13. April 2026Pakistan war Schauplatz der Gespräche zwischen dem
Iran und den USA. Um international das Image als Friedensstifter zu verbessern, muss
Islamabad aber noch mit seinen Nachbarn Indien und
Afghanistan Frieden schließen. https://p.dw.com/p/5C72GPakistans Premier Scharif (r.) trifft iranischen Parlamentspräsidenten Ghalibaf am 11.04.2026 in IslamabadBild: Office of the Iranian Parliament Speaker/WANA/REUTERSDie Verhandlungen am vergangenen Wochenende zwischen dem
Iran und den USA gingen zwar ohne konkrete Ergebnisse zu Ende.
Pakistan, das für das Treffen die Räume und Logistik in seiner Hauptstadt
Islamabad zur Verfügung stellte, wurde aber für seine proaktive Vermittlungsrolle gewürdigt. Nicht nur die iranische Delegation dankte seinem Nachbarland, auch US-Präsident
Donald Trump lobte den pakistanischen Premierminister
Shehbaz Sharif und Feldmarschall
Asim Munir für ihre Bemühungen. Um sein Image als Friedensstifter aufzubessern, muss
Pakistan aber noch an weiteren Stellschrauben drehen. Allem voran müssten die Beziehungen zu
Afghanistan und dem Erzrivalen Indien wieder normalisiert werden, sagen Politikwissenschaftler. Die Regierung in
Islamabad sieht sich in einem "offenen Krieg" mit den
Taliban als Machthabern in Kabul. "Ironischerweise hat
China eine einwöchige Gesprächsrunde zwischen Kabul und
Islamabad moderiert, während
Pakistan zwischen den USA und dem
Iran vermittelte", sagt der pakistanische Politologe Farooq Sulehria gegenüber der DW.
Pakistan und
Afghanistan: Warum sich Ex-Verbündete bekämpfenTo view this video please enable JavaScript, and consider upgrading to a web browser that supports HTML5 video Die Beziehungen zwischen Kabul und
Islamabad haben sich verschlechtert, seit die islamistischen
Taliban 2021 die Macht in
Afghanistan übernommen hatten.
Pakistan beschuldigt die nun regierenden Islamisten, dass sie den so genannten pakistanischen
Taliban (TTP) in der gebirgigen Grenzregion zu
Pakistan Unterschlupf gewähren würden. Die TTP will durch zahlreiche Anschläge in
Pakistan die Regierung in
Islamabad stürzen. Beide Gruppierungen sind nach eigenen Angaben weder strukturell noch personell vernetzt.
Pakistan bombardiert Städte in AfghanistanTo view this video please enable JavaScript, and consider upgrading to a web browser that supports HTML5 video Auch mit Indien kam es immer wieder zu bewaffneten Konflikten. Nach dem Terroranschlag in dem von Indien verwalteten Teil der Himalaya-Region Kaschmir in 2025 nahmen die Spannungen spürbar zu. Damals hatten mehrere Bewaffnete in dem Urlaubsort Pahalgam 26 mehrheitlich hinduistische Touristen getötet. Indien warf
Pakistan vor, die Angreifer unterstützt zu haben. Die Attentäter hätten der pakistanischen Islamistengruppe Lashkar-e-Taiba (LeT) angehört, die von den UN als Terrororganisation eingestuft wurden. Sie lehnt die indische Kontrolle über Kaschmir ab.Kaschmir-Krise: Indien feuert Raketen auf
Pakistan abTo view this video please enable JavaScript, and consider upgrading to a web browser that supports HTML5 video
Pakistan sei kein typischer Friedensstifter, sagt Sulehria. "Die ideologische Grundlage des pakistanischen Staates beruht auf der Feindseligkeit gegenüber Indien. Die derzeitigen Spannungen mit Kabul sind teilweise eine Fortsetzung dieses auf Indien ausgerichteten Ansatzes, da sich das
Taliban-Regime mit Neu-Delhi anfreundet, was
Islamabad Unzufriedenheit auslöste."Warum Indien und
Pakistan über die Wasserversorgung streitenTo view this video please enable JavaScript, and consider upgrading to a web browser that supports HTML5 video Zwar erkennt Indien das
Taliban-Regime nicht als die legitime Regierung von
Afghanistan an, dennoch besuchte der von den
Taliban zum Außenminister ernannten Amir Khan Muttaqi im Oktober vergangenen Jahres die Regierung in Neu-Delhi. "Unterschiedliche Reaktionen auf unterschiedlichen Druck" So stelle sich
Pakistan auf der einen Seite als einen ehrlichen Vermittler bei dem Konflikt zwischen dem
Iran und den USA dar, auf der anderen Seite seien seine Beziehungen zu den wichtigsten Nachbarländern feindselig.Kaschmir-Konflikt nach Anschlag neu entfachtTo view this video please enable JavaScript, and consider upgrading to a web browser that supports HTML5 video "Diese Situation ist nicht so widersprüchlich, wie sie scheint", meint Fatemeh Aman, Politikwissenschaftlerin der US-Denkfabrik Atlantic Council in Washington. "
Pakistan hat es mit zwei unterschiedlichen Realitäten zu tun. Bei seinen Beziehungen zum
Iran und zu den USA geht es um Diplomatie und darum, bei geringem Risiko Relevanz zu ergattern.
Afghanistan hingegen ist ein unmittelbares Sicherheitsrisiko, bei dem es um Extremismus, Instabilität und innenpolitischen Druck geht. Es handelt sich also weniger um einen Widerspruch als vielmehr um einen zweigleisigen Ansatz: Einfluss im Ausland, Kontrolle im Inland."
Pakistan weist massenhaft afghanische Einwanderer ausTo view this video please enable JavaScript, and consider upgrading to a web browser that supports HTML5 video Der Politologe Raza Rumi sieht das ähnlich: Der Widerspruch sei in der Realität das Ergebnis unterschiedlicher politischer Notwendigkeiten. Die Länder müssten ihre Politik auf der Grundlage von Geografie, Bedrohungslage und Einflussmöglichkeiten anpassen.
Pakistan habe sich ohne direktes Risiko diplomatisch im US-
Iran-Kontext engagieren können, während
Afghanistan aktive Sicherheitsrisiken mit sich bringe und daher einen anderen Ansatz erfordere.