu vermitteln und gegen Instrumentalisierung zu verteidigen.“ Die SPD-Politikerin warb dafür, die Perspektive junger Menschen bei der Auseinandersetzung mit dem Holocaust stärker zu berücksichtigen. Die Erinnerung durch noch lebende Zeitzeugen werde es in naher Zukunft kaum noch geben, sagte sie. Zudem setzen knapper werdende Finanzen die Stiftung der Gedenkstätten unter Druck. Als Gründe wurden etwa hohe Energiepreise und steigende Personalkosten genannt. Zudem müsse die Stiftung, die einen Etat von rund zehn Millionen Euro hat, um die 100 historische Bauwerke instandhalten, so Drecoll. Die Stiftung finanziert ihre Aufgaben überwiegend aus Mitteln von Bund und Land.Mit zahlreichen Gedenkveranstaltungen erinnert die
Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten vom 17. April bis 3. Mai an die Befreiung der Konzentrationslager vor 81 Jahren. Geplant sind Zeitzeugengespräche, Ausstellungen und internationale Begegnungen, zu denen auch mehrere Überlebende erwartet werden. Am Sonntag, 19. April, wird in der Gedenkstätte
Sachsenhausen in Oranienburg auch Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) erwartet. In
Ravensbrück folgt am 3. Mai eine zentrale Gedenkveranstaltung. „Die Auseinandersetzung mit den Verbrechen des Nationalsozialismus endet nicht. Sie bleibt einer der Grundpfeiler unserer freiheitlichen Demokratie“, sagte Gedenkstätten-Leiterin Genest.säd mit dpa